Allein in der Koszaliner Straße in der Neubrandenburger Oststadt brannte es in der zweiten Märzhälfte mehrmals
Allein in der Koszaliner Straße in der Neubrandenburger Oststadt brannte es in der zweiten Märzhälfte mehrmals. Felix Gadewolz
Zum Brand in der Brauereistraße wird inzwischen wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt.
Zum Brand in der Brauereistraße wird inzwischen wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt. Felix Gadewolz
Zum jüngsten Feuer in der Neubrandenburger BAZ-Halle am Sonntag hat die Polizei zumindest einen Ermittlungsansatz.
Zum jüngsten Feuer in der Neubrandenburger BAZ-Halle am Sonntag hat die Polizei zumindest einen Ermittlungsansatz. Felix Gadewolz
In den Blöcken der Koszaliner Straße sind Feuerwehrleute und Brandursachenermittler seit zwei Wochen im Dauereinsat
In den Blöcken der Koszaliner Straße sind Feuerwehrleute und Brandursachenermittler seit zwei Wochen im Dauereinsatz. Tim Prahle
Eine Kamera in der Robert-Koch-Straße könnte die Täter eingefangen haben.
Eine Kamera in der Robert-Koch-Straße könnte die Täter eingefangen haben. Tim Prahle
Ermittlungen

Brandserie in Neubrandenburg setzt Polizei unter Druck

Zwölf Mal mussten die Neubrandenburger Feuerwehren in der zweiten Märzhälfte zu Bränden ausrücken, neun Mal davon in die Oststadt. Angst und Ermittlungsdruck steigen stetig.
Neubrandenburg

Es ist eine Brandserie, bei der die Superlative auszugehen drohen. Seit der Nacht zum 15. März mussten die Neubrandenburger Feuerwehrleute nahezu jeden Tag zu einem Brand ausrücken. Meistens in die Oststadt wegen Brandstiftung. Wenn es woanders hinging, scheint die Ursache zumindest nicht krimineller Natur gewesen zu sein: eine Selbstentzündung im Reitbahnviertel, ein Arbeitsunfall in der Ihlenfelder Vorstadt. Nach dem Brand eines Holzschuppens in der Brauereistraße werde nun wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt, teilte die Polizei am Montag auf Anfrage mit.

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Ermittlungsansatz nur bei einem der Feuer

Bei den neun Bränden in der Oststadt wiederum wurden die Feuer jedes Mal gelegt. Zumindest nach derzeitigen Erkenntnissen. Auch hier gestalten sich die einzelnen Ermittlungen differenziert, wie von der Polizei weiter zu erfahren ist. Sowohl der Brand im Markscheiderweg als auch in der BAZ-Halle erfüllen juristisch wohl nicht den Tatverdacht der Brandstiftung, allenfalls der Sachbeschädigung. Nach dem Vorfall bei der längst verfallenen Mehrzweckhalle in der Hochstraße, zu der die Einsatzkräfte am Sonntagabend nicht das erste Mal ausrückten, gibt es noch einen weiteren gewichtigen Unterschied: Die Polizei hat erste Ermittlungsansätze.

Das lässt sich von der wiederholten schweren Brandstiftung in zwei Blöcken der Koszaliner und nun auch in der Robert-Koch-Straße noch nicht behaupten. Fünf Kellerbrände und zwei angezündete Sperrmüllhaufen verschreckten und vertrieben Mieter, eine Frau erlitt einen Schock und eine Anwohnerin musste mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Klinikum. Der Schaden summiert sich nach ersten Schätzungen auf etwa 180.000 Euro.

Suche nach möglichem Zeugen bisher erfolglos

„Es gibt keine Hinweise auf einen Tatverdächtigen“, sagt Polizeisprecher Alexander Gombert. Die Suche nach einem möglichen Zeugen, einem Mann mit Glatze, Vollbart, heller Jacke und dunkler Hose, der sich beim vierten Brand in der Nähe des Hauseingangs aufhielt, blieb bislang erfolglos. Dabei steigt bei der Polizei der Druck, endlich Ergebnisse zu liefern. „Den machen wir uns als Polizei ja selbst“, fügt Gombert an. Längst hätten die Brände die höchste Priorität bekommen, die Ermittler seien im engen Austausch mit der Kriminalpolizeiinspektion, verdeutlicht Gombert.

Hoffnung auf Ermittlungserfolg gibt es nach dem Brand in der Robert-Koch-Straße. Hier hängt an dem Wohnblock eine Überwachungskamera. Sie ist auf ebenjenen Platz gerichtet, von dem aus am Sonntag das Feuer von einem Haufen Sperrmüll auch auf den Wohnblock übergriff und die Fassade in Mitleidenschaft zog. Es werde Kontakt mit der Betreiber-Firma aufgenommen, bestätigte Alexander Gombert dem Nordkurier.

Zusammenhang zwischen Oststadt-Bränden nicht sicher

Zudem wurde laut dem Sprecher die Präsenz in der Oststadt durch uniformierte und zivile Streifen schon verstärkt. Denn die stete Wiederholung schürt die Furcht, dass es noch zu weiteren Bränden kommen könnte. Durch wen auch immer. Denn es ist nicht klar, ob jeder Brand in und an den Blöcken durch denselben Feuerteufel gelegt wurde. „Wir schließen einen Zusammenhang nicht aus, aber sicher können wir noch nicht sein“, sagt Alexander Gombert. Grund sind die unterschiedlichen Tatmuster. Die Brände im ersten WBS-70-Block in der Koszaliner Straße wurden alle um Mitternacht gelegt, einen Block weiter zündelten die Täter am helllichten Tag. In der Robert-Koch-Straße wurde die Feuerwehr am frühen Morgen gerufen.

Indizien, die aus polizeilicher Sicht nahelegen, dass man es neben einem Brandstifter bereits mit Trittbrettfahrern zu tun hat. Doch ohne Tatverdächtigen bleiben auch die Motive unklar. Von „Dummen-Jungen-Streichen“ oder ähnlichen Verharmlosungen will die Polizei nichts hören. „Es ist hochgefährlich, hier wurden Menschen einem großen Risiko ausgesetzt“, betont Alexander Gombert. Weniger als zwei Jahre Freiheitsstrafe werde es für einen Erwachsenen da kaum geben können.

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