Im Spielverlauf hatte sich Spannung aufgebaut, es ging hitzig zu, die Trainer sahen die rote und gelbe Karte.
Im Spielverlauf hatte sich Spannung aufgebaut, es ging hitzig zu, die Trainer sahen die rote und gelbe Karte. Frank May
Jugend-Fußball

Brutaler Angriff auf Torwart – Spielabbruch in Neubrandenburg

Die eine Mannschaft schoss den Anschlusstreffer und wollte schnell weiterspielen – der gegnerische Torwart ließ sich Zeit und wurde attackiert. Er erlitt schwere Verletzungen.
Neubrandenburg

Brutale Szenen auf dem Kunstrasenplatz am Weideweg: Der Torwart der B-Jugend vom FC Motor Süd Neubrandenburg ist beim Spiel gegen den TSV Friedland 1814 am vergangenen Sonnabend zusammengeschlagen worden und verlor das Bewusstsein. Der Schiedsrichter brach das Spiel in der 65. Minute ab. Der Torwart kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus.

Gedächtnislücken, Schädelprellung, Gehirnerschütterung

„Er hat eine Schädelprellung und eine Gehirnerschütterung. Er leidet unter Druckschmerz an Kinn, Nase, Ohren. Was uns große Sorgen macht, sind die Gedächtnislücken, die sich bei ihm am Tag danach eingestellt haben. Da ist bei uns eine Angst, dass etwas zurückbleibt“, sagte der Trainer besagter FC-Motor-Süd-Elf.

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In der 65. Spielminute gab es für die Friedland-Junioren einen Strafstoß, der 2:3-Anschlusstreffer gelang. Und wie man es – ob aus dem Fernsehfußball oder tiefstklassigen Kicks – in diesen Konstellationen kennt, hatte es der Torwart nicht allzu eilig, den Ball aus dem Netz zu holen und ins Spiel zu bringen. Die gegnerische Mannschaft hingegen will umso eiliger weitermachen, um eventuell noch den Ausgleich zu schaffen.

Mehrere Faustschläge auf an den Kopf

In diesem Fall aber eskalierte die Situation komplett, so Augenzeugen. Nach einem Geschubse habe der Neubrandenburger Keeper von Friedländer Seite mehrere Faustschläge an den Kopf bekommen. Der 17-Jährige wehrte sich, wurde in eine Art Schwitzkasten genommen. Eine sogenannte „Rudelbildung“ mit Handgemenge folgte, kein harmloses Gerangel. Es wurde unübersichtlich. Der attackierte, augenscheinlich benommene Torwart begab sich währenddessen hinter den Abgrenzungszaun, wo er kollabierte und die Besinnung verlor. „Er war weg. Ein Spieler aus unserer zweiten Herren-Mannschaft kam ihm dankenswerterweise zu Hilfe und brachte ihn zurück“, berichtete der Trainer.

Trainer sahen gelbe und rote Karte

Der Schiedsrichter tat das einzig Richtige: Er brach die Partie ab. An diesem Tag war er um sein Amt nicht zu beneiden. Im Spielverlauf hatte sich Spannung aufgebaut, es ging hitzig zu, auch an der Seitenlinie. Der Friedland-Coach sah die Rote Karte, sein FC-Motor-Süd-Gegner an der Seitenlinie die Gelbe – „meine erste überhaupt, das tut mir auch leid“. Zu den Ereignissen wollte sich der Schiri nicht äußern: „Das sind jetzt laufende Verfahren.“

Jan Anterhaus aus der Fußball-Abteilungsleitung des Friedländer Traditionsvereins bat um „etwas Zeit für die Aufarbeitung. Wir wollen den Fall zu 100 Prozent untersuchen. Wer was wie getan hat, all das müssen wir nun erst einmal analysieren. Ich war ja selbst nicht vor Ort, es wird viel zu reden sein“, so Anterhaus. „Es sieht so aus, als würde die Schuld bei uns liegen.“

Anzeige bei der Polizei

Neubrandenburgs Trainer machte deutlich: Eine Anzeige bei der Polizei läuft. Sein Schützling sei einem ärztlichen Check unterzogen worden, so einer Computertomografie. „Er durfte nach Hause und muss jetzt ziemlich starke Schmerzmittel nehmen. Wir sind alle sehr in Aufregung.“

Beim Kreisfußballverband Mecklenburgische Seenplatte „hat der Jugend-Obmann zu dem Fall ein Verfahren eingeleitet“, teilte Harald Callies, der Vorsitzende des Sportgerichts, auf Nordkurier-Anfrage mit. „Wir sind nun dabei, die Fakten zu sammeln.“

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Kommentare (1)

Ahndung von Spielverzögerung obliegt beim Schiedsrichter und nicht bei Spielern. Letztere haben die Möglichkeit eine ersichtliche Spielverzögerung beim Schiedsrichter anzuzeigen, damit dieser tätig wird. Nach einem Tor ist laut Regelwerk der Ball für eine Spielfortsetzung freizugeben. Bei den Profis ist man hier professioneller und überlässt es der Mannschaft, die ein Tor geschossen hat und im Rückstand ist. Der gegnerische Spieler legt den Ball auf den Anstoßpunkt und die Spieler der anstoßenden Mannschaft tun allerhand "Wichtiges", wie Schuhe aufbinden, Haare richten, zum entferntesten Spieler laufen und was erklären usw.