BUS ZU VOLL

Busfahrer lässt Kinder in der Kälte stehen

Weil der Bus zu voll gewesen sein soll, ließ der Fahrer zwei Kinder an einer Haltestelle unweit von Neubrandenburg stehen. Dies macht die Mutter sehr wütend, doch den Fahrern sind wohl die Hände gebunden.
Dass Busse Fahrgäste stehen lassen müssen, kommt sehr selten vor.
Dass Busse Fahrgäste stehen lassen müssen, kommt sehr selten vor. Georg Wagner
Neubrandenburg.

Es war ein mehr als unschöner Ferienstart für den zwölfjährigen Theo aus Wulkenzin. Pünktlich zur Mittagszeit wollte er am letzten Schultag den ersehnten Heimweg antreten. Doch das verzögerte sich. Denn der Busfahrer ließ an der Haltestelle Hochschule nur zwei Fahrgäste rein. Theo und sein Klassenkamerad mussten draußen bleiben und eine weitere Stunde warten. Der Bus der Mecklenburg-Vorpommerschen Verkehrsgesellschaft (MVVG) war voll.

So erzählte er es auch seinen Eltern in Wulkenzin, die sich um den Filius bereits Sorgen gemacht hatten. „Er hat zwar schon ein Smartphone, aber kein Geld mehr auf der Karte“, berichtet Mama Susan Meißner. Und wenn das Kind Stunden nach Schulschluss nicht zu Hause ist, werde man schnell unruhig. Dass das eigene Kind einfach stehen gelassen wurde, nachdem es ohnehin schon lange auf den nur stündlich fahrenden Bus wartete, sei für sie „eine absolute Frechheit“.

Laut Busfahrer waren alle Sitz- und Stehplätze belegt

Einen Vorwurf, den MVVG-Geschäftsführer Torsten Grahn nur schwer nachvollziehen kann. Es stimmt, dass besagter Bus voll war und der Busfahrer zwei Fahrgäste hat stehen lassen müssen, bestätigt er auf Nordkurier-Anfrage. Es seien laut Busfahrer alle Sitz- und Stehplätze belegt gewesen. „Im Rahmen der Sicherheit darf der Fahrer dann niemanden mehr mitnehmen“, erläutert Grahn. Wer in seinem Auto fünf Sitzplätze hat, dürfe ja auch nicht sechs Personen mitnehmen. Susan Meißner reicht das nicht. Denn nach Aussage ihres Sohnes war der Bus keineswegs voll. „Da saßen noch genug Menschen, die ihre Rucksäcke und Taschen auf den Sitzen hatten“, sagt sie.

Doch auch hier sieht MVVG-Geschäftsführer Grahn die Möglichkeiten des Busfahrers begrenzt. „Selbst wenn er es sieht, kann der Fahrer die Fahrgäste von vorne ja nicht dazu zwingen, Platz zu machen”, betont er. Von einem generellen Problem könne auch keine Rede sein, in der Vergangenheit sei es nur sehr selten vorgekommen, dass mal jemand nicht mitgenommen werden konnte, wenn der Termin eine besonders hohe Zahl an Fahrgästen hergebe. Einzig die zurückliegenden Streiks samt Leistungsabfall hätten ab und an mal zu Engpässen geführt. Doch in der Region Neubrandenburg wurde kaum gestreikt. Sollte sich zudem andeuten, dass es zu gewissen Zeiten regelmäßig zu voll wird, könnten auch längere Fahrzeuge statt des 12-Meter-Busses eingesetzt werden, führt Grahn aus.

Auch Stadtbusse müssen Leute manchmal stehen lassen

Dass Fahrgäste auch mal stehen gelassen werden müssen, ist allerdings kein Problem, das einzig die MVVG kennt. Auch die Neubrandenburger Verkehrsbetriebe kennen Fälle aus dem Stadtverkehr, wo die Fahrgäste ab und an mal stehen gelassen werden mussten. Ebenfalls „sehr selten“, wie Sprecherin Steffi Schwabbauer sagt. Wie zum Beispiel beim Ferienstart, wenn alle Schüler gleichzeitig die Busse füllen. Meist betreffe es dann die Hauptlinien 2, 8 und 9. „Die zulässige Personenzahl ist von der Größe eines Busses abhängig und davon, ob Kinderwagen und Rollstuhlfahrer mitfahren“, so die Sprecherin.

