Bodo Sievert (links) steht mit seinem Bruder Vollrath inmitten der Trümmer. Seit 40 Jahren verbringt er seine freie Zeit
Bodo Sievert (links) steht mit seinem Bruder Vollrath inmitten der Trümmer. Seit 40 Jahren verbringt er seine freie Zeit im Garten. Pablo Himmelspach
Ein großer Teil der Laube fiel den Flammen zum Opfer. Neben den Tieren verbrannten auch Futter, Vorräte und Werkzeu
Ein großer Teil der Laube fiel den Flammen zum Opfer. Neben den Tieren verbrannten auch Futter, Vorräte und Werkzeuge. Pablo Himmelspach
32 Tauben und zwei Kaninchen erstickten am Qualm. Ob es alle Überlebenden schaffen, ist unklar.
32 Tauben und zwei Kaninchen erstickten am Qualm. Ob es alle Überlebenden schaffen, ist unklar. Pablo Himmelspach
Gegen 21.30 Uhr rückte die Feuerwehr am Samstagabend aus, um das Feuer zu löschen. Die Polizei geht von Brandstiftun
Gegen 21.30 Uhr rückte die Feuerwehr am Samstagabend aus, um das Feuer zu löschen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Felix Gadewolz
Im Oktober vergangenen Jahres brannte direkt nebenan eine Gartenlaube ab. Auch damals war es Brandstiftung, auch damals war es
Im Oktober vergangenen Jahres brannte direkt nebenan eine Gartenlaube ab. Auch damals war es Brandstiftung, auch damals war es ein Samstagabend. Pablo Himmelspach
Schicksal

Brand raubt Neubrandenburger 34 Tiere – und einen Teil des eigenen Lebens

Bodo Sieverts Gartenlaube in der Neubrandenburger Oststadt fiel vermutlich einem Brandstifter zum Opfer. Ein großer Teil seiner Tiere verendete qualvoll. Er hofft nun auf Hilfe.
Neubrandenburg

Es ist ein ganzes Lebenswerk, das am Samstagabend in der Neubrandenburger Oststadt in Flammen aufging. In der Kleingartenanlage Hufelandstraße sind bei einem Brand 32 Tauben und zwei Kaninchen verendet. Doch nicht nur das: der Kleingärtner und Hobbyzüchter Bodo Sievert verlor sein Werkzeug, seinen Erholungsort und damit einen bedeutenden Teil des eigenen Lebens. „Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie ich mich fühle. Es ist wie ein Schock. In der Nacht ist es am schlimmsten, ich kann so gut wie gar nicht schlafen”, sagt der 74-Jährige, während er in den Trümmern von 40 Jahren Arbeit steht.

Jeder, der etwas braucht, kommt zu ihm

In der Luft liegt auch noch knapp zwei Tage nach dem Brand beißender Rauchgestank. Immer wieder kommen andere Pächter vorbei, grüßen Bodo Sievert, sagen ihm, wie sehr es ihnen leidtue. Bodo Sievert war so gut wie immer da. Tag für Tag sei er nach dem Frühstück in den Garten gegangen, um zu werkeln, sich um die Tiere zu kümmern und Freunde zu treffen. „Bodo ist einer der wichtigsten Leute in der Gartenanlage. Jeder, der etwas braucht, kommt zu ihm”, sagt Bruder Vollrath Sievert, der Vorsitzende des Kleingartenvereins.

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Da Bodo so beliebt sei, könne er sich nicht vorstellen, dass jemand aus der Gartenanlage für den Brand verantwortlich ist. Dass die Aktion geplant gewesen war, ist für ihn jedoch klar. „Das war totale Absicht”, sagt Vollrath Sievert, um dann über den Zaun zum angrenzenden Grundstück zu deuten. Dort offenbart sich ein ähnliches Bild: Nur noch drei kohlschwarze Trägerbalken ragen von dem Betonfundament in die Luft, davor liegen Holztrümmer, ein verkohltes Fahrrad und anderer Schrott. Knapp drei Monate ist es her, dass die Nummer 235 einem Kriminellen zum Opfer fiel, und auch jetzt geht die Polizei von Brandstiftung aus. „Die Leute haben mittlerweile Angst. Wir fragen uns, wer der nächste ist”, sagt Vollrath Sievert.

Was die Versicherung sagt, ist noch unklar

Dass der Brandschutt auch noch Monate nach dem Brand nicht weggeräumt ist, liegt am fehlenden Geld. Der Nachbar könne sich die teure Entsorgung nicht leisten, sagt Vollrath Sievert. Auch der Regionalverband leiste keine Unterstützung. Bodo Sievert könnte es genauso ergehen. Zwar haben ihm seine Freunde schon Hilfe beim Aufräumen zugesagt: „Na klar, Bodo!” Doch was die Versicherung sagt, ist noch unklar. Bruder Vollrath hofft daher auf das Mitgefühl der Neubrandenburger: „Vielleicht gibt es ja einen Entsorger, der einen Container zur Verfügung stellen würde. Oder Menschen, die spenden wollen.”

Der Eigentümer gibt sich an diesem Nachmittag nach außen hin gefasst. Während der Frau seines Bruders Tränen aus den Augenwinkeln kullern, presst er ein Lachen hervor, während er von seinem Unglück erzählt. „Ich denke immer an meine Sachen und was ich jetzt gerade benutzen könnte. Dann fällt mir auf: Ich habe nichts mehr.”

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Seine durch den Rauch vergifteten Tauben und die Kaninchen will er in seinem Garten begraben. Unklar sei, ob es die Überlebenden schaffen. „Das weiß man noch nicht”, sagt Bodo Sievert. Aufgeben will er aber nicht. Vielleicht ließe sich der verbrannte Teil der Laube ja wieder herrichten, vielleicht muss er sie auch abreißen und neu aufbauen. Was inmitten all der Zerstörung bleibt, ist die Ungewissheit: „Ich frage mich nur, warum.”

 

 

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