NEUBRANDENBURGER RATHAUS

CDU will nur einen Teil des Freskos freilegen

Eine Stadt diskutiert: Die Christdemokraten in Neubrandenburg sind jedenfalls gegen die komplette Restaurierung eines klassenkämpferischen DDR-Kunstwerkes.
So sah das einst aus, als das Fresko im Neubrandenburger Rathaus noch nicht überklebt war.
So sah das einst aus, als das Fresko im Neubrandenburger Rathaus noch nicht überklebt war. NK-Archiv
Neubrandenburg.

Wenn in Neubrandenburg gestritten wird, dann heftig und vor allem über Themen der jüngeren Geschichte, die vielen Einwohnern noch sehr gegenwärtig ist. Das war so bei der Debatte um das Marx-Denkmal – die Meinungen, wo und wie und ob überhaupt der greise Philosoph nach vielen Jahren des unfreiwilligen Asyls in einer Lagerhalle der Wohnungsgesellschaft wieder die Sonne erblicken darf – waren so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Ähnlich die Reaktionen der Neubrandenburger während der jüngsten Debatte, ob ein Hochhaus-Ensemble in der Neustrelitzer Straße, errichtet in den 1980-er Jahren, den Sprung auf die offizielle Denkmalliste verdient hat.

Und nun steht ein Wandbild im Fokus, das fast 30 Jahre verschwunden war. Der „Kampf und Sieg der Arbeiterklasse“, so der Titel des 1969 von Wolfram Schubert geschaffenen Freskos, wurde bald nach der Wende von der damaligen Spitze der Stadtverwaltung der allgemeinen Ächtung unterworfen und hinter Leim und Tapete verborgen. Jetzt, im Zuge der Sanierung des in die Jahre gekommenen Rathauses, hat im Auftrag der Stadt die Restauratorin Helma Groll schon mal eine Ecke freigelegt. Auf Probe sozusagen – der Nordkurier berichtete natürlich darüber.

CDU will in Debatte einbezogen werden

Spätestens nach der Sitzung der Neubrandenburger Stadtvertretung in der vergangenen Woche hat sich die Debatte darüber unter den Neubrandenburgern wieder erhitzt. Während die einen die Renaissance des Wandbildes vehement ablehnen („Soll der Unrechtsstaat DDR wieder salonfähig gemacht und durch die Hintertür in das Rathaus gebracht werden?“), verlangen andere, die „Geschichte nicht erneut zu verbuddeln“. Intensiv nachgedacht über den Umgang mit der jüngeren Historie hat nun auch die CDU-Fraktion in der Stadtvertretung. „Wir hätten uns schon gewünscht, von Oberbürgermeister Silvio Witt eher in die Debatte einbezogen zu werden“, beklagt sich die Fraktionschefin Diana Kuhk.

Aber für die Christdemokraten steht jetzt fest: Da es sich bei dem Fresko von Schubert klar um ideologische Auftragskunst des DDR-Regimes handelt, könne die Neubrandenburger CDU eine vollständige Freilegung und Restaurierung nicht befürworten. Stattdessen kamen die Ratsfrauen und Ratsherren um Diana Kuhk auf die Idee einer teilweisen Freilegung – ohne Restaurierung. Sozusagen als „historisches Fenster“, wie es bei der CDU heißt. Auf einer Tafel könne dem Betrachter dann ein erklärender Text dazu geliefert werden. Eventuell sogar versehen mit einem Abbild des Gesamtkunstwerkes. Einen „Kompromiss“, nennt das die Fraktionsvorsitzende Kuhk, mit dem sowohl das eine als auch das andere Lager leben könnte.

Wer verbirgt sich hinter der Stiftung?

Und noch etwas stört die Neubrandenburger CDU: Die unbekannte Herkunft der stolzen 100 000-Euro-Summe zur Finanzierung der Freilegung und Restaurierung. „Wir wissen nur, dass eine Stiftung dafür aufkommen soll“, wundert sich Kuhk. Aber wer sich dahinter verberge, bleibe (noch) unbekannt, kritisiert die Neubrandenburgerin. Und präsentiert gleich einen alternativen Vorschlag: Wenn nur ein Teil des Wandbildes freigelegt und restauriert wird, bleibe doch Geld übrig, weil nicht die kompletten 100 000 Euro verbraucht werden. Mit dem Rest, so die CDU-Fraktionschefin gewohnt provokant, können doch Neubrandenburger Künstler der Gegenwart unterstützt werden. Denn längst nicht allen unter denen gehe es finanziell richtig gut.

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