EIN MONAT NACH DER GESETZESÄNDERUNG

Bonpflicht geht den Bäckern auf die Nerven

Einen Monat gibt es die gesetzlich vorgeschriebene „Bonpflicht“ nun. Die hiesigen Bäcker sind unzufrieden damit, aber aus Sorge vor Strafen fügen sie sich.
Bonwahnsinn: In Kisten werden die Belege gesammelt.
Bonwahnsinn: In Kisten werden die Belege gesammelt. Golletz, Weronika
Ein Beleg nach dem anderen bleibt liegen, weil kein Kunde sie haben will.
Ein Beleg nach dem anderen bleibt liegen, weil kein Kunde sie haben will. Golletz, Weronika
Ob fürs Brot oder die Streuselschnecke, für alles muss ein Beleg gedruckt werden. Die Kunden ärgert das.
Ob fürs Brot oder die Streuselschnecke, für alles muss ein Beleg gedruckt werden. Die Kunden ärgert das. Golletz, Weronika
Neubrandenburg ·

„Möchten Sie den Beleg mitnehmen?“ Diese Frage hört man seit einem Monat bei jedem Einkauf. Denn seit dem Jahreswechsel muss für jeden gekauften Gegenstand ein Kassenbeleg gedruckt werden. Ob wir ihn wollen oder nicht. Die sogenannte „Bonpflicht“ soll Steuerbetrug verhindern, weil sie jede Buchung für die Finanzämter besser nachvollziehbar macht. Das neue Gesetz stößt bei den ortsansässigen Bäckereien jedoch auf wenig Verständnis.

„Wir machen das, weil wir müssen. Die Sinnhaftigkeit dahinter erschließt sich mir aber nicht wirklich“, erzählt Thomas Gesche, Bäcker- und Konditormeister und Chef dreier „Bäckerei Gesche“-Filialen in Neubandenburg. Gerade in Zeiten, in denen der Klimawandel und der Umweltschutz in aller Munde ist, findet er die Bestimmung zur „Bonpflicht“ mehr als sinnlos. Denn das neue Gesetz hat zur Folge, dass Kistenweise Quittungen zusammenkommen. Hinzu kommt, dass es sich bei dem Papier um Thermopapier handelt, das mit speziellen Chemikalien versetzt ist und somit nicht im Altpapier landen sollte.

Doch damit nicht genug. Das Gesetz fordert Kassen mit zusätzlicher „Technischer Sicherheitseinrichtung“, um Buchungen betrugssicher nachweisen zu können. „Die Umrüstung kostet mindestens 1000 Euro und wir müssten unsere Kassen von einer externen Firma einrichten lassen. Wenn da also irgendwas schiefgeht, stehe ich da und habe die Probleme“, erklärt Thomas Gesche und erzählt, dass gerade kleine Unternehmen unter dem Irrsinn zu leiden hätten und sich keiner wundern bräuchte, wenn das Bäckerhandwerk dadurch den Bach runtergeht.

Kunden lehnen Kassenbon grundsätzlich ab

Auf Facebook kursierten in den vergangenen Wochen mehrere Aufrufe von Bäckereien in ganz Deutschland, die Quittungen den Finanzämtern in die Briefkästen zu stopfen, als Zeichen des Protests. „Eigentlich müsste man das machen“, sagt Frank Kadatz, Firmeninhaber der Neubrandenburger Bäckerei Kadatz. Auch für ihn ist der Sinn hinter der „Bonpflicht“ wenig nachvollziehbar. Denn für sein 36 Filialen umfassendes Unternehmen heißt das in erster Linie einen enormen Mehrverbrauch an Papier. „Für die Nachvollziehbarkeit der Geschäftsvorgänge ändert das überhaupt nichts“, sagt er und erklärt, dass alle Filialen auch vorher schon mit elektronischen und überprüfbaren Kassensystemen gearbeitet haben, da bei so vielen Filialen sonst der Überblick in der Buchhaltung verloren gegangen wäre. „Aber wir halten uns an das Gesetz und gut ist“, fügt er hinzu.

