Abstrichzentrum

Die harte Arbeit der Soldaten am Neubrandenburger Corona-Drive-in

Am Neubrandenburger Abstrichzentrum herrscht täglich Andrang. Die Bundeswehr unterstützt die dortige Arbeit, die akribisch geführt werden muss. Das Lachen haben die Helfer dabei aber nicht verlernt.
Jenny Koschnicke hilft am Fenster und reicht die Teströhrchen raus.
Jenny Koschnicke hilft am Fenster und reicht die Teströhrchen raus. Paulina Jasmer
Axel von Lonski und Jenny Koschnicke gehören zu den Soldaten, die die Arbeit des Neubrandenburger Abstrichzentrums auf dem Lindenberg unterstützen.
Axel von Lonski und Jenny Koschnicke gehören zu den Soldaten, die die Arbeit des Neubrandenburger Abstrichzentrums auf dem Lindenberg unterstützen. Paulina Jasmer
Neubrandenburg

Das Fenster am Abstrichzentrum des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte in Neubrandenburg ist den ganzen Tag geöffnet. Mit einer Spanplatte ist es zur Hälfte zugeklebt, damit nicht der gesamte Kälteschwall ins Zimmer schwappt. Es wirkt fast wie der Drive-in bei einem Schnellimbiss. Doch dieses Fenster auf dem Lindenberg ist essenziell. Es befindet sich in der Begonienstraße. Durch dieses Fenster kommen die kleinen Teströhrchen hinaus zu den Leuten, die zumeist in ihren Autos Schlange stehen.

Mobile Einheiten unterwegs

Von 9 bis 14 Uhr wird auf dem Lindenberg auf das Coronavirus getestet. Die Bundeswehr unterstützt hierbei das Gesundheitsamt seit Mitte Oktober. Stabsunteroffizierin Jenny Koschnicke und Oberstabsgefreiter Axel von Lonski bilden dabei ein Team. Zu einem Team gehören fünf Soldaten, die auch in mobilen Einheiten mit einem Arzt unterwegs sind zu Leuten, die nicht so einfach zum Neubrandenburger Abstrichzentrum kommen können.

Die beiden Bundeswehr-Soldaten helfen in der Corona-Pandemie freiwillig mit. „Normalerweise würden wir jetzt in der Einheit Ausbildung oder Training haben“, sagt die 27-Jährige aus Burg Stargard. Ihr sei es ein Bedürfnis, zu helfen. Sie sei nicht nur bei der Bundeswehr, um ihr Land zu verteidigen, sondern auch der Bevölkerung zu helfen, sagt Jenny Koschnicke wie selbstverständlich. Axel von Lonski aus Peckatel sieht die Sache ebenfalls völlig unaufgeregt. „Seuchen und Pandemien hat es schon immer gegeben“, meint er. Es gelte nun, Gefahren abzuwenden, sagt der Mann, der seit 13 Jahren bei der Bundeswehr ist. Jenny Koschnicke ist in ihrem 7. Dienstjahr. Insgesamt 78 Soldaten der Stabs- und Fernmeldekompanie der Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“ unterstützen derzeit die Gesundheitsämter in Oranienburg, Eberswalde, Selow, Neuruppin, Halberstadt und Neubrandenburg.

Anfangs musste alles per Hand geschrieben werden

Zeit, um mit dem Nordkurier zu reden, haben sie eigentlich nicht. Alles geschieht zwischen Tür und Angel, quasi im Vorbeigehen, denn die Autokolonne draußen wird immer länger. Um 14 Uhr kommt der Kurier, um die Proben zum Labor zu bringen. Stress. Aber jeder kennt seine Aufgabe: Axel von Lonski sitzt am Rechner, gleicht gemeldete Patientendaten ab, nimmt Chipkarten von denjenigen entgegen, die nicht angemeldet waren und deren Ärzte sie per Telefon zum Coronatest geschickt haben. Vor 9 Uhr haben die Helfer alle Beschriftungen der über Nacht gemeldeten Patienten ausgedruckt und Röhrchen beklebt. Ganz zu Anfang mussten die noch per Hand beschriftet werden. Jetzt gibt es zum Glück Etiketten zum Drucken. Jenny Koschnicke hilft einer Mitarbeiterin vom Gesundheitsamt am Fenster. Draußen stehen zwei Soldaten vom Sanitätsdienst in voller Schutzausrüstung. Sie nehmen die Abstriche vor, die dann in eine Kühlbox wandern.

Der Humor geht nicht verloren

Mitten in das emsige Arbeiten dringt ein Lachen. Bei aller Ernsthaftigkeit haben sie das auf dem Lindenberg nicht verlernt. Jenny Koschnicke hat Leute erkannt, die erst vor ein paar Wochen beim Test waren. Für einen weiteren Abstrich wolle man sich nun eigentlich nicht wiedersehen.

Pro Tag werden am Abstrichzentrum 150 bis 200 Proben genommen. Jenny Koschnicke und Axel von Lonski tun dabei unbeirrt ihren Dienst. Er sitzt am Computer, sie wirbelt durchs Zimmer, um zu verschiedenen Papierstapeln zu kommen. Nur der erste Tag sei kompliziert gewesen.

Dass sie beide einmal bei der Bundeswehr und damit auch im Abstrichzentrum landen würden, war gar nicht der Plan gewesen. Der 33-jährige Axel von Lonski ist zum Beispiel gelernter Straßenbauer und erst über den Grundwehrdienst habe er gemerkt, wie gut es ihm bei der Bundeswehr mit ihren Aufgaben und Hierarchien gefällt. Und Jenny Koschnicke hat Bürokauffrau im Einzelhandel gelernt. Ganz ohne Fachausbildung habe sie nicht zur Bundeswehr gewollt.

Unterstützung bis Mitte Januar verlängert

Beide fühlen sich im Abstrichzentrum übrigens sicher und sich keiner großen Corona-Gefahr ausgesetzt, trotzdem sie mit potenziell Infizierten zu tun haben. „Bei uns wird jeden Tag Fieber gemessen, um schon die ersten Anzeichen von Symptomen zu erkennen“, so Axel von Lonski. Er selbst habe auch kein Problem, noch weiter zu helfen. Denn danach sieht es aus. Die Bundeswehr hat ihre Unterstützung bis zum 15. Januar verlängert und zugesagt.

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