SHITSTORM

Das Internet fällt über Neubrandenburger Tanz gegen Frauengewalt her

Die Tanzdemonstration „One Billion Rising“ wird in sozialen Netzwerken ins Lächerliche gezogen. Vor allem ein Geschlecht tut sich dabei äußerst negativ hervor.
Viele Kommentare ziehen die Aktion „One Billion Rising“ ins Lächerliche. Gegenkommentare versuchen daran zu E
Viele Kommentare ziehen die Aktion „One Billion Rising“ ins Lächerliche. Gegenkommentare versuchen daran zu Erinnern, dass das Thema allgegenwärtig ist und solche Aktionen die Aufmerksamkeit darauf lenken und nicht das Problem lösen sollen. Lisa Gutzat
Reinhard Marschner (2.v.l.) freute sich sehr über die Spende vom Neujahrs-Behördenlauf. Er hilft seit 30 Jahren Mens
Reinhard Marschner (2.v.l.) freute sich sehr über die Spende vom Neujahrs-Behördenlauf. Er hilft seit 30 Jahren Menschen, die von Gewalt bedroht sind und erfahren mussten. Weronika Golletz
Neubrandenburg.

Nutzlos, unnötig und affig – mit diesen und anderen Begriffen wurde die Tanzdemonstration „One Billion Rising“ in Neubrandenburg auf Facebook kommentiert und die Veranstaltung ins Lächerliche gezogen. Die Demo will aufmerksam machen auf Gewalt gegen Frauen. Aussagen wie „Tanzen alleine hilft da nicht, man muss sich auch Vegan ernähren“ oder „Klassentreffen von Walldorf Schülern würde ich mal sagen... Klatschen und den Namen dabei tanzen....“ sind dabei noch die harmloseren Kommentare. Ein geringer Teil der Kommentatoren hält dagegen und entfacht eine Diskussion, bei der klar wird, dass das Problem heruntergespielt und das Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen herabgesetzt wird.

 

 

Sind manche Kommentatoren einfach nur unsicher?

Die Aktion „One Billion Rising“ wurde vergangenen Freitag zum ersten Mal nach Neubrandenburg geholt, um das allgegenwärtige Thema in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Reinhard Marschner vom Neubrandenburger Hilfeverein „Quo Vadis“ hat bezüglich der negativen Äußerungen einen Verdacht: „Wer das Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen und auch allgemein das Thema Gewalt negativ kommentiert, zeigt die Unfähigkeit, sich ernsthaft mit der Thematik auseinanderzusetzen.“ Er vermutet, dass die eigene Unsicherheit im Umgang mit der Thematik dazu führe, unangemessene Kommentare, zumeist anonym, im Internet von sich zu geben und damit auch gerne die Augen davor zu verschließen.

„Wir wissen nicht, ob die Leute, die in der Form kommentieren, in ihrem Umfeld Gewalt erfahren haben oder gar selbst Täter sind“, sagt Reinhard Marschner. Jedenfalls spricht er solch negativen Kommentatoren jegliches klares Denken ab. Denn bei klarem Verstand dürfte zum Beispiel jener Mann, der „Tanzen sollen die an der Stange...nicht doch auf der Strasse...!“ geschrieben hat, nicht gewesen sein.

Für Reinhard Marschner steht fest, dass Veranstaltungen wie „One Billion Rising“ durchgeführt werden müssen und das Thema so wichtig ist, dass es nicht einfach vom Tisch gewischt werden darf. „In den vergangenen 30 Jahren hat sich bereits viel getan, doch wir müssen weitermachen. Das Thema verdient es, in den Fokus der Öffentlichkeit getragen zu werden, und die Gesellschaft muss Frauen und Mädchen, aber auch Männer und Jungen, schützen und ihnen die Möglichkeit bieten, Hilfe zu erhalten“, sagt Reinhard Marschner.

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Kommentare (1)

Die Leute legen heute zuviel wert auf einen "Shitstorm". Das ist oft Dummgelaber und wird zu schnell auf die Goldwaage gelegt.
Die reden (oder leider schreiben zu schnell) vor sich hin und das bleibt länger als mündlich bestehen.
Es ist gut, daß das Thema an heraus getragen wird. Sie sollen auch tanzen. Die Frauen sind ja meist auch die Betroffenen. Aber durch das Tanzen und "feiern", wird dem Ganzen das Schlimme/Gewaltätige genommen.
Ich weiß, heute wird alles bissel "fetztiger" dargestellt und man sollte nicht so steif sein.
Nur ich, als Mann, wenn ich über das Thema rede/nachdenke, bin ich ernst bei der Sache, wie bei Kindesmisshandelung und all dieser Gewalt gegen Unschuldige.