Hier hat Uwe-Jens Ebel früher mal gelebt – allerdings ist sein ehemaliges Wohnhaus in der Lerchenstraße abger
Hier hat Uwe-Jens Ebel früher mal gelebt – allerdings ist sein ehemaliges Wohnhaus in der Lerchenstraße abgerissen worden, genauso wie drei weitere seiner ehemaligen Adressen in Neubrandenburg. Thomas Beigang
Auf dem Datzeberg sind von den ehemaligen Fünfgeschossern schon längst zwei Etagen abrasiert worden.
Auf dem Datzeberg sind von den ehemaligen Fünfgeschossern schon längst zwei Etagen abrasiert worden. Thomas Beigang
Immobilienmarkt

Darum sind Wohnungen in Neubrandenburg knapp

Die Vier-Tore-Stadt verfügt derzeit über so viele Wohnungen wie noch nie in ihrer Geschichte, und doch gestaltet sich die Suche nach einer neuen Bleibe mitunter schwierig.
Neubrandenburg

Wenn der 63-jährige Berufsschullehrer Uwe-Jens Ebel aus der Neubrandenburger Innenstadt nach seinen früheren Adressen in der Vier-Tore-Stadt sucht, hat er keine Chance mehr auf Erfolg. Alle Häuser und Wohnungen, in denen der Mann je gelebt hat, sind in den vergangenen Jahren abgerissen oder zurückgebaut worden. Ebel zählt auf: „Ein Hochhaus im Juri-Gagarin-Ring, abgerissen. Ebenso längst Vergangenheit die kleine Dienstwohnung im alten Hortgebäude der Regionalschule in der Südstadt. Das Quartier in der fünften Etage eines Neubaus in der Mudder-Schulten-Straße existiert auch nicht mehr, von den Gebäuden wurden die beiden oberen Etagen abgetragen. Und auch der Block in der Lerchenstraße hinter der Vogelviertel-Apotheke ist schon Geschichte.“

Ein Kommentar: Mancher Abriss in Neubrandenburg war wohl doch voreilig

Fast 3000 Wohnungen durch Abriss vernichtet

Nicht unbedingt ein Zufall. Denn in den vergangenen 20 Jahren sind in Neubrandenburg fast 3000 Wohnungen abgerissen worden. Rund 2350 Quartiere aus dem Bestand der Wohnungsgesellschaft Neuwoges und die Genossenschafter der Neuwoba haben im gleichen Zeitraum auf 566 Wohnungen verzichtet. Zum allergrößten Teil sind die Maßnahmen mit Fördergeld aus dem Stadtumbau Ost finanziert worden. Aber trotz des gewaltigen Aderlasses verfügt Neubrandenburg dank zahlreicher Wohnungsneubauten über so viele Quartiere wie noch nie in seiner bisherigen Geschichte. Nach dem aktuellsten statistischen Jahrbuch waren das Ende 2020 genau 38.535 Wohnungen. Zum Vergleich: 1981, auf dem Höhepunkt des staatlichen Wohnungsbaus, verfügte die damalige Bezirksstadt – eine der jüngsten Städte des Ostens – über gerade 26.525 Wohnungen. Der größte Vermieter in der Stadt ist die Neuwoges, die über 30 Prozent des Bestandes verfügt, 23 Prozent gehören den Genossenschaftern der Neuwoba. Fast jede zweite Wohnung (46 Prozent) war im Dezember 2020 in Privatbesitz.

Mieterbund kritisierte Rückbau schon vor Jahren

Allerdings ist der Abriss von Wohnungen im großen Maßstab auch in der Vier-Tore-Stadt längst Geschichte. Im Jahr 2016 hatte sich die Neuwoba letztmalig zu einer solchen Maßnahme entschlossen und 32 Wohnungen rückgebaut, sogar noch ein Jahr länger ist der bislang letzte Abriss bei der Neuwoges her, als 196 Wohnungen in der Oststadt dran glauben mussten. Nicht immer fanden Abrisse und Rückbauten dabei den Beifall aller. Der Mieterschutzbund kritisierte schon damals die Entscheidungen in der Sorge um genügend bezahlbaren Wohnraum in der Stadt. Und die Lobbyisten der Mieter sollten recht behalten. Denn bei einem Leerstand von lediglich drei Prozent (Dezember 2020) gestaltet sich die Wohnungssuche in Neubrandenburg für viele als kompliziert.

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Uwe-Jens Ebel kann das künftig egal sein. Der Lehrer geht in wenigen Tagen in den wohlverdienten Ruhestand – und zieht zu seiner Jugendliebe nach Sachsen. Seine jetzige Wohnung in der Innenstadt aber muss das Schicksal ihrer Vorgängerinnen nicht teilen – die bleibt stehen.

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