FLUGMEDIZINER VERWEIST AUF BEDEUTUNG DES AIRPORTS TROLLENHAGEN

Drama am Morgen: Ein Tod rettet viele Leben

Wie wichtig der Flughafen Trollenhagen sein kann, um Menschenleben zu retten, ist in dieser Woche mehr als deutlich geworden.
Die Nachtaufnahme stammt aus dem Jahr 2013. Die Rolle des Flughafens Trollenhagen für die medizinische Daseinsvorsorge sei nicht zu unterschätzen, sagt Flugmediziner Viktor Harsch.
Die Nachtaufnahme stammt aus dem Jahr 2013. Die Rolle des Flughafens Trollenhagen für die medizinische Daseinsvorsorge sei nicht zu unterschätzen, sagt Flugmediziner Viktor Harsch. Gerhard Seyfarth
Auch das Ambulanz-Flugzeug des ADAC brachte schon Patienten nach Neubrandenburg.
Auch das Ambulanz-Flugzeug des ADAC brachte schon Patienten nach Neubrandenburg. Viktor Harsch
Flugmediziner Viktor Harsch
Flugmediziner Viktor Harsch Andreas Segeth
Neubrandenburg ·

Um 5.02 Uhr an diesem Dienstagmorgen in Trollenhagen: Ein kleiner Jet aus Hamburg landet auf der Rollbahn. An Bord befindet sich ein komplettes Herzchirurgenteam, inklusive Chefarzt und Assistenzärzten. Ein Rettungswagen bringt sie mit Blaulicht nach Greifswald. In der Uniklinik ist in der Nacht zuvor ein Organspender verstorben. Sein Tod wird mindestens drei Menschen das Leben retten.

Wenn ein Herz verpflanzt wird, ist es üblich, dass das Transplantationsteam selbst das Herz vom Spender entnimmt. Viele Herzchirurgen arbeiten mit verschiedenen Methoden, da darf kein Schnitt falsch sitzen. Deshalb kommen die Hamburger extra nach Greifswald. Mit Blaulicht geht es zurück nach Trollenhagen. Um 8.30 Uhr treffen Team und Herz hier ein, eine Minute später hebt ihr Flugzeug ab. In Hamburg wartet ein Mensch schon sehnsüchtig auf sein neues Herz.

Um 8.43 Uhr hebt ein weiteres Flugzeug ab. Sein Ziel ist Brüssel. An Bord: Lunge und Nieren des Verstorbenen für Patienten in einer belgischen Klinik. Um 10.45 startet ein drittes Flugzeug mit der Leber des Verstorbenen zum Flughafen Köln/Bonn.

Solche Rettungsaktionen kommen in Trollenhagen mindestens einmal im Monat vor, berichtet Flugleiter Gerhard Seyfarth, der im Tower des zivilen Teils des Flughafens Trollenhagen seinen Dienst versieht. Seit Silvester allerdings haben sich die Patienten- und Organtransporte gehäuft, drei Einsätze hat er seitdem schon begleitet.

Viktor Harsch, der eine von vier Flugmedizinpraxen des Landes im Neubrandenburger Ärztehaus betreibt, warnt auch wegen genau solcher medizinischen Notfälle aus aktuellem Anlass vor einer Schließung des Flughafens Trollenhagen. Regionale Flughäfen dürften nicht nur unter dem Blickwinkel von wirtschaftlichen Interessen betrachtet werden, sondern „als Teil der staatlichen Daseinsvorsorge“. Genau mit diesem Wortlaut stehe es sogar im Flughafenkonzept der Bundesregierung, das im Jahr 2009 formuliert wurde.

Der Verlust des Flughafens Trollenhagen wäre mit erheblichen negativen Folgen für die medizinische Betreuung der Bevölkerung in der Region verbunden. Nur ein sehr geringer Teil der jetzt vorgenommenen Flüge könnte durch den in Neustrelitz stationierten Hubschrauber abgedeckt werden. Denn dieser ist vornehmlich für Rettungsflüge, beispielsweise bei Verkehrsunfällen, reserviert.

In Trollenhagen ist seit 1994 ein weiterer Ambulanzhubschrauber stationiert, der in den vergangenen 20 Jahren rund 3400 Mal zum Einsatz kam. Dieser ist für andere eilige Patiententransporte vorgesehen und wird auch direkt von der Leitstelle oder dem Klinikum angefordert, beispielsweise wenn einer Schwangeren eine Frühgeburt droht und ihr Transport über Straßen nicht schonend genug wäre.

Harsch erwähnt aber auch Krankentransporte aus dem Ausland, die in Trollenhagen landen, zum Beispiel Menschen aus dem Nordosten, die sich im Urlaub ein Bein gebrochen haben und mit Hilfe ihrer Auslandskrankenversicherung zur Behandlung nach Hause transportiert werden.

Momentan werden laut Viktor Harsch jährlich rund 180 Ambulanzflüge von Trollenhagen aus vorgenommen. Hinzu kommen durchschnittlich etwa 20 Organtransporte. Mit den noch vorhandenen technischen Möglichkeiten könne rund um die Uhr gearbeitet werden, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Trollenhagen gelte bislang im bundesweiten Organspende-Netz, bei den Piloten und den medizinischen Partnern  als „leuchtendes Beispiel an Servicefreundlichkeit“, so Viktor Harsch. Das sollte man nicht einfach so aufgeben, mahnt er.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

zur Homepage

Kommentare (3)

Viel Bla Bla Bla um einen Flughafen, der nur kostet. Nun baut man auf die Tränendrüse. Aber davon sollte der Steuerzahler sich nicht täuschen lassen. Das Ding bleibt unrentabel. Und keine Airline will hier landen. Warum auch, Berlin und Rostock sind vor der Haustür. Nur wenn die auch den Flughafen bezahlen die nach ihm schreien ist er tragbar. Für Steuergelder ist das zu schade. Letzendlich werden wir uns damit anfreunden das Neubrandenburg wieder eine Provinzstadt wird.

Vor den aktuell bekannt gewordenen und erschreckenden Zahlen der rückläufigen Organspendern ist dies ein sehr gelungener und wichtiger Artikel. Dies ist sehr wohl ein leuchtendes Beispiel wie positiv über ein wichtiges Thema berichtet wird. Genau um zu verhindern das Neubrandenburg und die Region eben keine "Provinzstadt bzw. Region" wird, müssen diese und andere Fakten der Allgemeinheit immer wieder vor Augen geführt werden. Ich für meinen Teil wusste um diese nächtlichen globalen lebensrettenden Ereignisse am Flughafen nicht. Ich darf annehmen, dass Sie kein Organspender sind - sonst hätten Sie diesem Artikel wenigstens etwas positives abgewinnen können.

Liebe NK-Redaktion - Bitte weiter so!!!

das die Zahl der Spender zurückgegangen ist, liegt ja wohl dran das die Krankenhäuser betrogen haben. Ich habe auch was dagegen dss irgend eine Ärztekommission sagt wann einer angeblich verstorben ist. Keiner ist wegen eine nicht erhaltenen Organ verstorben.
Wenn der Flughafen so wichtig ist dann sollten sie auch die Kosten dafür tragen und nicht der Kreis oder die Stadt. Das Geld ist für andere wichtige Arbeiten besser aufgehoben. Sanierte Schulen Sozialarbeiter uwm.