Er wurde schon zu einer Gefahr für Reisende: Der Abort am Altentreptower Bahnhof wird jetzt auf Anordnung des Landkreises
Er wurde schon zu einer Gefahr für Reisende: Der Abort am Altentreptower Bahnhof wird jetzt auf Anordnung des Landkreises notgesichert. Kai Horstmann
Bürgermeisterin Claudia Ellgoth strebt den Kauf und die Nutzung des Bahnhofs durch die Stadt an.
Bürgermeisterin Claudia Ellgoth strebt den Kauf und die Nutzung des Bahnhofs durch die Stadt an. Kai Horstmann
Bahnhof

Ein Hoffnungsschimmer für Altentreptows Sorgenkind

Der Bahnhof ist alles andere als ein Aushängeschild für die Stadt Altentreptow. Nun haben dort Handwerker angefangen zu arbeiten. Geht es endlich mit der Sanierung los?
Altentreptow

Die Freude vieler Treptower war groß, als in den vergangenen Tagen Mitarbeiter eines Dachdeckerbetriebs beim Bahnhof gesichtet wurden. Immerhin befindet sich das denkmalgeschützte Gebäudeensemble in einem katastrophalen Zustand und hat eine Frischzellenkur bitter nötig. Wie der Nordkurier auf Nachfrage vom Landkreis erfuhr, waren die Handwerker allerdings nicht vor Ort, um das Bahnhofsgebäude für eine Sanierung einzurüsten, sondern das daneben stehende Aborthaus.

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Dieses ist zwar integraler Bestandteil des historischen Bahnhofs, weist aber ebenfalls große Schäden auf, erklärte Landkreissprecherin Tilla Steinbach. „Das Dach mit markant profilierten Dachbalken war undicht, die Regenentwässerung war nicht mehr gewährleistet, sodass Feuchtigkeit eindringen konnte und den Verfall vorantrieb. Wildwuchs trug zur Verschärfung der Schadensmechanismen am Gebäude bei“, schilderte Steinbach.

Landkreis will nur den Verfall bremsen

Da sich der private Eigentümer in den vergangenen Jahren ganz offensichtlich nicht um den zunehmenden Verfall geschert hat, wurde jetzt von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises eine sogenannte Ersatzvornahme angeordnet. Diese beinhaltet nach Auskunft der Kreissprecherin die Entfernung des Bewuchses um das Denkmal herum sowie die Sicherung des maroden Daches. Das heißt jedoch nicht automatisch, dass jetzt mit den Sanierungsmaßnahmen zur Erhaltung des Bahnhofs begonnen werden kann. Ziel sei es lediglich, die Schadensprozesse zu entschleunigen und das Aborthaus vorübergehend vor Witterungseinflüssen zu schützen, klärt Steinbach auf.

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Dem Treptower Kultur- und Heimatverein ist der jetzige Zustand des Bahnhofs schon seit Langem ein Dorn im Auge. Die Kritik der Mitglieder richtet sich in erster Linie gegen die Deutsche Bahn. „Denn der Konzern hat den Bahnhof scheinbar an einen Spekulanten verkauft, der das Gebäude ungenutzt vor sich hin vegetieren lässt“, meint der Vereinsvorsitzende Detlef Klage.

Bürgermeisterin: Stadt sollte das Bahnhofs-Ensemble kaufen

Die Bürgermeisterin hatte bereits nach ihrem Amtsantritt vorgeschlagen, dass die Stadt das komplette Gebäudeensemble erwerben sollte. Denkbar wäre es, in einer der vorhandenen Räumlichkeiten die Jugendsozialarbeit anzusiedeln. „Eine Art Treffpunkt, an dem der geplante Streetworker gemeinsam mit den Jugendlichen Projekte entwickeln kann“, schildert Claudia Ellgoth erste Ideen für die spätere Nutzung. Zugleich weist die Rathauschefin darauf hin, dass eine Sanierung viel Geld kosten würde und ohne Fördermittel nicht machbar sei. Trotzdem stünden die städtischen Fraktionen hinter dem Vorhaben. Grundvoraussetzung sei, dass die Stadt den Bahnhof für einen erschwinglichen Preis erwerben kann.

„Der Zustand des Aborts war für die Bahnreisenden schon gefährlich, weil der Weg zum Bahnsteig direkt an dem Gebäude vorbei verläuft. Das sah auch der Landkreis so und ordnete die Ersatzvornahme an, weil der Besitzer nicht reagierte. Das Problem für uns ist, dass der Bahnhof gleich mehreren Eigentümern gehört. Mit ihnen sind wir zurzeit in Verhandlung und würden bei einem entsprechenden Angebot den Komplex kaufen“, erklärt Ellgoth.

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