NACH REVISION ERNEUT

Drei Jahre Haft nach tödlichem Einbruch in Neubrandenburger Bistro

Drei Einbrecher wollen Schwarzgeld in einem Döner-Bistro stehlen. Plötzlich sind Polizisten da, ein Mann wird erschossen. Die Komplizen wurden in einer Revision erneut zu drei Jahren Haft verurteilt.
dpa
30.10.2018, Neubrandenburg: Vor Beginn eines weiteren Verhandlungstages im Prozess um einen tödlichen Einbruch in ein D&o
30.10.2018, Neubrandenburg: Vor Beginn eines weiteren Verhandlungstages im Prozess um einen tödlichen Einbruch in ein Döner-Bistro warten die beiden Angeklagten (2.v.l.) und (3.v.l.) mit ihren Anwälten Christian Matheus (l-r), Detlef Kolloge und Robert Schurmann im Saal des Landgerichts. Bernd Wüstneck
Neubrandenburg ·

Drei Jahre nach einem Einbruch in ein Döner-Bistro, bei dem ein Täter erschossen wurde, hat das Landgericht Neubrandenburg zwei Komplizen erneut zu je drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die 43 und 30 Jahre alten Männer aus Berlin sind des schweren räuberischen Diebstahls und eines Angriffs auf Polizisten schuldig, wie Richterin Daniela Lieschke am Dienstag im Revisionsverfahren erklärte. Der Revisionsprozess war nötig, weil der Bundesgerichtshof das erste Urteil 2020 aufgehoben und eine Überprüfung des Strafmaßes angeordnet hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Az.: 23 KLs 39/20)

Die türkischstämmigen Männer waren mit dem Komplizen 2018 nachts in einen Döner-Imbiss in Neubrandenburg eingebrochen, um dort verstecktes Geld zu stehlen. Sie hofften, bis zu 100 000 Euro zu finden, wie der 43-Jährige vor Gericht berichtet hatte. Der Mann hatte 2016 zwei Geschäfte in Neubrandenburg eröffnet, war aber in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, wie Verteidiger Detlef Kolloge erklärte.

Als „minderschweren Fall” eingestuft

Deshalb hatte er einen Neffen und dessen Freund aus Berlin um Hilfe bei dem Einbruch gebeten. Im Keller des aufgebrochenen Bistros öffneten sie einen Spielautomaten, in dem sie 35 000 Euro, Hunderte US-Dollar und Schmuck fanden. Dabei wurden die Männer aber von zwei Polizisten überrascht. Daraufhin bewegten sich die Einbrecher auf die Beamten zu, obwohl sie mehrfach aufgefordert wurden, sich auf den Boden zu legen. Einer der Täter sprühte einem Polizisten Pfefferspray ins Gesicht und wurde erschossen.

Im ersten Verfahren im Herbst 2018 hatte das Neubrandenburger Landgericht einen „minderschweren Fall” angenommen und auch je drei Jahre Haft verhängt. Dabei liegt die Mindeststrafe bei einem Jahr Haft, sonst bei fünf Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte schon damals eine mehr als doppelt so hohe Strafe verlangt, war in Revision gegangen und hatte Erfolg.

Doch auch diesmal stufte die Kammer die Tat wieder als „minderschweren Fall” ein. Den Tätern müsse ihr frühes Geständnis zugute gehalten werden, sagte Lieschke. Zudem hätten sie eine „nahe stehende Person” – den Neffen und Freund – bei dem Einbruch verloren. „Das gesamte Tatbild weicht von einem gewöhnlichem Fall ab”, sagte Lieschke. Zudem hätten nicht die Angeklagten das Pfefferspray damals mitgenommen, sondern der dritte Täter. Die Tat sei nicht begangen worden, um sich Luxusgüter zu gönnen, sondern weil beide Verurteilten hohe Schulden hatten.

Verfahren gegen den Polizisten wegen des Schusses wurde eingestellt

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg hatte erklärt, dass die Männer gewusst hätten, dass die Beamten bewaffnet waren. Sie hätten zu Dritt versucht, zu fliehen. Die Verteidiger hatten eine mildere Strafe verlangt. Die Verurteilten waren nach ihrer Festnahme mehr als sechs Monate in U-Haft, bis der Haftbefehl aufgehoben wurde. Davon wurden ihnen nun wegen der „langen Verfahrensdauer” drei Monate bei der Strafe angerechnet. So müssten sie aber trotzdem noch in Haft, wenn die Strafe rechtskräftig wird.

Die Beute wurde beschlagnahmt. Sie ist bis heute bei der Staatsanwaltschaft, weil der Betreiber des betroffenen Bistros nicht glaubhaft nachweisen konnte, woher das Geld stammte. Ein Verfahren gegen den Polizisten wegen des Schusses wurde eingestellt. Er sei wieder im Dienst, hieß es.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

zur Homepage

Kommentare (1)

Leute Esst doch alle einfach keine Döner mehr ...