VOM BRACHLAND ZUM PREISGEWINNER

Brodas hässliches Gärtlein

Es war wie in der Geschichte vom hässlichen Entlein, das zum wunderschönen Schwan wurde. Rund 15 Gartenfreunde kümmerten sich in Broda um einen Garten, der mittlerweile nicht schöner glänzen könnte.
Dennis Bacher Dennis Bacher
Stolze Initiatorin: Cornelia Kuhnt (2.v.r.) zeigt den gemeinsamen Naturgarten in Broda.
Stolze Initiatorin: Cornelia Kuhnt (2.v.r.) zeigt den gemeinsamen Naturgarten in Broda. Dennis Bacher
Das Ergebnis: Etwa 15 Gartenfreunde päppelten den verwahrlosten Garten im vergangenen halben Jahr auf. Dafür gab es eine Plakette vom Landschaftspflegeverband M-V.
Das Ergebnis: Etwa 15 Gartenfreunde päppelten den verwahrlosten Garten im vergangenen halben Jahr auf. Dafür gab es eine Plakette vom Landschaftspflegeverband M-V. Dennis Bacher
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Neubrandenburg.

Gartenstadt Neubrandenburg? Mehr als ein Fünftel der Schrebergärten in Neubrandenburg lag im vergangenen Jahr jedenfalls brach. Die Kleingartenanlage in Broda-Neukrug ist mit einer nahezu hundertprozentigen Auslastung dabei eine Ausnahme. Dennoch mussten die Gartenfreunde aus dem Westen der Stadt lange fürchten, ihr geliebtes Grün an die Stadt zu verlieren, die zwischen B 104, Seestraße und dem Ölmühlenbach am liebsten Platz zur Bebauung geschaffen hätte. Seit etwas mehr als einem Jahr ist der Streit um den Erhalt der Kleingartenanlage Geschichte, die Gärtner gingen am Ende als glückliche Gewinner hervor. Zurücklehnen ist seitdem unter diesen Gartenfreunden allerdings nicht angesagt.

Cornelia Kuhnt ist seit 2011 Pächterin einer der 134 Parzellen auf der lange umstrittenen Anlage und hofft, dass sich die Stadt die ganze Geschichte nicht noch einmal anders überlegt. „Das ist vom Tisch“, sagt Dieter Gärtner, „die Stadt hat sich längst umorientiert.“ Der Mann mit dem passenden Nachnamen ist Fachberater der Gartenfreunde Mecklenburg-Strelitz-Neubrandenburg und auf Einladung von Cornelia Kuhnt in die Anlage gekommen. Denn die kümmert sich gemeinsam mit vielen weiteren Hobby-Gärtnern nebst dem eigenen Kleingarten seit März zusätzlich um einen weiteren, der als einer der wenigen in der Anlage über einen längeren Zeitraum hinweg brachlag. Wielange genau, das weiß die Gartenfreundin gar nicht so genau, der Anblick über den Zaun hinweg war jedenfalls kein schöner. Verwahrlost sei die Fläche gewesen, Unmengen an Holz, Müll und vor allem Unkraut waren vorhanden. Nun, etwa sechs Monate später, erhielt jener Garten gar eine Auszeichnung.

Mit vereinten Kräften kümmern sie sich

„Genau hier wird die Plakette angebracht“, sagt Cornelia Kuhnt und deutet auf einen Holzpfosten neben dem Gartentor. Jenes Schild, das sie in der Hand hält, wurde der Hobby-Gärtnerin vom Landschaftspflegeverband M-V überreicht. Bei der Aktion „Natur im Garten“ zeichnet dieser Grünräume aus, die auf chemische Dünger, Pestizide und Torf verzichten, auf regionaltypische Pflanzen setzen und gleichzeitig ökologische Bewirtschaftung wie Kompostierung nutzen. Nach sorgfältiger Prüfung war klar: Der Naturgarten in Broda erfüllt die Kriterien.

Innerhalb eines halben Jahres ist hinter dem Gartentürchen mit der Nummer 53 ein ansehnlicher Naturgarten entstanden – mit Kräuterbeet, Bienenwiese, Komposthaufen, Insektenhotel und einem kleinen Rückzugsort für Igel. Die Initiative ergriff damals Cornelia Kuhnt, mittlerweile sind etwa 15 weitere Liebhaber des Grüns regelmäßig im Garten mit dem Kirschbaum beschäftigt.

Mit vereinten Kräften befreiten sie die Fläche im Frühjahr von all dem Unrat, die Männer gruben den Boden um, die Frauen kümmerten sich um die Bepflanzung. Einige Gartenfreunde stifteten Blumen und Dekoartikel, einer besorgte einige Europaletten, ein weiterer zimmerte aus ihnen die Abgrenzung für den Komposthaufen zusammen. Im ehemaligen Kleiderschrank, der von einer weiteren Gärtnerin aus Broda vorbeigebracht wurde, leben heute Bienen und Käfer in kleinen Löchern und Spalten zwischen Ästen und Sträuchern. Am Kräuterbeet, wo Thymian, Rosmarin oder Oregano heranwachsen, dürfe man sich jederzeit bedienen, sagt Cornelia Kuhnt. Es handle sich hierbei schließlich um ein Projekt für die Gemeinschaft.

Warum sie die Aktion ins Leben rief? „Weil wir als gemeinnütziger Verein beweisen wollen, dass wir hier unseren Beitrag zur Natur leisten.“ Dabei hoffe sie, dass auch die Stadt hinsieht und weiterhin davon überzeugt bleibt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben und die Bagger anderswo vorfahren. Der Garten bietet laut Kuhn Lebensraum für Tier und Pflanze und gleichzeitig einen Ort zum Zusammenkommen für die Menschen.

Füße hochlegen? Auch nach dem Erhalt der „Natur im Garten“-Plakette bei Kuhnt und Co. Fehlanzeige: „Ein Naturgarten ist kein Faulheitsgarten – wir kümmern uns weiterhin täglich um ihn.“

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