Baumfällungen
Massiver Kahlschlag in Wald bei Neubrandenburg

Hektarweise müssen Fichten gefällt werden, denen Trockenheit und Borkenkäfer den Garaus gemacht haben.
Hektarweise müssen Fichten gefällt werden, denen Trockenheit und Borkenkäfer den Garaus gemacht haben.

Wo vor kurzem noch Fichten wuchsen, liegen hektarweise gefällte Baumstämme am Boden. Und der Kahlschlag im Neuendorfer Revier bei Neubrandenburg ist noch nicht zu Ende. Was ist hier los?

Bei diesem Anblick blutet Revierförster Thorsten Loop das Herz: Wo vor kurzem noch Fichten wuchsen, liegen hektarweise gefällte Baumstämme am Boden. Und der Kahlschlag ist noch nicht zu Ende: Wohl mehr als 30 Prozent der Fichtenbestände, befürchtet Loop, müssen geopfert werden.

Der Schuldige ist winzig klein, fällt aber milliardenweise in die Wälder ein: Der Borkenkäfer verursacht Schäden in noch nie da gewesenem Ausmaß. Das trockene Jahr 2018 hat die Vermehrung der Schädlinge enorm begünstigt. Statt einer bis zwei wie in normalen Jahren hinterließen diesmal vier Generationen ihre zerstörerische Spur. Schon im Herbst waren massive Schäden zu verzeichnen, jetzt verschärft sich die Situation noch. „Und wenn das so weitergeht, haben wir hier in drei, vier Jahren keine Fichten mehr“, so der Förster.

Viele Bäume geschädigt

Gesunde Bäume entwickeln Abwehrkräfte durch Harzfluss. Sind sie aber durch Trockenheit geschwächt, haben die durch Duftstoffe angelockten Schädlinge freie Bahn – „erst recht in Monokulturen“, verdeutlicht Loop. Erschwerend kommt hinzu, dass vor allem mittelalte Bäume betroffen sind, die in naher Zukunft zum Bauholz gereift wären. Was jetzt gefällt werden muss – der Rinde beraubt, unter der die Borkenkäfer ihre Brutgänge gegraben haben –, bringt beim Sägewerk viel geringere Preise. Die Ertragseinbrüche für die Waldbesitzer sind beträchtlich: Loop schätzt die Dimension des Kahlschlags auf rund 3000 Festmeter Holz aus dem Landesforst und weitere 1000 Festmeter bei privaten Waldbesitzern.

Überdies fehlen den betroffenen Flächen die „Zuwachsträger“, beklagt der Revierförster. Üblicherweise würden die Bestände durch Jungbäume erneuert, so dass der Boden durch mehrere Generationen bewachsen und somit vor extremer Witterung geschützt sei. Diesmal aber gebe es keinen anderen Ausweg als den Kahlschlag – kein gutes Omen für die Verjüngung der Wälder. In einigen westdeutschen Baumschulen fehle es schon an Pflanzgut, in Mecklenburg-Vorpommern zum Glück noch nicht.

Trotz Niederschlägen ein Wasser-Defizit

Problematisch ist die Erneuerung trotzdem, und das nicht nur bei den besonders käfer-gefährdeten Fichten. Die im vergangenen Frühjahr gesetzten Nordmanntannen zum Beispiel sind sämtlich vertrocknet. Und im November konnte wegen der langen Trockenheit gleich gar nichts gepflanzt werden: „Wenn der Boden einen Meter tief trocken ist, kann ich da keinen Baum hineinstecken“, verdeutlicht Loop. Trotz einiger Niederschläge der vergangenen Wochen bestehe selbst jetzt noch ein Wasser-Defizit.

Vieles hängt nun davon ab, wie das Frühjahrswetter weiter verläuft. Beim Aufforsten jedenfalls sind Mischwälder statt Monokulturen gefragt; vorzugsweise mit robusten Sorten wie Traubeneiche, Robinie, Esskastanie, Douglasie oder Küstentanne. Die lange Zeit als „Brotbaum“ geltende Fichte hingegen komme offenbar in Norddeutschland nicht mehr zurecht – verdrängt durch das veränderte Klima und einen unersättlichen Schädling.