HEIß, HEIßER, SAHARA

Diese Hitze lässt niemanden kalt

Was für die einen bei der Arbeit nur noch belastend ist, gilt für andere als ein Segen. Aber nicht nur Dachdecker und Eisverkäufer sind bei den jetzigen hohen Temperaturen unterschiedlicher Meinung.
Thomas Beigang Thomas Beigang
Gerade die Straßenbauer an der Ringbaustelle haben mächtig unter der Hitze in Neubrandenburg zu leiden.
Gerade die Straßenbauer an der Ringbaustelle haben mächtig unter der Hitze in Neubrandenburg zu leiden. Thomas Beigang
Fürchten sich nicht vor Andrang: Kerstin Schreiber (links) und Lilly Hämmerschmidt aus Burg Stargard.
Fürchten sich nicht vor Andrang: Kerstin Schreiber (links) und Lilly Hämmerschmidt aus Burg Stargard. Tim Prahle
Neubrandenburg.

Eine Stunde eher anfangen. Schon in aller Herrgottsfrühe um sechs Uhr oder noch früher. Das gestattet Volker Unke, Geschäftsführer und Inhaber der Neubrandenburger Firma Bautechnik Schlicht, jetzt seinen Männern. Denn – besonders denen auf dem Bau machen die hohen Temperaturen gerade mächtig zu schaffen. Baufachmann Unke, dessen Männer auch hoch oben auf Dächern arbeiten, weiß noch aus eigener Erfahrung, was die aushalten müssen. „Bei praller Sonne oben sind 50 oder gar 60 Grad keine Seltenheit.“

Klar könne man sich daran gewöhnen, aber sicher ist sicher. Die Männer müssen viel trinken und, wenn das möglich ist, eben ihre Arbeitszeiten verlagern. Es habe aber schon Situationen gegeben, da musste die Arbeit ruhen. Auf manchen Flachdächern könne bei großer Hitze niemand mehr einen Fuß setzen, weiß Volker Unke.

Eismacher sind von der Hitze gar nicht so begeistert

Die Sonne und die hohen Temperaturen schlauchen auch die Leute vom Straßenbau. Und trotzdem – auf der Ringbaustelle zwischen Pferdemarkt und Bahnhof gehen die Arbeiten ununterbrochen weiter, zusätzlich zur Hitze leiden die Männer hier unter den Abgasen der pausenlos dicht an ihnen vorbeifahrenden Autos.

Was für die Männer vom Bau und auf der Straße viel mehr Last als Lust ist, freut dagegen die Frauen und Männer von der „Kaltfront“: Eisverkäufer machen gerade das Geschäft des Jahres. Oder doch nicht? Im Eiscafé „Tina“ in der Oststadt zeigen sich die Eismacher auch nicht hundertprozentig begeistert. Bei Temperaturen von über 30 Grad, heißt es, gehen viele ältere Leute nicht mehr gern nach draußen, sondern bleiben in der Wohnung. Und die Jüngeren zieht es an die Seen. So viel mehr Eiskugeln oder Softeis als sonst verkaufe man bei sehr hohen Temperaturen dann doch nicht, heißt es. In der benachbarten Kleinstadt Burg Stargard, wo in der Eisdiele „Pinguin“ seit 65 Jahren die kalte Erfrischung verkauft wird, fürchtet sich niemand vor viel Andrang. Das seien sie gewohnt, sagt eine selbstbewusste Birgit Schreiber.

Kurze Hosen bei Bankern sind trotzdem tabu

Ganz Neubrandenburg und Umgebung schwitzen unter der erbarmungslosen Hitze – aber darum darf trotzdem nicht jeder so auf der Arbeit erscheinen, wie es für ihn oder sie am erträglichsten scheint. Zur Selbstverständlichkeit gehören Anzug und Kostüm eigentlich immer in der Versicherungs- und Bankenbranche. Doch auch da gibt es Ausnahmen – die jetzt an der Reihe sein können. Bei der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin reagieren die Verantwortlichen schon seit Jahr und Tag auf die warmen Temperaturen mit gewisser Toleranz. Schon während der großen Hitze im vergangenen Jahr stand es den Herren frei, ob sie eine Krawatte tragen oder nicht. Auch ein Jackett gilt dann als nicht mehr unbedingt verbindlich. Nur kurze Hosen für Männer oder „bauchfrei“ bei den Damen bleiben verpönt. Seriös müsse es schon zugehen.

So heiß ist es in der Sahara selbst

In Deutschland wird vor einer Sahara-Hitze in dieser Woche gewarnt – mit solchen Temperaturen leben aber viele Menschen in der Sahara und der arabischen Welt tagtäglich. In Aswan im Süden Ägyptens herrschten am Dienstag etwa Höchsttemperaturen um die 45 Grad Celsius. Im Wüstenort Sabha in Libyen wurden 39 Grad gemessen, in Agadez im westafrikanischen Niger waren es 40 Grad. Nordafrika und der arabische Raum zählen zu den heißesten Regionen der Erde: In Mitribah in Kuwait, das an den Irak und an Saudi-Arabien grenzt, wurde 2016 die Höchstmarke von 54 Grad Celsius gemessen. Ouargla im Norden Algeriens kam vergangenen Juli etwa auf 51,3 Grad. Etwas weiter südlich der großen Wüste wird es dann schon kühler: Denn südlich des Äquators ist momentan Winter. Schneien tut es zwar selten – außer vielleicht oben auf dem Kilimandscharo in Tansania oder in den Drakensbergen in Südafrika. Doch etwa in der kenianischen Hauptstadt Nairobi war es am Dienstag bewölkt mit maximal 20 Grad, im Urlaubsziel Kapstadt in Südafrika lagen die Höchsttemperaturen bei 18 Grad. Ohne Heizungen, richtiger Isolierung oder Doppelverglasung in den Häusern werden da schnell die Winterpullis und Schals ausgepackt. dpa

Sei Aschenbrödel! - Dein personalisierbares Märchenbuch zum Film!

Kommende Events in Neubrandenburg

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

zur Homepage

Kommentare (1)

Und sogar mit Humor, seriöse Banken. Die habe ich noch nie gesehen. Das sind auch alles bloß Verkäufer von Produkten, die kaum einer Brauch. Und eines ist sicher bei jedem Produkt gewinnt zu 100% die Bank, verarscht ist der Kunde. Aber sonst ein netter Bericht zur Hitzewelle.