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Freien Blick aufs Wasser?

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CDU will den Kahlschlag am Tollensesee-Ufer

Kein Blick auf den See möglich. Hier, wo RWN-Flächen touristisch genutzt werden sollen, müssen Bäume verschwinden, fordert die CDU der Stadt.
Kein Blick auf den See möglich. Hier, wo RWN-Flächen touristisch genutzt werden sollen, müssen Bäume verschwinden, fordert die CDU der Stadt.
Thomas Beigang/ © Anterovium - Fotolia.com

Die Stadt Neubrandenburg und ihr Tollensesee – eine unendliche Geschichte. Jetzt hat die Stadtverwaltung einen Bauplan wieder kassiert, mit dessen Hilfe eigentlich eine RWN-Fläche am Seeufer für Tourismus und Erholung fit gemacht werden sollte.

Alles von vorn. Die Planer im Neubrandenburger Rathaus haben einen Rückzieher gemacht und einen Bebauungsplan für das Areal Tollenseseeufer/Augustastraße zurückgezogen. Zu heftig der Gegenwind, der den Mitarbeitern der Stadtverwaltung dabei ins Gesicht wehte.

Dabei war alles so wohl überlegt. Denn für die Teilfläche im RWN-Gelände nördlich und südlich des Wassersportzentrums sollten für die zukünftigen privaten Investoren – die sich für Hallen und Grundstücke interessieren – Möglichkeiten der „seebezogenen Nutzungen“ geschaffen werden. Das oberste Ziel, so formuliert, lautete: Wassertourismus und Erholungsfunktion des Sees zu stärken. Der Standort an der Augustastraße erscheint den Planern deshalb dafür besonders geeignet, weil im ganzen Stadtgebiet keine vergleichbaren bereits erschlossenen Flächen zur Verfügung stehen.

Die größten Wellen bei der Kritik an dem Bebauungsplan macht die Neubrandenburger CDU. Deren Mitglied Marco Messner, Vorsitzender des mächtigen Stadtentwicklungsausschusses in der Stadtvertretung, formuliert das Ziel seiner Partei: „Der Blick auf den See muss frei sein“. Aber – auch hier wie fast überall ist das Ufer des Sees von teils mächtigen Bäumen und vielen Sträuchern längst zugewachsen. Das alles muss, so Messner und seine Parteifreunde, ohne Ausnahme abgeholzt werden. „Wenn wir potenziellen Investoren für deren Vorhaben hier nicht die freie Sicht auf den Tollensesee ermöglichen, kann man getrost jede touristische Nutzung des Geländes vergessen.“ Messer verweist auf andere Städte in der Seenplatte. Überall, so seine felsenfeste Überzeugung, spielen die Seen eine bessere Rolle als ausgerechnet in Neubrandenburg.

Viele Gäste der Stadt wissen zu wenig vom See

Riesengroße Aufregung danach bei der Fraktion der Bündnisgrünen in der Neubrandenburger Stadtvertretung. Deren Ratsfrau Franziska Richter, ebenfalls Mitglied im Stadtentwicklungsausschuss, kündigte sofort energischen Protest an. Die touristische Entwicklung des Sees sei auch ihnen wichtig, ließen die Neubrandenburger Grünen wissen, aber nicht um jeden Preis. Man sei „irrtiert über die harsche und schonungslose Kritik an den geltenden Naturschutzbestimmungen seitens der CDU-Fraktion“. Anstatt hier generell den Naturschutz zu verunglimpfen, sollten eher Planungsprozesse effektiver gestaltet werden, so Richter und verweist auf das missglückte Beispiel des Anlegers in Bornmühle, der in einem Schutzgebiet gebaut wurde.

Messner und seine CDU ficht das nicht an. Der See sei praktisch nicht wahrnehmbar, so der Neubrandenburger Hotelier. Immer wieder, so der Stadtvertreter, würden sich auch seine Hotelgäste erstaunt darüber zeigen, dass Neubrandenburg so hautnah an einen großen und schönen See grenzt. „Die allermeisten wissen zwar über die vier Tore in der Stadt Bescheid – aber haben keine Ahnung vom See.“ Deshalb gebe es für ihn und die Neubrandenburger CDU an dieser Stelle keine Kompromissbereitschaft: „Wenn touristische Infrastruktur an dieser Stelle eine Chance haben soll, dann müssen die Hindernisse für eine freie Sicht verschwinden“.

Messner verwahrt sich gegen den Verdacht, dass sich die CDU möglicherweise zum „Werkzeug“ künftiger Investoren mache, denen die freie Sicht auf den See in die Karten spielt. „Darüber hat es keinerlei Absprachen gegeben“, so der CDU-Ratsherr. Die Idee vom „Kahlschlag“ hätten Vernunft und Einsicht diktiert.

Kommentare (4)

Bevor dort abgeholzt wird - saniert und eroeffnet erst mal wieder Onkel Willi und Nonnenhof - oder bekommt die F96 nach Berlin auf die Reihe - - fuer 10 AP oder ein paar mehr vom AA Zwangsverpflichtete den Uferbewuchs und den Schilfguertel zurueck bauen -

oder verbauter Uferweg; oder finanzielles Interesse vor Allgemeinwohl oder ..... nur weil man nicht im Stande ist diesen schönen See mit seiner Natur bekannt zu machen, denkt man über Verhökern nach. Mein Vorschlag wäre es zum Beispiel am Hochhaus der NEUWOBA auf dem Lindenberg oder bei Belvedere eine life Cam zu stationieren, dann könnten sehr viele Internetnutzer, einen unverbauten Blick auf unseren See, als Vorgeschmack für einen Besuch, haben. Ansonsten denke ich auch "Onkel Wille" und Nonnenhof wieder Allen zugänglich machen, bzw. Nonnenhof wieder naturverbunden aufzubauen wäre ein besserer Ansatz, nicht an der einen Ecke über "Ungemach" hinwegsehen um schnell eine Neuinvestition zu arangieren. Fontänen und Flammen ist schon ein guter Ansatz, es gibt sicher noch viele Möglichkeiten den See ins rechte Licht zu rücken.

Ist es teurer, in der Innenstadt Werbung für den Tollensesee zu machen als Natur am Tollensesee wegzuholzen? Sind die Hotelgäste des CDU-Mannes erstaunt, dass sie die Existenz des Sees aus seiner Nase popeln müssen?

Der CDU Mensch sollte mal seine Augen öffnen für die Sinne und nicht nur für sein Portmonaise. Selber keine Werbung im Hause hinbekommen und dann alles abholzen... so blöd kann auch nur ein Politiker sein der nie die grüne Lunge der Stadt besucht hat.