Weil es immer wieder Ärger mit Jugendlichen gab, verhängte der Neubrandenburger Edeka-Supermarkt Kaufhof Süd ein generelles Zutrittsverbot.
Weil es immer wieder Ärger mit Jugendlichen gab, verhängte der Neubrandenburger Edeka-Supermarkt Kaufhof Süd ein generelles Zutrittsverbot. Lisa Gutzat/NK-Grafik
Respektlose Jugendliche

Edeka-Supermarkt – Viel Empörung über Zutrittsverbot für Schüler

Weil sich einzelne im Edeka Kaufhof-Süd schlecht benommen haben, dürfen Jugendliche seit mehreren Tagen nicht mehr rein. Nun mehren sich die Vorwürfe gegen den Supermarkt
Neubrandenburg

Die Meinungen über das Zutrittsverbot für Jugendliche im Neubrandenburger Edeka-Supermarkt Kaufhof-Süd gehen weit auseinander. Die Marktleitung pocht auf ihr Hausrecht, doch die Entrüstung ist groß. Doch für Marktleiterin Tina Hohenstein sei das die einzige Möglichkeit die Unruhe stiftenden Schüler der benachbarten Integrierten Gesamtschule (IGS) „Vier Tore“ von ihrem Geschäft fernzuhalten. „Wir müssen uns selbst schützen“, sagt sie.

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„Regelung ist eine Frechheit”

Die Ablehnung bleibt jedoch nicht aus. Für Steffi Kehle, eine Mutter aus der Südstadt, ist die Einlassregelung im Edeka eine Frechheit. „Es ist diskriminierend den Kindern gegenüber“, schrieb sie dem Nordkurier. „Sie sollten den Pappenheimern, die dort Unfug treiben, ein Hausverbot erteilen und nicht alle Kinder vor der Tür stehen lassen“, fährt sie fort. Ihre Tochter gehe auf die benachbarte IGS und könne sich nun nicht einmal mehr in der Pause etwas zu trinken kaufen, wenn ihre Flasche leer ist. „Wie soll das erst im Sommer werden?“, fragt sich die Mutter.

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Diebstahl und Pöbeleien

Weil Schüler der IGS unter anderem mehrmals Produkte geöffnet und nicht bezahlt sowie sich respektlos gegenüber anderen Kunden verhalten hätten, griff Tina Hohenstein ein. Seit mehreren Tagen weist nun ein Schild im Eingangsbereich des Supermarktes auf ein Zutrittsverbot hin, das sich auf Jugendliche unter 16 Jahren beschränkt. Demnach dürfen sie zwischen 7.30 Uhr und 14.30 Uhr nur mit einem Erziehungsberechtigten in den Edeka.

Von Diskriminierung hätten auch die Schüler gesprochen, als sie das Schild entdeckten, sagt der Kassierer Justin Mutz. Er selbst sei von einem Minderjährigen als „Hurensohn“ beleidigt worden, als er den Jungen wegen des Zutrittsverbots hinausschicken wollte.

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Landesweite Welle der Ablehnung zum Schild

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes vermutet einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG): „Diese Maßnahme schießt über das Ziel hinaus“, heißt es auf Nachfrage des Nordkuriers aus Berlin. Das AGG lässt eine solche Maßnahme grundsätzlich zu, wie auch die Antidiskriminierungsstelle mitteilt. Denn nach Paragraf 20 liegt eine Benachteiligung nicht vor, wenn „eine unterschiedliche Behandlung wegen des Alters zur Vermeidung von Gefahren und Verhütung von Schäden“ dient. Jedoch sei es nicht verhältnismäßig, pauschal alle Unter-16-Jährigen unter Generalverdacht zu stellen, führt die Antidiskriminierungsstelle aus.

