Abgesackt

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Die schiefe Kirche von Klempenow

Wer vor ihr steht, sieht es sofort: Klempenows Kirche sackt nach hinten ab.
Wer vor ihr steht, sieht es sofort: Klempenows Kirche sackt nach hinten ab.
Christina Weinreich

Im Juli 2000 ist das imposante Gotteshaus am Fuße der Burg Klempenow nach einer umfangreichen und kostenintensiven Sanierung wieder eingeweiht worden. Seit dem 28. Dezember 2017 musste sie baupolizeilich gesperrt werden.

„Die Nachricht kam für uns als Kirchengemeinde vor einigen Monaten auch sehr überraschend“, erinnert sich Christian Bauer, Pfarrer des Kirchenverbundes Hohenmocker und Daberkow. Am 28. Dezember vergangenen Jahres ist die baupolizeiliche Sperrung des imposanten Gotteshauses in Klempenow am Fuße der alten Burg bekannt gemacht worden. Der Förderverein zur Sanierung des Fachwerkkirche Klempenow, dem Odette Scholz vorsteht, hat statische Bedenken geltend gemacht für diesen Schrift. Diese Maßnahme sorgte nicht nur innerhalb der Kirchengemeinden für Verwunderung.

Vor gut 20 Jahren, von 1997 bis 2000, wurde das Kirchlein sehr umfangreich und ebenso kostenintensiv saniert. Sämtliches Fachwerk wurde dabei herausgenommen, kein Stein blieb auf dem anderen und man konnte einige Zeit durch das gesamte Haus hindurchschauen. Das tragende Gebälk wurde angehoben, damit darunter ein neues und sicheres Fundament gelegt werden konnte. Die Kirche sollte nun lange auf stabilen Füßen stehen können.

Schon einmal musste sie baupolizeilich gesperrt werden. Das war 1989, als ein letzter Gottesdienst gefeiert wurde und dann die Türen bis 1997 geschlossen blieben. Umso größer war die Freude, als sich Initiativen gründeten, die die Rettung des Gotteshauses anschoben. Und nun diese Ankündigung! Wer sich das Gebäude angeschaut hat, dem wird es nicht entgangen sein: Es neigt sich nach hinten, kippt in Richtung Landesstraße 35, das hintere Mauerwerk sackt ab. Was in Pisa der Schiefe Turm, ist in Klempenow nun die schiefe Kirche.

„Die Sperrung bleibt erst einmal. Jetzt sind etliche Leute unterwegs, um die Ursache für diese Schieflage zu finden“, sagt der Pfarrer. Es wird viel vermutet in Klempenow und Umgebung, was die Gründe fürs Absacken sein könnten. Mancher glaubt gar, dass hier ähnliche Kräfte wirkten, wie beim Einsturz der Autobahn 20 in Höhe Tribsees. Der Boden sei morastig, die Tollense nebenan und dann noch der viele Regen... Pfarrer Bauer will nicht spekulieren. „Die Horrorvision wäre aber, wenn die Kirche erneut entkernt und das Dach runter geholt werden müsste. Das wäre dann die teuerste Variante.“ Geld müsse ohnehin erst noch besorgt werden.

Der Pfarrer hofft, dass Planer, Statiker, Bauingenieure, eben alle Fachleute jetzt schnell zu Potte kommen und noch in diesem Jahr mit den Bauarbeiten begonnen werden könnte. „Die Kirche in Klempenow ist wichtig fürs gesamte Burgensemble. Für die Jahrmärkte, für das Kulturleben. Irgendetwas lief immer dort.“

Die Vorsitzende des Vereins war am Donnerstag für ein Statement noch nicht zu erreichen.

In der Geschichte des Kirchleins, die vor über 300 Jahren errichtet wurde, ist nachzulesen, dass aufgrund ihres morastigen Untergrunds seit 1720 zahlreiche Sanierungen vorgenommen werden mussten. Die Glocke, die in ihr läutet, trägt die Jahreszahl 1670.