NEUER ALTER INVESTOR

Bleibt beim „Lila Bäcker“ in Neubrandenburg der Ofen an?

Der Neubrandenburger Standort des Unternehmens könnte die Insolvenz mit einem blauen Auge überstehen. Für die Pasewalker Pleitefirma interessiert sich ein Investor, der ist ein alter Bekannter.
Mirko Hertrich Mirko Hertrich
Gegen die Firma mit insgesamt rund 2500 Mitarbeitern war am 1. April das Insolvenzverfahren eröffnet worden.
Gegen die Firma mit insgesamt rund 2500 Mitarbeitern war am 1. April das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Bernd Wüstneck
Neubrandenburg.

Eine mögliche Übernahme der angeschlagenen Unternehmenskette „Lila Bäcker“ könnte für die rund 200 Mitarbeiter am Neubrandenburger Produktionsstandort eine gute Nachricht sein. Bislang unbestätigten Informationen zufolge, die auch dem Nordkurier vorliegen, ist noch mindestens ein Investor im Rennen, der sich stark für eine Übernahme der Pasewalker Firma „Unser Heimatbäcker“ interessiert. Mitinhaber der verbliebenen Investorengruppe soll der ursprüngliche Gründer des Unternehmens, Volker Schülke, sein. Er war bis vor zwei Jahren in der Geschäftsführung der Unternehmensgruppe aktiv. Auf Anfrage des Nordkurier wollte sich dieser aber nicht äußern.

Unter der Ägide von Schülke hatte „Unser Heimatbäcker“ im Sommer 2014 die angeschlagene Neubrandenburger Bäckereigruppe „De Mäkelbörger“ gekauft. Die Bäckereikette kam nach langem Expansionskurs selbst in wirtschaftliche Schieflage. Erst Ende vergangener Woche hatte das Unternehmen angekündigt, den Produktionsstandort im brandenburgischen Dahlewitz zu verkleinern, selbst von einer Schließung war die Rede.

Gegen die Firma mit insgesamt rund 2500 Mitarbeitern war am 1. April das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Die Geschäftsführung der „Unser Heimatbäcker“-Unternehmensgruppe hatte am 15. Januar Insolvenzanträge gestellt. Zwei operative Gesellschaften der Gruppe betreiben über 400 Filialen. Der Konzern ist damit die fünftgrößte Filialbäckerei in Deutschland. Der Verkaufsschwerpunkt liegt in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin.

Gehaltsmodell sorgt für Aufsehen

Zum Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht Neubrandenburg den Berliner Rechtsanwalt Rolf Rattunde. Dieser sagte dem Nordkurier auf Anfrage, man arbeite mit Hochdruck daran, bis zur Gläubigerversammlung am 13. Mai eine Lösung zu präsentieren. Nähere Details wollte der Jurist nicht nennen.

Vor der Insolvenz hatte das Unternehmen bereits zum 31. Mai 2018 den Produktionsstandort in Gägelow (Landkreis Nordwestmecklenburg) komplett geschlossen. Teile der Produktion wurden auf den Neubrandenburger Standort in der Warliner Straße verlagert.

Viele der Entlassenen klagten, unter anderem vor dem Neubrandenburger Arbeitsgericht. In der Viertorestadt wurden auch schon Filialen des Lila Bäckers geschlossen, so unter anderem am Kaufhof Süd und im Vogelviertel. Wie es mit den übrigen Filialen weitergeht, ist unklar. Vor Ostern hatte das Unternehmen bestätigt, sich von rund 70 Filial-Standorten in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin/Brandenburg zu trennen.

Für Aufsehen in der Belegschaft sorgten jüngst auch die Ankündigung über ein neues Gehaltsmodell im Verkauf beim Lila Bäcker. Demnach sollten bereits zum 1.  April die bisherigen Prämien wegfallen. Dies betrifft die „Erfolgsprämie“ von bis zu 250 Euro sowie die Umsatzprämie von bis zu 300 Euro. Die Prämien kriegen Verkäuferinnen, die sich etwa einen längeren Zeitraum über nicht krankmelden. Nach Auffassung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sind diese Prämien Bestandteil des Lohns und dürfen nicht gestrichen werden. Daher rät Jörg Dahms, Geschäftsführer der NGG-Region Mecklenburg-Vorpommern, Betroffenen zur Klage, damit dieser Anspruch nicht verloren geht. 

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