TRAURIGE NACHRICHT

Die Geschichte „Hagemeister“ ist nun zu Ende

Noch diesen Monat wollte das Altentreptower Urgestein Wolfdietrich Schröder hinterm Ladentisch stehen. Jetzt ist er verstorben.
Christina Weinreich Christina Weinreich
Wolfdietrich Schröder ist im Alter von 69 Jahren verstorben.
Wolfdietrich Schröder ist im Alter von 69 Jahren verstorben. Christina Weinreich
Altentreptow.

Bis Ende Januar wollte er noch mindestens hinterm Ladentisch stehen und die Reste seines Angebotes verkaufen. Es ging ihm offensichtlich wieder besser. Vor knapp zwei Wochen hatte Wolfdietrich Schröder dies gegenüber dem Nordkurier angekündigt. „Vielleicht schaffe ich es ja doch noch, bis 70 im Laden zu sein“, meinte er verschmitzt. Ende Januar wollte er sich noch mal dem Arzt vorstellen... Beides wird er nicht mehr können: Der Ur-Altentreptower Wolfdietrich Schröder, in der Kundschaft nur „Hagemeister“ genannt, ist Ende vergangener Woche in seinem Haus verstorben. Im Alter von 69 Jahren. Deshalb standen am vergangenen Freitag Rettungswagen und Polizei vor seinem Grundstück an der Karl-Liebknecht-Straße.

Die Nachricht von seinem Tod löste gestern in der Stadt große Betroffenheit aus. Fassen konnte sie keiner so recht. Manchem standen gar Tränen in den Augen. Er lief doch noch vergangene Woche durch die Stadt, sah gesundheitlich wirklich besser aus, hieß es immer wieder. „Er hat nur gearbeitet. Zwei Mal seit 1989 hat er sich Urlaub gegönnt. Wie krank er wirklich war, weiß wohl keiner so richtig. Er hat vieles immer weggelächelt, war aber immer um andere besorgt“, sagen Geschäftsleute in der Unterbaustraße über ihn. Sein Tod stimme sehr, sehr traurig. Er und sein Geschäft würden jetzt schon vermisst.

Wolfdietrich Schröders Leben war der Laden, den sein Opa Heinrich Hagemeister 1910 eröffnete. 1982 hat ihm die Tante, sie starb 2016 im stolzen Alter von 92 Jahren, den Laden vermacht. Bis heute sagten die Leute „Ich geh zu Hagemeister“, wenn sie ins Unterbaustraßen-Geschäft wollten. Schröder hat‘s nie gestört. Im Gegenteil, für ihn war das Wertschätzung in höchstem Maße. Nun ist das Kapitel „Hagemeister“ in Altentreptow beendet. Mit dem Tod des Treptower Urgesteins hört eine lange Firmengeschichte auf. Der studierte Handelsökonom konnte zwar noch einen Interessenten für den Laden gewinnen, wie er Anfang Januar erzählte, aber der wollte nicht das Sortiment Eisen- und Kurzwaren, Haushaltswaren jeglicher Art und Gartengeräte weiterführen, sondern das alte Haus für seine Zwecke umgestalten.

Im April vergangenen Jahres hatte Wolfdietrich Schröder verkündet, sich aus dem Geschäftsleben zurückziehen zu wollen. Aus gesundheitlichen Gründen. Gern hätte er noch bis 70 gearbeitet, sagte er damals. Die Ankündigung von der Geschäftsaufgabe löste große Bestürzung unter seinen Geschäftsnachbarn aus. Alle fürchteten um einen Rückgang an Kundschaft. Hagemeister hatte immer noch die Wirkung eines Magnets. Kämen Kunden zu ihm, schaute ein großer Teil immer auch bei anderen rein. Im Juni schloss er sein Geschäft, um es zu Halloween im Oktober und zur Weihnachtszeit und dann zu Jahresbeginn wieder zu öffnen. Der Restbestand sollte, so weit es ging, noch abgebaut werden, sagte er und war offenbar sehr froh, wieder in seinem Element zu sein.

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