WILDSCHWEINPLAGE

Eine besondere Falle soll die Schweinerei beenden

Die Wildschweinplage, die gerade Städten zu schaffen macht, ist nach Ansicht eines Mannes, der seit 55 Jahren im Wald zu Hause ist, ohne große Probleme zu lösen. Man muss nur auf ihn hören.
Thomas Beigang Thomas Beigang
Ein Mann aus der Nähe Neubrandenburgs will die ultimative Methode zum Vergrämen von Wildschweinen gefunden haben.
Ein Mann aus der Nähe Neubrandenburgs will die ultimative Methode zum Vergrämen von Wildschweinen gefunden haben. Gregor Fischer
Neubrandenburg.

Keine Personalien – der Mann aus Neubrandenburgs Nachbarschaft mag seinen Namen lieber nicht veröffentlicht sehen. Die Gefahr, dass ihm dann Jäger auf den Pelz rücken, sei zu groß, befürchtet er. Und Ärger mag er mit seinen gut 70 Jahren auch nicht mehr gern ertragen.

Aber was mitzuteilen hat er trotzdem. Denn die Klagen vieler Städte über ungeliebte Eindringlinge könnten der Vergangenheit angehören – wenn man auf ihn hört. Der Mann, der einst in einem Försterhaus groß wurde, hat die Lösung im Kampf gegen Wildschweine gefunden, die Parks, Gärten und Friedhöfe auf der Suche nach Futter verwüsten. „Man muss Fallen aufstellen“, sagt der Rentner, der seit 55 Jahren auf die Pirsch geht. Zwei verschiedene hat der Jäger selbst ersonnen, eine aus stabilem Netz, die andere aus verstärkten Bauzaunelementen. „Die Bache, die einmal in die Falle gegangen ist, hat solche Angst, die meidet die Gegend wie der Teufel das Weihwasser. Und bringt das auch ihren Frischlingen bei.“

In früheren Jahren hat er zusammen mit seinem Vater in einem Jahr mal 80 Stück Schwarzwild so gefangen. Seinerzeit haben die beiden die Schweine noch erlegt. Das würde der Hobby-Jäger heute nicht mehr anstellen. „Die Schweine in der Falle töten, ähnelt doch mehr einem Gemetzel.“ Genau deshalb sind Wildschweinfallen, wie sie zum Beispiel im Brandenburgischen mancherorts eingesetzt werden, auch so umstritten. Das Töten aus nächster Nähe mit gezielten Kopfschüssen gilt als nur wenig waidmännisch.

Gerade hat der Rentner vom Dorf mit dem Rathaus in Stahnsdorf telefoniert. In dem Städtchen am Rande Berlins ist die Not groß, die Wildschweine spazieren unerschrocken durch den Ort. Jetzt diskutieren die verzweifelten Bewohner dort sogar, auf das Schwarzwild mit Pfeil und Bogen anzulegen, weil in Städten nicht scharf geschossen werden darf. „Aber ein Schwein mit dem Bogen zu töten? Sehr unwahrscheinlich, das kann eine lange Quälerei nach sich ziehen.“ Das Vorzimmer des Bürgermeisters hat einen Rückruf versprochen. Bis jetzt wartet der Mann aus der Nähe Neubrandenburgs aber vergeblich.

Der Rentner hätte seine erdachten Fallen den Brandenburgern gern vorgeführt. Aber auch in Neubrandenburg könnte seine Methode, den Sauen Angst einzujagen und Respekt vor menschlichen Ansiedlungen beizubringen, erfolgreich sein, sagt er. Denn besonders der Neue Friedhof in Neubrandenburg musste im vergangenen Jahr unter der Nahrungssuche einer Rotte leiden, die auf der „Jagd“ nach Engerlingen und anderen Leckereien die Erde auf dem Gottesacker umpflügte. Die Stadtverwaltung hatte eine Sondergenehmigung bei der Jagdbehörde erwirkt, auch am und im Friedhof den Schweinen nachzustellen. Die Erlaubnis währte einen Monat lang. Mehrere Stück sind zur Strecke gebracht worden. „Aber“, winkt der Fallenstell-Rentner ab, „andere sind schnell wieder da.“

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