Sprache
Das sagt Silvio Witt zu Hannovers Gender-Leitfaden

Silvio Witt, ein vorbildlicher Gender-Man.
Silvio Witt, ein vorbildlicher Gender-Man.
Bernd Wüstneck

Nachdem die Verwaltung in Hannover eine Broschüre zu korrekter Geschlechteransprache herausgegeben hat, äußert sich jetzt Neubrandenburgs Oberbürgermeister zu dem Thema.

Gibt es im Rathaus einen Leitfaden für die korrekte Geschlechteransprache?

Wir haben für jeden der fünf Fachbereiche eine Genderbeauftragte, die speziell geschult ist und die die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dem Punkt unterstützt. Aber das ist kein Vollzeitjob, sondern wird zusätzlich erledigt.

Was glauben Sie, wieso sich die Gemüter beim Thema Gendersprache so leicht erhitzen?

Weil es nicht so viel Spaß macht, sich über eine Haushaltssatzung aufzuregen. Was ich daran immer wieder erkenne, ist, dass Menschen viel schneller eine Meinung als eine Haltung haben. Zack, ist eine Meinung da und dann auch schon in die Welt geschrieben oder geschrien.

Wie ist ihre Haltung zu diesem Thema?

Dass man seine Sprache auf jeden Fall überlegt verwenden sollte. Ich möchte zum Beispiel, dass sich so viele Menschen wie möglich angesprochen fühlen. Wenn ich nicht auf die Geschlechter achte, schließe ich Zuhörer automatisch aus. Doch es gibt neben diesem zu wenig Beachtung auch zu viel Beachtung. Wenn ich zu kompliziert spreche, wird Sprache nur noch anstrengend und erreicht genauso wenig Menschen.

Und Menschinnen?

Dieses Wort ist mir unbekannt.

Was halten Sie von der Drucksache der hannoveranischen Verwaltung?

In einer Verwaltung mit 12.000 Mitarbeitern macht das Sinn. Ich bin, den städtischen Eigenbetrieb eingerechnet, für nur 530 Mitarbeiter verantwortlich. Wir können über das Thema im laufenden Dienst sprechen und sensibilisieren.

Gelingt Ihnen selbst die politisch korrekte Gendersprache?

Ich glaube schon. Unsere Gleichstellungsbeauftragte im Haus lobt mich zumindest immer, wie ich mich in Reden verhalte. Ich glaube auch, dass „liebe Neubrandenburgerinnen und Neubrandenburger, verehrte Gäste“ allen Seiten genügend Aufmerksamkeit entgegen bringt.

Seit 1. Januar gibt es neben männlich und weiblich ein drittes Geschlecht „divers“. Hat die Einführung dieser Kategorie vielleicht Arbeit oder Kosten verursacht?

Eigentlich nicht. Bei uns läuft heute vieles elektronisch. Deshalb mussten wir kaum Vordrucke oder Formulare ändern. Die Änderungen, die ja zum Großteil den Bereich des Standesamtes betreffen, sind im vergangenen Jahr programmiert und dann automatisch umgesetzt worden. Das ist unsichtbar geschehen.

 

Was halten Sie von der neuen Regelung für geschlechtergerechte Sprache in Hannover? Braucht es so etwas auch hier in der Region? Oder ist das nur unnötiger Verwaltungsaufwand? Schreiben Sie uns: desk-online@nordkurier.de

Kommentare (2)

Wer einen Penis hat, ist männlich, wer eine Vagina hat, ist weiblich. Wer beides oder keines von beidem hat, ist nicht divers sondern [wegen Verstoßes gegen die Netiquette gelöscht, d. Red.]. "Ordnung ist die schöne Tochter der Natur." - Schiller.

Dass beim Plural nicht alle angesprochen werden oder sich nicht angesprochen fühlen, ist erklärbar, aber nicht mit Gender. Wenn wer in einem Saal gendergerecht ruft:"Hört mal alle her!", fühlen sich noch lange nicht alle genderneutral angesprochen und hören nicht alle gendergerecht zu. Da deutsche Sprache für Deutsche und Nicht-Deutsche eh eine schwere Sprache ist, wird der Gender Star - z.B. in "Kolleg*innen" - die deutsche Sprache nicht lesbarer und verständlicher machen.