Versuchter Totschlag
So brutal war der Macheten-Angriff am Bandido-Vereinsheim

Seit September sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft in der JVA Bützow.
Seit September sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft in der JVA Bützow.
Matthias Lanin

Im September 2018 eskalierte ein Streit nach einer Geburtstagsparty im Neubrandenburger Vereinsheim des MC Bandidos. Vor Gericht wird deutlich, wie knapp das Opfer mit dem Leben davongekommen ist.

Wegen eines brutalen Überfalls muss sich ein Mann vor dem Neubrandenburger Landgericht verantworten. Der Staatsanwalt sieht in der Attacke eine gefährliche Körperverletzung und versuchten Totschlag. Bei einem Schuldspruch erwarten den Angeklagten 5 bis 15 Jahre Gefängnis.

Was war an diesem Sonntagmorgen im vergangenen Jahr geschehen? Die Attacke stellte sich in der ersten Hauptverhandlung folgendermaßen dar: Der Angeklagte kommt am späten Samstagabend zu einer Geburtstagsfeier im Clubheim der Bandidos. Jemand feiert dort mit 30 Leuten seinen 50. Geburtstag. Der Tatverdächtige wirkt aggressiver als sonst.

Er pöbelt hier und dort Leute an, erinnern sich Zeugen im Gerichtssaal. Er ärgert die Leute, will gern handgreiflich werden. „Der stand richtig unter Strom. So kannte ich den gar nicht“, sagt eine Bardame. Weil der Angeklagte derart schlechte Stimmung auf der Party macht, ermahnt Ronny G. ihn.

Mit dem Auto die Ausfahrt versperrt

Der Angeklagte stänkert weiter, also gehen beide vor die Tür. „Die Sache war schnell geregelt und der lag am Boden, vielleicht bewusstlos. Ich weiß es nicht mehr“, erzählt Ronny G. auf Nachfrage. Wenig später bietet der Angeklagte mit noch immer mächtig Wut im Bauch seinem Kontrahenten eine entschuldigende Hand. Weil dieser nicht einschlug, machte sich der Tatverdächtige aus dem Staub, um draußen zu lauern.

„Das erste, was ich draußen sah, war das Tageslicht“, erinnert sich Ronny G., der wenige Minuten später zum Opfer wird. Da er selbst ordentlich getrunken hat, will er sich von einer Bekannten nach Hause fahren lassen. Doch ein Kombi rast quer von der Seite ran und versperrt die einzige Ausfahrt vom Vereinsgelände, am Steuer der Angeklagte, der sofort aussteigt und sagt: „Komm jetzt mal her.“

Was tut Ronny G., bevor er die gefährliche Machete in der rechten Hand des Bekannten sieht? Er lacht den Angreifer wegen der lächerlichen Überfallsituation aus. „Als ich die Waffe sah, ich wusste ja noch nicht, was es war, trat ich sofort den Rückweg an“, erklärte das Opfer, das am Donnerstag als Nebenkläger im Prozess auftrat. Ihm ist sofort klar, dass er hier nicht erschreckt werden soll. Mit so einem Teil wolle man jemanden auch nicht nur verletzen, fügte er hinzu.

Linkshänder verteidigt besser gegen Rechtshänder

Zu seinem Unglück kommt Ronny G. nicht mehr in Sicherheit. Der Angreifer reißt die Stahltür auf und schlägt mit voller Wucht mit der Machete auf das Opfer ein. Mit dieser Attacke trennt er die Kopfschwarte über dem linken Ohr des Anderen in einem acht Zentimeter langen Schnitt. Jetzt reagiert der Verteidiger reflexartig, wie in Trance. Er greift mit der rechten Hand in die Klinge und bringt den rasenden Bekannten zu Boden.

Dort entwendet er die Machete und fixiert den Riesen, bis Hilfe eintrifft. Doppeltes Glück im Unglück bewahrt Ronny G. vorm sicheren Tod, denn er konnte sich als Linkshänder besser gegen die Attacke wehren als Rechtshänder und zudem verlangsamte die Versorgung durch die Ersthelfer die Blutungen an Kopf und Hand.

Unter anderem eine Frage ist noch offen: Hat ein Medikament, das der Angeklagte zum Abnehmen genommen hat, einen psychotischen Wahn verursacht, der ihn zum Berserker machte? Insgesamt sollen knapp zehn Leute zu dem Fall aussagen, bevor das Gericht ein Urteil fällen will. Am 25. Februar werden sich vor dem Landgericht ein Mediziner und weitere Zeugen äußern.