FEUER IM REITBAHNVIERTEL

Brandstifter in Neubrandenburg unterwegs

Das Areal zwischen Reitbahnweg und dem gleichnamigen See wird immer gefährlicher. Jetzt hat es schon ganz dicht am ersten Wohnblock gebrannt.
Thomas Beigang Thomas Beigang
Das jüngste Opfer der immer gleichen Zündelei – jetzt dicht an den Wohnblöcken in der Straße Am Reitbahnweg.
Das jüngste Opfer der immer gleichen Zündelei – jetzt dicht an den Wohnblöcken in der Straße Am Reitbahnweg.
Neubrandenburg.

Jetzt wird es auch für die Einwohner der Plattenbauten an der nördlichen Seite der Straße Am Reitbahnweg brenzlig – im wahrsten Sinn des Wortes. Denn der jüngste Brand in der längst verlassenen und verluderten Gartenanlage zwischen der Straße und dem See loderte schon ganz dicht dran am Haus.

Victor H. (63) schaut aus seinem Wohnzimmerfenster und zeigt auf den Schuppen, der in der Nacht zum Freitag in Flammen aufging. Das schwarze Gebälk steht höchstens 20  Meter Luftlinie entfernt. „Uns wird Angst und Bange“, so der Mieter, der jetzt den Beschluss gefasst hat, die beiden großen Vermieter Neuwoges und Neuwoba zu alarmieren. „Die müssen“, sagt der Anwohner, „jetzt auch Druck machen, um dem Brandstifter endlich das Handwerk zu legen.“ Er habe vom regelmäßigen Einsatz der Feuerwehr hinter seinem Haus die Nase voll.

Feuer in acht Lauben und Schuppen

Gegen 1.30 Uhr war die Neubrandenburger Feuerwehr alarmiert worden, um hier den jüngsten Brand zu löschen. Nicht weniger als acht zerfallene Lauben und Schuppen sind hier in den vergangenen Wochen Opfer mutwillig gelegter Brände geworden. Der materielle Schaden war in den allermeisten Fällen kaum der Rede wert – zu lange steht hier schon alles leer. Was noch irgendwie zu gebrauchen war, haben Besucher längst mitgehen lassen. Im Polizeibericht über das Feuer in der Nacht zum Freitag tauchen schon gar keine Schadensangaben mehr auf.

Nach der nunmehr achten Brandruine ist es nicht zu früh, von einer Serie zu sprechen – eine Bezeichnung, die von der Polizei bislang im Zusammenhang mit den Bränden in der Ex-Gartenanlage noch immer gemieden wurde. Aber die Tatzeiten, die Objekte der „Begierde“ und die Herangehensweise lassen den dringenden Verdacht aufkommen, hier zündelt immer derselbe „Feuerteufel“.

Anwohner schlägt Plattmachen vor

Die Ermittler tappen noch im Dunklen, Zeugenaussagen sind rar. „Auch in der Nacht zum Freitag hat niemand etwas gesehen“, so eine Polizeisprecherin auf Nachfrage. Die Zusage gilt aber: Noch intensiver als bislang werde das gefährdete Areal von den Beamten des Polizeihauptreviers in der Kreisstadt „bestreift“.

Dem noch unbekannten Feuerteufel wäre an dieser Stelle längst die Grundlage entzogen, wenn es nach Victor H. und seinen Nachbarn ginge: „Mit einem Bulldozer rauf aufs Gelände und alles platt machen“, verlangt der Rentner. Ganz so einfach ist das aber nicht – denn das Areal ist Privatgelände und gehört einem Mann aus Berlin, der den Grund und Boden früher an Kleingärtner verpachtet hat (der Nordkurier berichtete). Mit dem will die Stadt jetzt Tacheles reden und ihn auffordern, das Gelände zu beräumen, hieß es schon zu Wochenbeginn nach dem bislang vorletzten Brand aus dem Rathaus.

Die ringsum lebenden Mieter am Reitbahnweg und die Betreiber des benachbarten und potenziell gefährdeten „Kiosk 2000“ sind gespannt, ob daraus bald etwas wird. Denn das Gelände zu räumen, dürfte richtig teuer werden.

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Kommentare (3)

Wenn das Gelände beräumt ist, läuft immer noch ein Brandstifter frei rum. Wer weiß was der dann anzündet? Hätte man das Gelände nur 2 Wochen lang verdeckt überwacht, wäre der Täter längst gefasst. Auch im Bereich des Möglichen ist, das die Brände die Aktivitäten des Eigentümers zur 'Räumung' des Geländes sind. Was abbrennt muss man schließlich nicht teuer abreißen. Das hier innerhalb weniger Wochen 7(?) Lauben in einem so winzigen Areal systematisch eingeäschert wurden, ist ein Indiz für ein Interessengesteuertes Vorgehen.

Wenn die Welt einfach gestrickt wäre, wäre der/die Täter/in schon beim Gedanken einer Straftat gefasst und man müsste nicht für teuer Geld und viel Zeit Verdeckte dort oder anderswo auf die Lauer legen. Ein Gelangweilter, der unbedingt was "öffentlichkeitswirksames" erreichen möchte, hat Interesse Feuer zu legen. Natürlich könnte der Täter immer derselbe sein und dieser weiss noch nichts von seinem Glück in der Zeitung zu stehen und zündelt erneut an derselben Stelle in einer der kommenden Nächte, Monate oder Jahre. Es kann z.B. sein, dass eine ferngesteuerte Drohne nächtens dort Brandbeschleuniger abwirft. Dem kriminalistischen Spürsinn sind viele Ideen nicht fremd. Dem Eigentümer des Areals was zu unterstellen löst eine innere Anspannung der Ungewissheit, aber ob damit der Brandstifter nicht mehr frei rum läuft, bleibt scheunentorweit offen.

Ich hatte meine Worte bewusst so gewählt, dass nur eine Möglichkeit beschrieben wurde. 'Interessengesteuert' heißt ja auch nicht unbedingt, das es hier um die Interessen des Eigentümers geht. Kann gut sein, dass der überhaupt nichts mit den Bränden zu tun hat. Den Täter zu ermitteln ist letztlich Aufgabe der Polizei.