Politiker mischen sich ein

Eine landesweite Welle der Ablehnung schwappt über das Schild des Supermarktes. Aus Schwerin meldete sich zudem der Neubrandenburger Landtagsabgeordnete Torsten Koplin (Die Linke) sowie Parteikollegin Amina Kanew, Mitglied der Neubrandenburger Stadtvertretung und Marcel Spittel, Vorsitzender des Vereins queerNB. Alle bezeichnen die Vorgangsweise der Marktleiterin nach eigenen Angaben als diskriminierend.

Zuspruch bekommt die Marktleiterin immerhin aus Rostock. „Vollkommen in Ordnung. Die Chefin des Edeka-Marktes hat meine volle Unterstützung!“, schreibt Moderator Alexander Stuth vom Radiosender Ostseewelle unter einen Instagram-Beitrag des Nordkuriers.

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Landkreis als Schulträger will den Streit schlichten

Nach Angaben der Marktleitung war die IGS über die wiederholten Verstöße der Schüler informiert worden. Dem widerspricht das für die Schule antwortende Bildungsministerium auf Nordkurier-Anfrage. In Schwerin wird gar eine Verantwortlichkeit der Bildungseinrichtung für das Verhalten der Schüler im Markt infrage gestellt – schließlich befinde sich der Markt nicht auf dem Schulgelände, hier seien also Eltern und Schüler selbst verantwortlich.

Die Schule habe aber versichert, „die Vorfälle im Unterricht zu thematisieren, denn als große Gesamtschule in der Südstadt Neubrandenburgs verstehe sie sich auch als Teil der Stadtgemeinschaft und insbesondere als Teil des Stadtviertels“, betont das Ministerium.

Wie lange das Schild die Schüler vom Edeka Kaufhof-Süd fern halten soll, wisse Tina Hohenstein noch nicht, wie sie auf Nachfrage des Nordkuriers sagt. Doch ihre Maßnahme könnte bereits kommende Woche scheitern. Der Landkreis, als Träger der IGS „Vier Tore“, will nun den Streit schlichten. „Sollte sich der Streit bis dahin nicht aufgelöst haben, so wird der Landkreis die beteiligten Parteien in der nächsten Woche zu einem Schlichtungsgespräch einladen“, teilt ein Pressesprecher dem Nordkurier auf Nachfrage mit. Ob und wie beschränkt die Schüler dann wieder den Edeka in der Südstadt betreten dürfen, wird sich zeigen.

 

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Kommentare (2)

Was für ein Streit soll geschlichtet werden? Den Ruin der Einkaufskultur forcieren, indem die "gebildeten" Junglümmel ihr Recht einfordern, wilde Sau in öffentlicher Einrichtung fortzuführen ("Hurensohn")? Noch niemand auf die Idee gekommen, 4-8 Wochen in einen Ladendetektiv stundenweise zu investieren?

Viel Empörung, Frechheit des Ladeninhabers sein Geschäft und seine Kunden zu schützen in einer Zeit in welcher die lieben Kinder ja in der Schule sein sollten und nicht marodierend durch den Laden am Kaufhof Süd ziehen. Welcher Druck steht hinter den Ladeninhaber solch eine Anordnung zu treffen, keine Diskriminierung von Jugendlichen! Sondern sie werden für die Folgen ihrer Taten, der Respektlosigkeit mit welcher sie auftreten Zeitweise am Betreten des Geschäftes gehindert. Diskriminierung wäre wenn sie generell nicht den Laden betreten dürften. So bleibt jetzt nur en Gang zum REWE. Was will der Landkreis vermitteln? Das er für Schäden welche durch die Schüler verursacht werden einstehen wird? Hier sollte der Direktor der Schule seine Schüler in Respekt unterrichten , aber vornehm hält man sich zurück naja der Weg über das Schulamt ist einfacher sich selbst damit auseinander zu setzen. Vermutlich ird mane lieber die Security bezahlen am Vormittag im Geschäft ? Vor Jahren hatte eine Gaststätte auf Rügen ab den späten Nachmittag Kindern den zutritt verwehrt, da war auch so ein Sturm im Wasserglas und dann ... fanden es sehr viele sogar gut und angenehm.