Museumsverein verfolgt Spuren

Ein Rätsel um das Kupferrelief gelöst

Die Tafel aus dem Museumsdepot hat viele Fragen aufgeworfen. Jetzt weiß man immerhin: Wer früher in der Oststadt Schuhe zum Reparieren, Filme zum Entwickeln oder Wäsche zum Reinigen abgeben wollte, hatte es im Blick. Aber wer war der Künstler?
Anke Brauns Anke Brauns
Wolfgang Kriegel (rechts) und Torsten Herrlinger, Betriebshandwerker bei den Stadtwerken, haben das Kupferrelief für den Museumsverein noch mal ab- und wieder aufgehängt.
Wolfgang Kriegel (rechts) und Torsten Herrlinger, Betriebshandwerker bei den Stadtwerken, haben das Kupferrelief für den Museumsverein noch mal ab- und wieder aufgehängt. Anke Brauns
Wolfgang Kern sucht die Rückseite des Reliefs ab, aber es findet sich kein Hinweis auf den Künstler. Das Kupferrelief weist auf Gewerke wie Schuhmacher und Uhrmacher hin und hing in der Komplexannahmestelle des Dienstleistungskombinates in der Oststadt, bis es jemand ins Museum brachte.
Wolfgang Kern sucht die Rückseite des Reliefs ab, aber es findet sich kein Hinweis auf den Künstler. Das Kupferrelief weist auf Gewerke wie Schuhmacher und Uhrmacher hin und hing in der Komplexannahmestelle des Dienstleistungskombinates in der Oststadt, bis es jemand ins Museum brachte. Anke Brauns/Regionalmuseum
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Neubrandenburg.

„Lieber Künstler, wo hast du eine Spur hinterlassen?“, murmelt Wolfgang Kern. Kniend lässt er den Blick über das Kupferrelief gleiten. Die Rückseite war seine letzte Hoffnung, vielleicht doch noch Initialen oder andere Hinweise auf die Schöpfer des Kunstwerks zu finden, das seit einigen Monaten als Museums-Leihgabe auf einem Flur der Neubrandenburger Stadtwerke in der John-Schehr-Straße hängt.

Bei einem Fototermin kommt ihm das Unternehmen entgegen. Das auf einen Eisenrahmen montierte Relief wird für Wolfgang Kern noch mal von der Wand abgenommen. Doch auch die Rückseite liefert keine Spur zum Künstler.

Relief hing in der Oststadt

„Das muss doch rauszufinden sein!“, meint der Mann vom Museumsverein und will nicht aufgeben – obwohl seine Anrufliste seit Monaten immer länger wird. Anfang November 2017 hatte der Nordkurier ein Bild der 2,40 mal 1,35 Meter großen Kupfertafel aus getriebenen Kupferblechen abgebildet. Sie stammt aus dem Museumsdepot, war aber aus unerklärlichen Gründen nicht mit Daten erfasst worden. Man wusste nicht, welcher Künstler sie geschaffen hat, wo sie mal hing, wer sie ins Museum gebracht hat.

Der erste Aufruf in der Zeitung brachte nur ein paar Vermutungen, aber nach dem zweiten Beitrag im Dezember erhielt Wolfgang Kern einen Anruf vom letzten Chef des Dienstleistungskombinates Neubrandenburg. „Er ist weggezogen, aber eine ehemalige Mitarbeiterin hatte ihn auf den Artikel aufmerksam gemacht und er bestätigte mir, dass das Relief in der Komplexannahmestelle in der Oststadt hing“, erzählt er.

Das Gebäude gibt es noch. In dem Flachbau am Lindetal-Center gegenüber des neuen Ärztehauses sind heute unter anderem Fleischer, Imbiss, ein Laden mit russischen Produkten und ein Textilgeschäft zu finden. Wenn man früher dort die Komplexannahmestelle betrat, die nach Wolfgang Kerns Recherchen am 9. Dezember 1974 eröffnet wurde, soll das Relief „geradezu im Foyer“ gehangen haben – allerdings wohl noch nicht zur Eröffnung.

Wäscherei, Fotoarbeiten, Schuhmacher und Goldschmied habe das Dienstleistungsangebot umfasst. Wenn man sich die Tafel genau beguckt, passt das auch bestens. Man entdeckt Werkzeug aus dem Schuhmacher-Handwerk und Fotoapparate, für Hinweise auf Wäscherei und Schmuck braucht man etwas Fantasie.

Diese Information reicht Wolfgang Kern aber nicht. Er möchte gern wissen, wer die Tafel ins Museum gebracht hat – möglicherweise Bauleute, die das Haus nach der Wende ausräumten? – und vor allem, wer sie geschaffen hat. Der letzte Kombinats-Chef habe gemeint, das Relief sei von der gleichen Firma gemacht worden, die auch für die Turmeindeckung der Marienkirche verantwortlich war. Das schließt der Chef des Museum aber inzwischen aus.

Zwei Spuren führen nach Demmin

Auch in der Metallwerkstatt des Zentrums Bildende Kunst ist das Kunstwerk wohl nicht entstanden. Wolfgang Kern bekam Hinweise auf einen Handwerker, der die Kreuzblume auf der Spitze der Marienkirche schuf, und auf die einstige Kunsthandwerkliche Produktionsgenossenschaft bei Hoyerswerda, von der er 27 Jahre nach der Schließung noch eine Mitarbeiterin ausfindig machte – aber beide sind wohl nicht für das Relief verantwortlich.

Nun führen noch zwei Spuren nach Demmin, zum inzwischen verstorbenen Kunsthandwerker Adolf Krüger, dessen Tochter sich allerdings nicht an das Kunstwerk erinnern kann, und zum Kunstschmied Hans Plog, der schon vor rund 15 Jahren starb, aber einen Sohn haben soll. „Das ist für mich noch die einzige Hoffnung“, sagt Wolfgang Kern. Wer ihm weiterhelfen kann, der sollte sich an ihn wenden per E-Mail: wolf.kerner@t-online.de.