Die Teilnehmer des Spaziergangs liefen in umgekehrter Richtung über den Friedrich-Engels-Ring in Neubrandenburg.
Die Teilnehmer des Spaziergangs liefen in umgekehrter Richtung über den Friedrich-Engels-Ring in Neubrandenburg. Tim Prahle
Rund 100 Personen trafen sich am Markt in Neubrandenburg.
Rund 100 Personen trafen sich am Markt in Neubrandenburg. Tim Prahle
Der Spaziergang lief in entgegengesetzter Richtung über den Friedrich-Engels-Ring.
Der Spaziergang lief in entgegengesetzter Richtung über den Friedrich-Engels-Ring. Tim Prahle
Mit Sitzblockaden versuchten Gegendemonstranten, den Spaziergang aufzuhalten.
Mit Sitzblockaden versuchten Gegendemonstranten, den Spaziergang aufzuhalten. Mirko Hertrich
Mehr als 100 Personen beteiligten sich an dem Protestzug.
Mehr als 100 Personen beteiligten sich an dem Protestzug. Tim Prahle
Der Demonstrationszug am Stargarder Tor.
Der Demonstrationszug am Stargarder Tor. Tim Prahle
Rund 300 Teilnehmer

▶ Neubrandenburgs Corona-Zweifler treffen sich zum Demo-Spaziergang

Zahlreiche Bürger haben in der Innenstadt von Neubrandenburg ein Zeichen gegen vermeintlich überzogene Corona-Maßnahmen gesetzt.
Neubrandenburg

Rund 300 Personen sind am Montagabend einem Aufruf im Internet gefolgt und haben sich am HKB in Neubrandenburg zu einem "Abendspaziergang“ getroffen, um auf diese Weise gegen die Corona-Maßnahmen zu protestieren. Eine Teilnehmerin sagte dem Nordkurier, die derzeitigen Einschränkungen seien ihrer Meinung nach nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.

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Dass Corona-Protest zurzeit meist als "rechts" oder Irrweg von Verschwörungstheoretikern abgestempelt wird, halte sie keineswegs von der Teilnahme ab: „Kann ja sein, dass hier ein paar Rechte mitlaufen. Aber das gilt nicht für die Masse, die hier ist. Ich sehe auch die Meinungsfreiheit gefährdet.”

Protest-Spaziergang um den Ring

Gegen 19 Uhr hatte sich der Tross in Bewegung gesetzt, die Innenstadt durch das Stargarder Tor verlassen und wanderte dann konträr der Verkehrsrichtung den Ring entlang. Wie der Landkreis dem Nordkurier am Montag mitgeteilt hatte, war zuvor keine Demonstration angemeldet worden. Die Polizei, die mit einigen Kräften vor Ort war, sagte dem Nordkurier am Abend, die Veranstaltung sei zwar bis zuletzt nicht angemeldet worden, man sehe zunächst aber von einer Auflösung ab, so lange die Teilnehmer friedlich blieben und sich an die Mindestabstände hielten.  

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Linken-Ratsfrau von Demo-Teilnehmer an der Hand verletzt

Ganz friedlich blieb es nicht: Ein Nordkurier-Reporter wurde Augenzeuge, wie Linken-Ratsfrau Amina Kanew von Teilnehmern angespuckt wurde. Sie hatte sich zusammen mit dem Linke-Kreisvorsitzenden Tobias Hecht auf einen Fahrradweg an der Großen Wollweberstraße gesetzt, um den Demonstranten den Weg zu versperren. Nach Kanews Angaben wurde sie von einem Teilnehmer des Spaziergangs sogar an der Hand verletzt. Der Linken-Ratsfrau wurde wiederum von Beobachtern vorgeworfen, sie habe mit ihrer Sitzblockade auf unnötige Weise provoziert. Diese wiederum kündigte an, sie werde Strafanzeige gegen den Teilnehmer erstatten, der sie verletzt und bespuckt habe. 

Kanew wunderte sich gegenüber dem Nordkurier über die vielen Teilnehmer - und wer so alles dabei war. Der städtische Ordnungsausschuss hatte sich gerade auch mit dem Corona-Krisenmanagement Neubrandenburgs beschäftigt, sagte die Kommunalpolitikerin: „Doch von denen, die heute hier sind, war keiner bei der Sitzung“, so Kanew. Eine Kritik, die auch an die Neubrandenburger AfD-Vertreter ging, die beim Spaziergang mitliefen. Auch sonst war für die Veranstaltung offenbar aus dem rechten Spektrum heraus mobilisiert worden. Zu den Teilnehmern der Demo gehörten auch der Neubrandenbruger AfD-Stadtfraktionschef Peter Fink.

Neubrandemburger Unternehmer liefen mit

Gegen 20.15 Uhr hatte der Großteil der Teilnehmer den Ausgangs- und Schlusspunkt auf dem Marktplatz wieder verlassen. Unter den Demonstranten war auch Ratsherr Marco Messner (CDU). Er sei aus Interesse zum Marktplatz gekommen und habe sich als Privatperson, Hotelier und Gastronom spontan eingereiht, nachdem er viele Neubrandenburger Unternehmer unter den Teilnehmern  gesehen habe. Seiner Einschätzung nach haben sich Menschen aus dem gesamten gesellschaftlichen Spektrum an der Demonstration beteiligt. Ihm würden vor allem die wirtschaftlichen Auswirkungen der wegen der Coronakrise verhängten Maßnahmen Sorgen machen, so Messner.

Auch in Anklam waren am Montagabend gegen 19 Uhr rund 35 Teilnehmer zusammengekommen, die vom Rathaus aus rund eine halbe Stunde lang durch die Stadt zogen, um gegen die aktuelle Corona-Politik zu demonstrieren. 

Dieser Artikel wurde mehrfach aktualisiert, zuletzt am Dienstag, 12. Mai, um 12.20 Uhr. In einer früheren Version dieses Artikels wurde irrtümlich behauptet, der AfD-Politiker Ralph Weber habe zu den Teilnehmern der Veranstaltung gehört. Dabei handelte es sich um einen Irrtum. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
 

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