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Debatte neu entfacht

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Doch noch kein Platz für Neubrandenburger Marx-Denkmal

Welcher Platz der geeignetere ist für das Marx-Denkmal - dasRegionalmuseum oder der Hof der Kunstsammlung - sol jetzt gründlich geprüft werden, heißt es aus dem Rathaus. 
Welcher Platz der geeignetere ist für das Marx-Denkmal – dasRegionalmuseum oder der Hof der Kunstsammlung – sol jetzt gründlich geprüft werden, heißt es aus dem Rathaus.
Thomas Beigang

Der neue Standort für das Denkmal in Neubrandenburg sollte der Hof der Kunstsammlung sein, hieß es noch im April. Aber mittlerweile ist wieder alles anders.

Der Standort für das Karl-Marx-Denkmal in Neubrandenburg ist wieder ungewiss. Ratsherr Hans-Jürgen Schwanke, Stadtvertreter der CDU, wollte jetzt von Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) wissen, wie denn das nun mit dem Denkmal weitergehe. Das, was er zu dem Thema wüsste, sei nun auch schon ein paar Wochen alt: Das Denkmal solle seinen künftigen Platz auf dem Hof der Kunstsammlung finden, zitierte Schwanke.

Ist denn die Stadtvertretung jetzt ganz aus den Entscheidungen raus, begehrte der CDU-Mann zu wissen. Dieter Kowalick von den Linken stieß in dasselbe Horn. Warum es zunächst hieß, innerhalb von sechs Wochen könne alles geregelt sein – von der Entlassung der Statue aus der Lagerhalle der Wohnungsgesellschaft bis zur Neuaufstellung – und nun werde man erneut bis zum Jahresende vertröstet. Denn auch das musste er in der Zeitung lesen. Wie es denn nun mit „unserem Marx“ weitergehe, begehrte der Ratsherr der Linken vom Rathauschef zu wissen.

Stadtverwaltung will sich nicht treiben lassen

Witt, dem ein distanziertes Verhältnis zum Bronze-Denkmal nachgesagt wird, verwahrte sich gegenüber Kowalick gegen den vereinnahmenden Begriff „unser Marx“ und wollte nur vom „Karl-Marx-Denkmal“ reden. Im Jahr 2018 jedenfalls, so die Antwort des Oberbürgermeisters auf die Fragen aus den Fraktionen von CDU und Linken, werde das seit 17 Jahren im Depot ruhende Denkmal wieder aufgestellt.

Mehr allerdings steht neuerdings wieder nicht fest. Denn im Gegensatz zu der Entscheidung vom April – das Denkmal finde künftig seinen Platz im Innenhof der Kunstsammlung in der Großen Wollweberstraße – könne der bronzene Riese nun vielleicht doch sein künftiges Hüsung im Hof des Regionalmuseums bekommen. Auch nicht neu – die Neubrandenburger Sozialdemokraten hatten diesen Standort während der Diskussion einst vorgeschlagen.

Witt scheiterte mit seiner Idee

Witt, der vor Wochen mit seiner Idee, das Denkmal liegend in der Nähe der Bibliothek zu präsentieren, gescheitert war, ließ sich allerdings nicht beeindrucken. Die Stadtverwaltung und er selbst lassen sich in der Entscheidung „nicht treiben“, so der Oberbürgermeister. „Wir setzen uns nicht unter Zeitdruck, dazu besteht keine Veranlassung“. Jetzt werde gründlich und unter Berücksichtigung aller Parameter geprüft, welcher Standort der geeignetere sei: Kunstsammlung oder Regionalmuseum.

So oder so, die Weigerung, das Denkmal wieder „draußen“ und in der Umgebung des HKB aufzustellen – wie einst vorgesehen – macht dem Neubrandenburger Verwaltungschef nicht nur Freunde. Denn Fachleute wie die Malerin und Grafikerin Heide-Marlies Lautenschläger bezweifeln, dass sich der Oberbürgermeister damit auf dem Boden des Gesetzes befindet.

Denn laut Denkmalschutzgesetz ist die Stadt verpflichtet, die Denkmäler aus der Denkmalliste – und in der steht die Marx-Statue – auch öffentlich zugänglich zu machen. „Aber die Kunstsammlung, die noch nicht einmal an jedem Tag geöffnet ist, zählt nicht als öffentlicher Raum“.