Finanzamt kann ohne Belege den Umsatz schätzen

„Eigentlich müsste man sich weigern und abwarten was passiert“, sagt Thomas Gesche. Allerdings könnte das unangenehme Folgen mit sich bringen. Denn wenn sich die Unternehmen nicht daran halten würden, könnte das Finanzamt bei einer Überprüfung die Umsätze schätzen. „Und das würde ganz schön teuer werden“, so Gesche.

Die Kunden lehnen den Kassenbon grundsätzlich ab, heißt es von den Mitarbeiterinnen der Bäckereien. Auch wenn man ihn auf den Tresen legt, bleibe er liegen. Im Verkaufsraum der Bäckerei Kadatz sagte eine Kundin auf die Frage, ob sie denn den Kassenbeleg mitnehmen möchte: „Nein. Schickt den am Besten gleich nach Berlin.“ Und spielt damit auf die Protestaktionen verschiedener Bäckereien an.

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Kommentare (9)

Ich habe mein Brot hier bei diesem Bäcker immerg gekauft, weil es sehr bekömmlich und schmackhaft war. Aber jetzt nicht mehr, denn man hat den EIndruck das die Kosten für den Bon Wettbewerb auf die Kunden abgewälzt werden, Ein normales Brot für 4,20 € zu verkaufen empfinde ich für eine Schande. Sicher sind Personal- und Rohstoffpreise nicht niedrig und auch die zahlreiche Einbrüche in diesen Laden müssen nicht auf den Brotpreis aufgeschlagen werden und den nächsten Urlaub der Familiendynastie mag ich auch nicht zahlen. Ich geh jetzt dem deutschen Werbemotto - einfach zu netto! ich werde es schon gesundheitlich überleben.ich kann mich noch erinner da kostete das Brot mal 3,60€.

wenn sie keine Ahnung haben wieviel Zeit und Arbeit es macht ein Brot herzustellen. 4,20€ ist ein sehr guter Preis für ein Handwerks Brot. Aber wo kein Hirn ist wie bei NETTO76 darf man auch nichts erwarten als nur geistigen Dünnschiss.

Dann bin ich mal gespannt wie Sie das begründen.... Machen SIe doch bitte eine Rechnung dazu auf... Vllt. können Sie ja dann den geneigten Durchschnittsverdiener überzeugen.... Nur am Rande..... 4,20€ waren mal 8,40DM.... Das für ein Brot? Freue mich auf Ihre Ergüsse.....

Kann man nicht helfen. Sie sind zu dumme um den Zusammenhang zu begreifen.

Kann man nicht helfen. Sie sind zu dumme um den Zusammenhang zu begreifen.

Das sind einfache Rechenspiele die Sie wahrscheinlich nicht anstellen können. Aus Ihrer Reaktion lässt sich jetzt auch ableiten, warum Sie bei Örtlichen Wahlen so um die 0,1% liegen. :-)
Politiker sind Sie nämlich nicht. :-) Zu dem nur dem Dummen zu helfen ist, durch einen Intelligenten. Der Sie ja scheinbar auch nicht zu sein scheinen. :-) Danke das Sie meinen Tag so heiter beginnen lassen. Als dann. :-) :-)

Kistenweise Bons muss man nicht produzieren. Es gibt auch digitale Lösungen ("E-Bon"), aber solchen Sachen verweigert man sich genauso wie EC- oder Kreditkartenzahlungen?

... will das Finanzministerium Steuerbetrug verhindern. Soweit so gut. Nur werden die Kosten für die Kassenbons auf die Kunden umgelegt.
Andererseits werden täglich über 1 Millionen Euro am Finanzamt vorbei ins Ausland transveriert. Und die hatten keine Kassen.

bietet mir keinen Bon an. Warum nur?