Beine hoch, Decke drüber und den Rätselteil des Nordkurier vom Wochenende auf dem Schoß – und schon ist
Beine hoch, Decke drüber und den Rätselteil des Nordkurier vom Wochenende auf dem Schoß – und schon ist die Welt von Elsbeth Warmuth in Ordnung. Heute an ihrem 100. Geburtstag wird sie dafür aber sicher nicht so viel Zeit haben. Paulina Jasmer
Jubiläum

Die Hundertjährige, die sich rüstig schläft

Elsbeth Warmuth lässt zum 100. Geburtstag den Nordkurier an Erinnerungen an das Stettiner Haff und den Torgelower Frauenchor teilhaben – und verrät natürlich ihr Geheimnis fürs hohe Alter.
Ihlenfeld

Elsbeth Warmuth aus Ihlenfeld bei Neubrandenburg liebt Sprichwörter. „Wer schläft, der sündigt nicht“, zum Beispiel. Schlaf ist für die Ihlenfelderin enorm wichtig. Morgens bis neun Uhr, Mittagsruhe und abends bleibt sie nur länger wach, „wenn es etwas im Fernsehen gibt“, sagt sie. Schlaf könnte womöglich eine ihrer Geheimwaffen sein, ihr Lebenselixier. Denn Elsbeth Lieschen Frieda Warmuth feiert am Dienstag ihren 100. Geburtstag.

Das hohe Alter liegt in ihren Genen

Ganz klein, im Kreise ihrer Lieben wird der besondere Ehrentag zelebriert. Seit sieben Jahren wohnt die heutige Jubilarin bei ihrer Tochter Renate Frenzel und deren Mann in Ihlenfeld. Vorher lebte sie Jahrzehnte in Torgelow, hat dort ihre Mutter gepflegt, die selbst übrigens 95 Jahre alt geworden ist. „Das hohe Alter liegt also in den Genen“, sagt ihr Schwiegersohn mit einem Lächeln.

Elsbeth Warmuth ist als ältestes von vier Kindern 1920 zur Welt gekommen. Ziegenort, im heutigen Polen, ist ihre Heimat. Es liegt im östlichen Vorpommern an der Westseite der Mündung von Oder und Stettiner Haff und an der Grenze der Ueckermünder Heide, etwa 35 Kilometer nördlich von Stettin. Ihr Vater war Bootsbauer und die kleine Elsbeth liebte es, am Hafen entlangzuspazieren. „Die Motor- und Segelboote waren so schön“, denkt sie zurück. Der Vater habe mit der Familie auch oft Ausflüge zum Strand gemacht.

Die 100-Jährige gerät ins Schwärmen, wie sie so auf der Couch ihrer Tochter Renate sitzt. Die Erinnerungen „an schöne Zeiten“ kommen wieder. Aber auch daran, dass sie nach der Schule hätte Friseurin werden wollen. Doch die Eltern verweigerten die Unterschrift. Sie hatten eine Wirtschaft, da wurde jede Hand gebraucht. Nur zu gern sei sie dann oftmals zu Tante Martha geflüchtet, nach Stettin, die dort ein Kolonialwarengeschäft betrieb. Die junge Elsbeth half dort aus.

Flucht nach Ueckermünde

Doch die Folgen des Zweiten Weltkriegs warfen ihre Schatten voraus. Nun ging es auf die Flucht – mit einem Fischerboot nach Ueckermünde. Elsbeths Freundin Hanni hatte dort Verwandtschaft. Beim Arbeitsamt konnte die 26-jährige Elsbeth als Schreibkraft vermittelt werden, „ins Landratsamt“, wie sie berichtet. Dort lernte sie ihren Ludwig kennen, den sie 1949 heiratete. 1956 kam Tochter Renate zur Welt. Da wohnte die kleine Familie aber schon in Torgelow. Elsbeth Warmuth war dann bei der Großhandelsgesellschaft tätig. Cousine Hilde wohnte im nahe gelegenen Ahlbeck, „wir besuchten sie oft“, sagt Elsbeth Warmuth und lobt die damals frischen Eier. „Hilde hatte auch ein Grammofon. Wir hörten den ‚Radetzky-Marsch‘ oder ‚An der schönen blauen Donau‘. Da hab‘ ich ihr den Walzer beigebracht“, so die Jubilarin von heute.

Bloß nicht bettlägerig werden!

1978 starb ihr Mann Ludwig, und auch ihre Geschwister hat sie alle überlebt. Zu dieser Zeit müsste es wohl auch gewesen sein, dass sie beim Torgelower Frauenchor eingestiegen ist. Sie habe immer in der ersten Reihe gestanden. Lampenfieber kannte sie nicht, zeigt sie sich überzeugt. Noch heute macht Elsbeth Warmuth einen rüstigen Eindruck. Eine Brille braucht sie nur zum Lesen oder zum Rätseln. Außer Blutdruck-Tabletten oder Blutverdünner nimmt sie nichts ein. Letztens habe ihr Blutdruck bei 120/70 gelegen. „Wie ein junges Mädchen“ soll Frau Doktor gerufen haben.

Elsbeth Warmuth wünscht sich Gesundheit, „bis zu dem Tag, an dem alles aus ist“, sagt sie. Sie wolle bloß nicht bettlägerig werden. Danach sieht es zum Glück derzeit nicht aus. Sie kann noch vieles allein und lässt sich das Essen vom Schwiegersohn schmecken – am liebsten Fischstäbchen oder Kartoffelpuffer. Doch wie schafft man es nun in dieses biblische Alter? Auch da hält es 100-Jährige mit einem Sprüchlein: „Halte stets die Ruhe heilig, nur Verrückte haben‘s eilig“.

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