Ausgewandert aus Mecklenburg

Coronavirus trennt 39-Jährige gleich doppelt von der Heimat

Anke Netling aus Roggenhagen lebt heute in Niedersachsen. Ihre Familie hat sie ewig nicht gesehen. Erst verpasste sie den Geburtstag ihrer Mutter. Als nun ein Besuch von Oma geplant war, steckte sie sich selbst mit dem Virus an.
Neubrandenburg

Durch die Pandemie wurde Anke Netling von ihrer geliebten Heimat getrennt – und das gleich zwei Mal. Die 39-Jährige lebt in Niedersachsen. Normalerweise fährt sie mindestens einmal im Jahr zurück nach Mecklenburg, wo ihre Familie wohnt. Der Bruder, die Mutter, die geliebte Oma und auch eine Schulfreundin sind noch da und Anke Netling freut sich immer darauf, ihren Urlaub in der alten Heimat zu verbringen. Am liebsten ist sie dann in der Region um Neubrandenburg unterwegs, doch ein Abstecher zur Ostsee muss auch immer sein.

Im Sommer 2019 war sie zuletzt da, in einem Hotel am wunderschönen Tollensesee. Coronabedingt musste der Besuch 2020 ausfallen. „Ich vermisse das wirklich sehr”, sagt Anke Netling. Den 60. Geburtstag ihrer Mutter hat sie dadurch verpasst, was ihr sehr weh getan hat.

Aufgewachsen ist sie in Roggenhagen bei Friedland. Dort und in Neubrandenburg ging sie auch zur Schule. Sie wurde Pflegerin und arbeitete in einem Altenheim in Friedland. Weil ihr damaliger Freund keine Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern gefunden hatte, zogen sie im Jahr 2004 nach Niedersachsen. Ein Jahr später heirateten beide in Malchin. Am Anfang kümmerte sie sich noch voll um die Erziehung ihres neugeborenen Sohnes und merkte schnell, was ihr nun fehlt. Keine Großeltern waren da zur Unterstützung, ein Kindergartenplatz zu bekommen war schwierig. Und wenn, dann nur von 7.30 Uhr bis 14 Uhr. Richtig Arbeiten gehen kann man da nicht.

„Die Menschen sind nicht so offen.”

Mit etwas Abstand zur Heimat hat Anke Netling bestimmte Dinge schätzen gelernt. „Der Mecklenburger ist ein anderer Menschenschlag, in Niedersachsen sind die Menschen nicht so offen”, sagt sie. Das mag überraschen, wird doch dem Mecklenburger eine gewisse Knurrigkeit nachgesagt. Doch die Fortgezogene begründet das so: „Ich vermisse das Dorfleben, das Miteinander der Menschen.” Von ihrem damaligen Mann ist sie inzwischen geschieden und nach der Trennung nach Hildesheim gezogen. In der Großstadt habe jeder für sich gelebt, der Zusammenhalt habe einfach gefehlt. Am Anfang sei es sehr schwer gewesen, Anschluss zu finden. Sie kam mit den Leuten nicht mehr so leicht ins Gespräch, wie es früher einmal war. „Es war nicht mehr so, wie ich es kannte.”

Nach zwei Jahren konnte sie wieder anfangen zu arbeiten und nach rund 16 Jahren in Niedersachsen betont sie heute: „Ich mag meine neue Heimat.” Sie lebt inzwischen in einer Kleinstadt, dort habe sie alles, was sie braucht, nette Nachbarn und gute Kontakte. An ihrem derzeitigen Leben möchte sie nichts ändern: „Wieder zurückzugehen, kommt für mich nicht in Frage, auch wenn sich die Verwandtschaft freuen würde.” Sie sei nun einmal weggezogen und habe ein anderes Leben kennengelernt. Sie sagt aber auch: „Ich weiß nicht, was noch kommt.” Wenn ihr Sohn, inzwischen 17, irgendwann einmal aus dem Haus sei, könnten die Dinge schon wieder anders aussehen. Und eine Stelle als Pflegerin bekomme sie in Mecklenburg allemal.

Kontakt über Facebook und Instagram

Kontakt in die alte Heimat und zu den alten Freunden halte sie heute über Facebook und Instagram, wenn auch nur sporadisch. Sie freut sich, wenn der Nordkurier wieder ein Foto aus der Region postet. Einmal hat sie eine Schulfreundin in Hannover getroffen, doch das ist auch schon ein paar Jahre her. Ansonsten bleibt es bei den Besuchen, wenn es denn geht, und da kam nun schon wieder das Coronavirus dazwischen.

Anke Netling hat sich vor etwa drei Wochen infiziert und kämpft noch immer mit den Spätfolgen. Sie musste zwar nicht ins Krankenhaus, doch sie fühlt sich schlapp, müde, nicht belastbar. Als sie mit dem Nordkurier telefonierte, war sie noch immer krankgeschrieben. Spätestens durch die Erkrankung ist nun ein eigentlich für Februar geplanter Besuch ihrer geliebten Großmutter in Niedersachsen ausgefallen. Da diese Risikopatientin ist, will sie ihre Oma nicht unnötig gefährden.

Und so heißt es also weiter Abwarten, bis sich die Familie endlich wieder sehen kann. In Mecklenburg.

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