Am 8. Mai 1975 eingeweiht, wurde der Panzer im September 1991 wieder demontiert (Foto aus dem Jahre 1978).
Am 8. Mai 1975 eingeweiht, wurde der Panzer im September 1991 wieder demontiert (Foto aus dem Jahre 1978). Thomas Türülümow
Auf der grünen Wiese, wo einst der Panzer thronte, sollten Brautpaare Bäume pflanzen können. Die Idee geriet schnell in Vergessenheit.
Auf der grünen Wiese, wo einst der Panzer thronte, sollten Brautpaare Bäume pflanzen können. Die Idee geriet schnell in Vergessenheit. Thomas Beigang
Wo ist das Monument hin?

Der Russenpanzer grüßt aus England

Das stählerne Ungetüm an der Ostgrenze der Stadt war seinerzeit das erste Denkmal der Stadt, das den veränderten politischen Bedingungen in Neubrandenburg zum Opfer fiel. Im Kampf um die Demontage ging es auch gegen die sowjetische Armee.
Neubrandenburg

Heute Fünfeichen, am Sonnabend Neubrandenburg. Auf den Tag genau vor 73 Jahren besetzten die Divisionen der sowjetischen Armee die Stadt und machten ein für alle mal Schluss mit der Nazi-Herrschaft. Nur wenige Tage später war der schreckliche Krieg auch in Berlin zu Ende, am 8. Mai kapitulierte die Wehrmacht.

Mitte der 1970-er Jahre sollte für alle sichtbar an der östlichen Stadtgrenze Neubrandenburgs an den Tag der Befreiung erinnert werden – sinnigerweise in der damals gleichnamigen Straße, die seit der Umbenennung Woldegker Straße heißt. Am 8. Mai 1975 wurde das Panzermonument eingeweiht, 15 Jahre später gab die frisch gewählte Neubrandenburger Stadtvertretung das Existenzrecht des Panzerdenkmals zur Diskussion frei und – wie zu erwarten – fasste das städtische Parlament im November den Beschluss zur Demontage. Eine Bremer Firma entsorgte den stählernen Koloss, der, wie sich herausgestellt hatte, gar nichts mit der Befreiung Neubrandenburgs zu tun hatte. Der Panzer vom Typ T 34 wurde erst 1954 in Polen gebaut.

In Neubrandenburg erinnert nichts mehr an den Panzer – aber wo ist das Ding geblieben? Mit der Frage haben sich in den vergangenen Tagen Neubrandenburger – in Erinnerung an das Kriegsende – an den Nordkurier gewandt. Die beste Adresse für Probleme dieser Art ist das Stadtarchiv im HKB. Dessen Chefin Eleonore Wolf weiß auch Bescheid und präsentiert die alten Unterlagen und Zeitungsausschnitte. Ein Sammler militärischer Devotionalien habe den abgebauten Panzer, der im September 1991 vom Sockel „fiel“, von der Bremer Demontagefirma erworben. Irgendwo in einem englischen Museum soll der jetzt an die Rote Armee erinnern – mehr weiß man auch im Archiv nicht.

Dabei hat der Beschluss über den Abriss seinerzeit zu einer heftigen Auseinandersetzung mit dem Kommandeur der sowjetischen Garnison in Neustrelitz geführt. Der verbat sich die Demontage und verwies auf ein Abkommen der Regierungen beider Länder, in der sich die deutsche Seite zur Pflege und Erhaltung aller sowjetischen Denkmäler verpflichtet hatte. Besorgt meldete sich den alten Unterlagen zufolge seinerzeit der Neubrandenburger Vize-Oberbürgermeister Burkhard Räuber zu Wort, der in der strittigen Angelegenheit um eine „friedliche Lösung“ rang. Wie die Alternative im Streit mit dem sowjetischen General
aussehen sollte, ließ Räuber offen.

Auf der grünen Wiese, wo einst der Panzer thronte, sollten Brautpaare Bäume pflanzen können. So jedenfalls die Anregung der damaligen Abteilung Stadtgrün im Rathaus. Allerdings ist die Idee später auch relativ schnell in Vergessenheit geraten.

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