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Darf Kolloch weiter Anwältin sein?

Kathrin Kolloch (Mitte) mit ihren Anwälten bei ihrem Prozess als Angeklagte vor dem Neubrandenburger Landgericht. Hier wurde sie wegen Untreue in einem besonders schweren Fall verurteilt.
Kathrin Kolloch (Mitte) mit ihren Anwälten bei ihrem Prozess als Angeklagte vor dem Neubrandenburger Landgericht. Hier wurde sie wegen Untreue in einem besonders schweren Fall verurteilt.
Andreas Segeth (Archiv)

Die Generalstaatsanwaltschaft Rostock treibt das Verfahren gegen die wegen Untreue strafrechtlich verurteilte Neubrandenburger Anwältin voran. Diese wehrt sich mit einer Verfassungsbeschwerde und will eine Wiederaufnahme ihres Verfahrens erreichen.

Nun wird es ernst für die Neubrandenburger Rechtsanwältin Kathrin Kolloch. Die Rostocker Generalstaatsanwaltschaft hat die sogenannte Anschuldigungsschrift gegen die Juristin beim Anwaltsgericht des Landes eingereicht. Das bestätigt Oberstaatsanwalt Jürgen Garbe von der Rostocker Behörde.

Das Anwaltsgericht wird darüber befinden, ob Kathrin Kolloch, die sich vor allem im Familienrecht einen Namen gemacht hat, ihren Beruf weiter ausüben darf. Denn sie ist nach einer ersten Verurteilung vor dem Amtsgericht Neubrandenburg dann in zweiter Instanz vom Landgericht Neubrandenburg im Mai 2013 wegen schwerer Untreue zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Diese wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zudem sollte Kolloch eine Geldstrafe in Höhe von 10 000 Euro an gemeinnützige Zwecke zahlen.

Das Oberlandesgericht Rostock verwarf den Revisionsantrag der Anwältin und bestätigte das Urteil im April 2014. Alle drei Gerichte sahen es als erwiesen an, dass Kolloch als vom Amtsgericht eingesetzte Berufsbetreuerin einer 82-jährigen demenzkranken Rentnerin deren kompletten Ersparnisse in Höhe von 40 000 Euro für private Zwecke missbraucht hatte. Die Anwältin habe „mit krimineller Energie und in eklatanter sowie eigennütziger Weise gegen fundamentale Pflichten eines Betreuers verstoßen“, hieß es in der Begründung des Neubrandenburger Landgerichtes.

Anwältin wehrt sich gegen Urteil

Kathrin Kolloch fühlt sich allerdings zu Unrecht verurteilt und wehrt sich gegen das Urteil. Einerseits hat sie Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Andererseits strebt sie eine Wiederaufnahme des Strafverfahrens an, weil das Urteil nach ihrer Auffassung auf falschen Beweismitteln basiere.

Das Anwaltsgericht urteilt nur über berufsrechtliche Verfehlungen von Rechtsanwälten. Es kommt bei Bedarf zusammen und besteht aus drei Anwälten. Ihm stehen mehrere Möglichkeiten der Sanktionierung zur Verfügung: Diese reichen von einer Warnung über einen Verweis, eine Geldbuße bis zu 25 000 Euro bis hin zum Verbot, auf bestimmten Rechtsgebieten tätig zu werden. Die härteste Strafe ist der Ausschluss aus der Rechtsanwaltschaft und der Entzug der Anwaltszulassung. Einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht.

Wie hoch Strafe ausfällt, liegt im Ermessen des Gerichts

Ob es zu der strafrechtlichen Verurteilung tatsächlich auch eine berufsrechtliche Strafe geben wird und wie hoch diese ausfällt, liegt ganz im Ermessen des Gerichts. Er könne noch nicht sagen, was er beantragen wird, so Oberstaatsanwalt Jürgen Garbe, der die Anschuldigungsschrift in Sachen Kolloch selbst gefertigt hat. Das hänge ganz vom Verlauf der Verhandlung ab. Dabei seien mehrere Dinge zu bedenken: Beispielsweise der Umstand, dass die Tat bereits lange zurückliege. Auch die Höhe des Schadens sei zu berücksichtigen – hier habe Kolloch die Summe gegenüber den Erben der mittlerweile verstorbenen Frau bereits zu erheblichen Teilen abgetragen. Unter anderem fließe aber auch das Auftreten der Anwältin vor dem Gericht selbst mit in die Urteilsfindung ein – so beispielsweise ihr Unrechtsbewusstsein.

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