Segelvereins-Chef Uwe Gartz am Rande der niedergebrannten Bootsschuppen.
Segelvereins-Chef Uwe Gartz am Rande der niedergebrannten Bootsschuppen. Roland Gutsch
Regatta abgesagt

▶ Bootsschuppen-Brand trifft Segelverein besonders hart

Der Segelverein Neubrandenburg hat bei dem Großbrand am Oberbach mehrere Boote verloren. Eine geplante Regatta fällt aus, dafür bittet man um Spenden.
Neubrandenburg

Uwe Gartz steht wortlos zwischen all den heftig Diskutierenden am Maschendrahtzaun. Der Mann starrt hinüber auf die verkohlten Reste. Kopfschüttelnd. Fassungslos. Er zeigt: „Da. Unsere standen da.“ Gartz’ Blick sucht die apokalyptische Szenerie nach Überbleibseln ab, die eventuell aus dem schwarzen Wasser lugen. Unter den mehr als 50 Bootsschuppen, die am Donnerstag am zum Tollensesee führenden Oberbach komplett abgebrannt sind, gehören drei dem Segelverein Neubrandenburg (SVN). Uwe Gartz ist dessen Vorsitzender.

Während der Großbrand die meisten privat betrifft, hat es hier gleich einen ganzen Sportverein erwischt. „Mit den Schuppen sind unsere zwei Schlauchboote inklusive Motoren abgefackelt, die allein haben einen Wert von etwa 30.000 Euro. Außerdem ist das Motorboot eines Vereinsfreunds vernichtet worden, das er uns für das Training zur Verfügung gestellt hatte“, erklärt der SVN-Chef. „Die Schuppen hatten wir gerade erst wieder hergerichtet. Neue Tore, sanierte Pfähle. Sehr weh tut der Ausfall der Boote, weil das unmittelbare Auswirkungen auf unsere Vereinsarbeit hat.“

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Frühjahrsregatta auf dem Tollensesee abgesagt

Der SVN ist der einzige Verein in der Gegend, der sich darum kümmert, dass eine Segel-Generation nachschieben kann. Derzeit gehören 25 Kinder und Jugendliche zur Nachwuchs-Abteilung, deren Ausbildung erfolgt drei Mal pro Woche in vier Gruppen. „Das funktioniert aber nur, wenn wir Begleitboote haben. Und für Wettfahrten benötigen wir Sicherungsboote“, so Gartz. Vor allem auf das große neuere Schlauchboot war man stolz. Damit konnten sich die Neubrandenburger auch bei Regatten, die die Segelvereine aus dem Norden und weiter westlich in MV veranstalten, sehen lassen. Doch das gibt es nun nicht mehr.

Für das kommende Wochenende war die Frühjahrsregatta auf dem Tollensesee geplant, der Klassiker sollte seine sage und schreibe 69.  Auflage haben. Uwe Gartz: „Wir haben viel Mühe in die Organisation gesteckt, selbst aus Berlin hatten sich Segler angesagt. Alle freuten sich darauf, doch nun mussten wir absagen. Ohne unsere Boote kann man so ein Ding nicht ausrichten.“ Das Ganze sei ein Drama: „Da dachte man, nach all dem Corona-Stress mit den vielen Wettfahrt-Ausfällen würde es endlich weitergehen, und dann passiert so etwas.“

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Verein bittet um Spenden

Was hilft in dieser vertrackten Situation? „Geld“, redet Gartz nicht drum herum. „Wir wären froh, wenn sich Leute fänden, die uns finanziell unterstützen. Wir brauchen jetzt jede Hilfe“, sagt der SVN-Vorsitzende (Tel. 0151 70821818). Absurderweise habe er übrigens „noch eine Rechnung für eine Reparatur unseres älteren Schlauchboots“ auf dem Tisch liegen. Kosten für ein mittlerweile total zerstörtes Gefährt.

Uwe Gartz hat als Erstes den Segler-Verband Mecklenburg-Vorpommern über die Malaise informiert. Ein Rundschreiben mit der Bitte um eine Motorboot-Leihe, damit wenigstens das Training aufrechterhalten werden kann, ging an eine Reihe Vereine. „Wir wollen verhindern, dass unsere Nachwuchs-Abteilung zusammenbricht.“

Drachenbootshaus blieb verschont

Die weiteren anliegenden Wassersport-Vereine der Vier-Tore-Stadt hatten Glück – keine Opfer. „Unser Drachenbootshaus in der Nähe ist verschont geblieben, auch ein Bootsschuppen, den wir haben“, sagt Heiko Zinke, Geschäftsführer vom SC Neubrandenburg. „Wer weiß, wie das ausgegangen wäre, hätte der Wind anders gestanden.“ Der Trainingsbetrieb der Club-Kanuten ist eingeschränkt, die Stadt hat den Oberbach bis einschließlich kommenden Dienstag gesperrt. Grund sei die von der Feuerwehr ausgelegte Ölsperre, die die Ausbreitung von Gefahrenstoffen verhindern solle.

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