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Briefwähler zählen extra

Wie hier im Neubrandenburger Wahllokal 1 im Hotel Radisson blu sind ab 18 Uhr überall in den 47 Neubrandenburger Wahlbezirken die Stimmen ausgezählt worden. Auch die elf Briefwahlbezirke der Stadt sind erst zu diesem Zeitpunkt gezählt worden.
Wie hier im Neubrandenburger Wahllokal 1 im Hotel Radisson blu sind ab 18 Uhr überall in den 47 Neubrandenburger Wahlbezirken die Stimmen ausgezählt worden. Auch die elf Briefwahlbezirke der Stadt sind erst zu diesem Zeitpunkt gezählt worden.
Andreas Segeth

Die Höhe der Wahlbeteiligung wird durch die Briefwahl stets nach unten verzerrt. Jedenfalls für die einzelnen Wahllokale. Das sorgt vereinzelt für Unmut.

Mal angenommen, ausgerechnet zur Bundestagswahl fände in einem Neubrandenburger Straßenzug ein Wohngebietsfest statt. Weil alle Bürger dort zwar sehr demokratiebewusst, aber auch sehr feierfreudig sind, nehmen ausnahmslos alle wahlberechtigten Einwohner ihr Recht auf Briefwahl wahr. Am Wahlsonntag selbst bleibt das Wahllokal also leer. Ergebnis: exakt für dieses Wahllokal steht eine Wahlbeteiligung von null komma null Prozent – obwohl alle Bürger sich mittels Briefwahl an der politischen Willensbildung beteiligt haben. Paradox?.

Das ist zwar ein Beispiel, das mit Extremen arbeitet, aber gerade deshalb ganz gut illustriert, wie die Wahlstatistik funktioniert. Denn die Briefwähler zählen nicht mit in die Statistik ihres Wahlbüros, sondern werden in  gesonderten Briefwahlbezirken zusammengefasst.

Lothar Schmidt aus der Kreisverwaltung der Mecklenburgischen Seenplatte kann diese "Verfälschung" gemeinsam mit Jürgen Mößner, der im Neubrandenburger Rathaus für die Wahlen zuständig ist, erklären. Die Stadt Neubrandenburg ist in 47 Wahlbezirke unterteilt, aber nur in elf Briefwahlbezirke. Diese Briefwahlbezirke entsprechen den einzelnen Stadtteilen, nur die Oststadt ist wegen ihrer Größe in zwei Briefwahlbezirke unterteilt. Auch die Briefwahlstimmen werden erst am Wahlsonntag ab 18 Uhr öffentlich im Rathaus ausgezählt. Weil der Zuschnitt der Briefwahlbezirke ein anderer als der der Urnenwahlbezirke ist, könne man die Stimmen nicht zusammen zählen. Erst bei den Gesamtergebnissen für den Wahlkreis werden dann alle Stimmen für die Wahlbeteiligung gezählt. Das sei bundesweit so geregelt. Dieses Prinzip könne man auch nicht ändern, so Lothar Schmidt. Jedes andere Prozedere wäre zu aufwändig.