100 Menschen passen theoretisch in die kleineren 12-Meter-Fahrzeuge, 150 in die größeren 18-Meter-Fahrzeuge. Da die Busse gerade auf den Hauptlinien im 15-Minuten-Takt fahren, halte sich die Wartezeit aber in Grenzen. Ganz im Gegensatz zu dem nur stündlich fahrenden Bus nach Wulkenzin. Doch für Theo, der mittlerweile seine Winterferien doch genießen kann, wird es wohl hoffentlich die versprochene Ausnahme bleiben.

 

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Kommentare (7)

Also das meint der Geschäftsführer der MVVG doch wohl nicht im Ernst??! Der Busfahrer soll nicht in der Lage dazu sein, Fahrgäste aufzufordern, ihre Taschen von den Sitzen zu nehmen, damit andere Fahrgäste nicht draußen stehen bleiben müssen??!! Zitat: „Selbst wenn er es sieht, kann der Fahrer die Fahrgäste von vorne ja nicht dazu zwingen, Platz zu machen“.
Das gehört also nach Auffassung des Herrn Geschäftsführers der Verkehrsgesellschaft nicht zu den Aufgaben des Busfahrers?! Naja, kann diesem – und dem Herrn Geschäftsführer – ja auch egal sein, sie sitzen ja beide warm und trocken!
Ich bin echt fassungslos!! OMG, wo sind wir inzwischen bloß hingekommen??!! Ich schätze mal, wenn es sich um Erwachsene gehandelt hätte, die noch zusteigen wollten, hätte sich der Busfahrer schon mal bequemt, eine Lösung zu finden. Aber Kinder kriegt man ja ganz einfach abgewimmelt. Das hätten mal meine Kinder gewesen sein sollen, da hätte sich der Herr Geschäftsführer aber warm anziehen können…

Sind, die Stehplätze, im Bus nummeriert, oder gekennzeichnet. 2 Schüler, hatten kein Platz. Wie konnte, es der Fahrer, von vorne sehen, bis nach hinten ?. Bei der Reichsbahn hätte es nicht passiert, in der Lehrzeit

Wenn die Kinder, im Bus hinten hoben, dass sieht, der Fahrer, und löst, eine Notbremsung aus, so eigenartig.

es soll toben heizen, bevor kritisiert wird

Wahrscheinlich sind die Beförderungsbestimmungen der MVVG noch in der Findungsphase, bevor diese öffentlich verfügbar sind, um zu klären, wie die MVVG die Personenbeförderung regelt. Oder sie wurden schlicht auf der Webseite der MVVG vergessen, damit potentielle Fahrgäste erfolgreich als Fahrgäste abgewehrt werden können. Stattdessen kann man im NK vom Geschäftsführer der MVVG zeitgemäße Karnevalsjokes lesen. Als Fahrzeugführer meines PKW kann ich ohne großes Palaver bestimmen, dass Sitzplätze von Rucksack und Tasche befreit werden, um alle Sitzplätze von meinen Fahrgästen zu besetzen.

Kinder sind unser höchstes Gut....blablabla.....eben nicht, wie man mal wieder deutlich sehen kann. Was sollen Kinder aus so einer Situation für das weitere Leben mitnehmen?! Das es völlig normal ist, Kinder einfach nicht mitfahren zu lassen, obwohl das ihr absolutes Recht ist und die Pflicht des Staates, des jeweiligen Bundeslandes sein sollte.....das auch zu gewährleisten. Morgens auf dem Weg zur Schule, hört man seltsamerweise nicht von so einer Verfahrensweise und da sind die Busse auch schon mal gerammelt voll.
In der heutigen Zeit, wo es keine wirkliche Sicherheit mehr im öffentlichen Raum gibt, ist meines Erachtens, diese Verhaltensweise von jenem Busfahrer....strafbar und sollte unbedingt Konsequenzen haben.

Sicher war der Busfahrer schon in Gedanken beim nächsten Streik. Das war für ihn wichtiger.so was muss sofort gekündigt werden Rücksicht !