MORDFALL LEONIE

Drogenrückstände in den Haaren aller drei Kinder

Was spielte sich in Tage vor Leonies Tod in der Torgelower Wohnung ab? Das Neubrandenburger Landgericht versucht fieberhaft, den Tod des Mädchens aufzuklären. Dabei sollten Gutachter helfen.
Andreas Becker Andreas Becker
Nicht nur in den Haaren der getöteten Leonie wurden Drogen gefunden.
Nicht nur in den Haaren der getöteten Leonie wurden Drogen gefunden. Stefan Sauer
Seit dem 24. September läuft der Prozess vor dem Landgericht. David H. (sitzend) steht unter Mordverdacht.
Seit dem 24. September läuft der Prozess vor dem Landgericht. David H. (sitzend) steht unter Mordverdacht. Bernd Wüstneck
Neubrandenburg.

Zwei Sachverständige haben mit ihren Stellungnahmen vor dem Landgericht Neubrandenburg Einblicke in das Leben der Patchwork-Familie mit Leonies Stiefvater David H. und der leiblichen Mutter Janine Z. gegeben. Fakt ist demnach, dass Anja Klann vom Rechtsmedizinischen Institut in Greifswald in der Wohnung 16 Blutspuren von Leonie und 20 von ihrem jüngeren Bruder Noah-Joel sicher gestellt hat. Die Blutspuren wurden im Kinderzimmer, im Bad, in der Küche und auf Kleidungsstücken gefunden. Wie alt die Blutspuren sind und woher sie rühren, konnte die Sachverständige allerdings nicht sagen. Auf Nachfrage, ob die Anzahl der gefundenen Blutspuren außergewöhnlich hoch sei, schwieg die Gutachterin und wollte den Sachverhalt nicht werten.

+++ Alle Nordkurier-Artikel zum Mordfall Leonie finden Sie hier. +++

Leonie war am 12. Januar tot in der Wohnung gefunden worden, ihr Bruder mit etlichen Verletzungen. Dem Stiefvater wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Gegen die Mutter wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

David H. hatte in früheren Vernehmungen ausgesagt, dass Blutflecke von einem körperlicher Streit mit seinem Bruder und seinem Vater stammen würden.

Amphetamine und Cannabis

Doch nicht nur Blutflecke gehörten offenbar zum täglichen Leben in der Breite Straße 28 in Torgelow, auch der Konsum von Drogen in den eigenen vier Wänden spielte bei David H. und Janine Z. eine nicht unerhebliche Rolle. Das machte Giovanni Talarico, Toxikologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Unimedizin Greifswald, deutlich. Beim Angeklagten wurde eine dreifach höhere Konzentration von Amphetamin in Haaren festgestellt als bei der Mutter. Allerdings lässt sich der genaue Zeitpunkt des Drogenkonsums nicht detailliert feststellen. Der Drogenkonsum der Erwachsenen hatte auch Einfluss auf die Kinder. In den Haaren von Leonie, Noah-Joel und dem kleinen Baby Jonathan wurden höhere Konzentrationen von Amphetaminen und Cannabis gefunden. Zudem wurden bei Noah-Joel Rückstände eines starken Schmerzmittels für Erwachsene registriert.

Allerdings könne laut Gutachter nicht abschließend geklärt werden, ob die Drogen jeweils aktiv konsumiert oder deren Rückstände eher durch Kontamination innerhalb der fünfköpfigen Familie hervorgerufen worden sind.

Aussagekräftiger war dagegen der Fahrplan, den der Vorsitzende Richter Jochen Unterlöhner für die nächsten Verhandlungstage präsentierte. Demnach soll Janine Z. noch zweimal verhört werden, für den 6. Januar sind die Plädoyers vorgesehen und am 9. Januar soll in diesem Prozess das Urteil fallen.

Sei Aschenbrödel! - Dein personalisierbares Märchenbuch zum Film!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

zur Homepage