Thomas Gesswein (Fraktion CDU/FDP) und Jan Kuhnert (Linke) bewerben sich beide um den Chefsessel in der Stadtvertretung. Mitte
Thomas Gesswein (Fraktion CDU/FDP) und Jan Kuhnert (Linke) bewerben sich beide um den Chefsessel in der Stadtvertretung. Mitte August könnte die Entscheidung über das protokollarisch höchste politische Amt der Stadt fallen. Tim Prahle/ZVG/Linke/CDU
Mobbing-Affäre

Duell um das Amt des Präsidenten in Neubrandenburg

Die Linken schicken doch noch einen Kandidaten ins Rennen um das höchste Amt in der Stadt. Er selbst weiß, dass er einiges an sich ändern muss, wenn er gewählt werden sollte.
Neubrandenburg

Der Chef im Rathaus ist Silvio Witt (parteilos), das ist klar. Doch wer Präsident der Stadtvertretung, und damit das höchste Amt in der städtischen Kommunalpolitik bekleiden wird, steht noch in den Sternen. Mit Jan Kuhnert hat nun auch die Linksfraktion einen Kandidaten nominiert.

Der Hintergrund: Vorwürfe und Rücktritte – Großes Stühlerücken nach Skandal-Sitzung

Linke gegen CDU

Der Kommunalpolitiker, der seit 2009 für die Linke im Stadtrat sitzt, wurde auf der jüngsten Fraktionssitzung einstimmig zum Kandidaten bestimmt. „Wir freuen uns, dass sich mit Jan Kuhnert ein erfahrener Mann bereit erklärt hat, für dieses prestigeträchtige Amt zu kandidieren“, lobten ihn seine Fraktionskollegen Toni Jaschinski und Dieter Kowalick. Bei der Stadtvertretersitzung am 11. August stellt er sich zur Wahl. Zuvor hatte bereits Thomas Gesswein von der Fraktion CDU/FDP angekündigt, Stadtpräsident werden zu wollen.

Kandidat will sein Verhalten ändern

Gewerkschafter Kuhnert sagte der Redaktion, er wolle die Stadtpolitik nach turbulenten Zeiten wieder in ruhigere Fahrwasser zurückführen. „Es gibt wichtige Themen, die vor uns liegen. Ich nenne mal den Wiederaufbau der Bootsschuppen, die Sanierung der Innenstadt und die 775-Jahr-Feier, die vor der Tür steht. Dafür brauchen wir eine starke Stadtvertretung und einen starken Präsidenten“, gibt Kuhnert die Marschrichtung vor.

Von Kollegen in der Stadtvertretung werde er oft als „Abteilung Attacke“ angesehen, für das Amt des Präsidenten wolle er sich aber ändern. „Als Präsident muss ich vermitteln können. Ich weiß, dass ich mich da ändern kann“, verspricht der 56-Jährige. Er wolle für ein positives Miteinander zwischen Stadtvertretung und Verwaltung sorgen.

Turbulenzen nach unbewiesene Behauptungen

Dass es überhaupt zur Wahl eines neuen Stadtpräsidenten kommt, sei bedauerlich, so Kuhnert. Er habe sehr gerne mit dem im Mai zurückgetretenen Präsidenten Diether Stegemann (CDU) zusammengearbeitete. Kuhnert habe ihn als sehr überparteilich und als einen Mann wahrgenommen, „der nie seine Stellung missbrauchte.“

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SPD-Kandidat gescheitert

Stegemann war infolge einer Affäre um unbewiesene Mobbing-Vorwürfe in Richtung von Bürgermeister Silvio Witt zurückgetreten. Kurz danach spaltete sich die CDU-Fraktion im Streit. Aus ihr heraus entstand die neu formierte Fraktion „Bürger für Neubrandenburg“ und die CDU/FDP-Fraktion. Seit dieser Spaltung sind die Linken stärkste Fraktion. Traditionsgemäß haben sie demit das erste Vorschlagsrecht für das Amt. Doch mit der Nominierung ließ sich die Linke etwas Zeit. „Für so ein wichtiges Amt wollten wir nichts überstürzen“, begründete der Fraktionsvorsitzende Toni Jaschinski.

Die SPD kam den Linken zuvor und zauberte kurzfristig Roman Oppermann, bisher Vize-Präsident aus dem Hut. Dem fehlten jedoch zwei Stimmen für eine Mehrheit, die Wahl platzte. Noch einmal werde er nicht antreten, sagte Oppermann dem Nordkurier. Kuhnert selbst befand sich kurz vor der letzten Wahl noch im Urlaub, wo er gründlich über seine eigene Kandidatur nachgedacht habe. Für den Entschluss hätten auch der Zuspruch von seiner Familie und die Absprache mit seinem Arbeitgeber eine Rolle gespielt.

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