BAHNHOF NEUBRANDENBURG

Bürgerinitiative gegen Pläne für Wohnanlage

Ein privater Investor plant 100 neue Wohnungen auf einem alten Bahnareal am Bahnhof. Benachbarte Anwohner fürchten eine Abwertung ihres Viertels und haben eine Bürgerinitiative gegründet.
Mirko Hertrich Mirko Hertrich
Die alte Bahn-Anlage mit Gleisen zwischen Gerichtsstraße und Morgenlandstraße wurde in den vergangenen Wochen beräumt. Hier könnten rund 100 Wohnungen entstehen. Eine Bürgerinitiative mit dem Neubrandenburger Rechtsanwalt Hagen Schaefer als Schriftführer möchte da ein Wörtchen mitreden.
Die alte Bahn-Anlage mit Gleisen zwischen Gerichtsstraße und Morgenlandstraße wurde in den vergangenen Wochen beräumt. Hier könnten rund 100 Wohnungen entstehen. Eine Bürgerinitiative mit dem Neubrandenburger Rechtsanwalt Hagen Schaefer als Schriftführer möchte da ein Wörtchen mitreden.
Neubrandenburg.

Gegen die Pläne eines privaten Investors, auf einer alten Bahnbrache in Neubrandenburg eine Wohnanlage mit „100 hochwertigen, überwiegend barrierenfreien Eigentums- und Mietwohnungen“ zu errichten, macht jetzt die Bürgerinititive „Schönes Nachjackenviertel“ mobil. Sie fürchtet um den Charakter und eine Abwertung ihres Quartiers. Das Nachtjackenviertel gilt mit seiner zusammenhängenden klassizistischen Bebauung als das schönste Wohnquartier in Neubrandenburg. Dies schlägt sich auch in den Immobilienpreisen nieder. Um beides fürchten nun Eigentümer und Mieter.

Der Schriftfühter der Inititive, der Neubrandenburger Rechtsanwalt Hagen Schaefer, stellt im Gespräch mit dem Nordkurier zunächst klar: „Wir finden es gut, dass die Brache endlich bereinigt wird, es war viel zu lange ein städtebauliches Katastrophengebiet.“ Der Bürgerinititive mit ihren aktuell rund 40 Mitgliedern gehe es überhaupt nicht darum, dass nicht gebaut wird. Sondern es stelle sich vielmehr die Frage, „in welcher Quantität und Qualität“ eine Wohnbebauung auf dem rund 17 000 Quadratmeter großen Areal entsteht.

In seinem Schreiben an die Anwohner der angrenzenden Straße führt der Jurist an, es sei davon auszugehen, dass das Grundstück teuer bezahlt wurde. „Und wenn die Wohnungen auch noch einen Profit abgeben sollen, ist zu befürchten, dass die Architektur billig, eintönig und klobig wird.“ Schaefer geht auch davon aus, dass bei der geplanten Wohnungszahl entweder sehr voluminös oder sehr hoch gebaut werden muss. Hinzu kommt der zu erwartende Verkehr. Bei 100 Wohnungen prognostiziert er mindestens 150 zusätzliche Autos.

Noch kein Gespräch mit Projektträgern gesucht

Schaefer fordert, dass mit den Anwohnern geredet werde und sie nicht „vor vollendete Tatsachen“ gestellt würden. Es müsse sehr vorsichtig und nachhaltig eine Bebauung entwickelt werden, die wie das Nachtjackenviertel auch nach 100 Jahren noch eine „historische Gültigkeit“ habe.

Bislang exisitert das Projekt „Wohnanlage Mitte-West“ des Neubrandenburger Investors HCG Projekt GmbH nur auf dem Reißbrett. Der Vorentwurf des Bebauungsplanes lag bis zum 21. Februar im Neubrandenburger Rathaus aus. Bei der HCG Projekt GmbH verwies man auf Anfrage des Nordkurier darauf, dass gerade das laufende Bebauungsplan-Verfahren für eine Beteiligung der Bürger da sei. Verwundert zeigte sich eine Verantwortliche allerdings, dass die Bürgerinitiative bis jetzt noch nicht das Gespräch mit den Projektträgern gesucht habe, um sich aus erster Hand zu informieren, was geplant sei.

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Kommentare (3)

Es ist sehr zu begrüßen, dass sich Bürger so für Ihre Stadt/Stadtteil einsetzen. Es ist zu hoffen das dieses Begehren der "Stadt" die Augen öffnet und darauf eingegangen wird. Wie auch schon geschrieben geht es hier auch um Sicherung des Eigentumswertes des Bestandes. Und wenn man sich das Impressum dieses Inventors anschaut, kann man erahnen das diese Bedenken nicht unberechtigt sind. Hochwertig werden diese Wohnungen einzig für die Bank und den Erbauer sein. Nachhaltig und ökonomisch wird damit auch kein Wohnraum geschaffen. Und Mut braucht es dafür auch nicht mehr, bei der prekären Wohnungslage. (Stichwort: Angebot und Nachfrage)
Hier agiert die Stadt genauso blind wie auf dem Marktplatz, wo nach Ausrüstung des Gebäudes immer mehr ein Monstrum zum Vorschein kommt. Herzlichen Glückwunsch NB für dieses "Bauwerk".

Grundsätzlich sehe ich Ihr schreiben als richtig. Die beiden Bauklötze auf dem Werbeschild..."super."

Danke!