Besuch abgelehnt

Eiszelt zu riskant für Kind im Rollstuhl

Wütend und enttäuscht ist eine Familie, nachdem die Tochter im Rollstuhl nicht aufs Eis durfte. Die Stadtwerke weisen den Vorwurf der Ausgrenzung zurück.
Susanne Schulz Susanne Schulz
Ein Tag der Eiszelt-Saison in Neubrandenburg ist immer den Rollis vorbehalten. (Archivfoto)
Ein Tag der Eiszelt-Saison in Neubrandenburg ist immer den Rollis vorbehalten. (Archivfoto) Susanne Schulz
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Neubrandenburg.

Ärger, Frust und Traurigkeit nimmt eine brandenburgische Familie nach einem Weihnachts-Besuch in Neubrandenburg mit nach Hause. Anlass dafür war ein fehlgeschlagener Besuch im Eiszelt auf dem Neubrandenburger Marktplatz: Die auf einen Rollstuhl angewiesene kleine Tochter der Familie durfte nicht aufs Eis. „Unfassbar wütend und enttäuscht” ist die Mutter nicht nur über die mit Sicherheitsrisiken begründete Ablehnung, sondern über die als „respektlos” und „menschenunwürdig” empfundene Auseinandersetzung.

Die Neubrandenburger Stadtwerke als Betreiber der Eishalle wiederum versichern ausdrücklich, auch Menschen mit Behinderung den Spaß am Eislaufen ermöglichen zu wollen. „Täglich besuchen uns Menschen mit Behinderung, die gemeinsam mit ihren Betreuern auf Schlittschuhen aufs Eis gehen”, berichtet Pressesprecherin Jette Klinger. Die Eisaufsicht sei entsprechend sensibilisiert und achte auf kleine Kinder mit den als Laufhilfen ausleihbaren „Pinguinen” ebenso wie auf Eis-Neulinge und Menschen mit Beeinträchtigungen.

Täglich bis 700 Schlittschuhläufer

Gleitverhalten und Geschwindigkeit eines Rollstuhls allerdings seien im Gemenge, wie es auch seit Beginn der Weihnachtsferien und besonders an den Feiertagen herrschte, nicht abschätzbar. Derzeit seien täglich bis zu 700 Schlittschuhläufer jeden Alters auf dem Eis, erklärt die Unternehmenssprecherin. Die Abwägung des Hallen-Personals in der geschilderten Situation sei daher nachvollziehbar und richtig für die beiderseitige Sicherheit, „für das Mädchen im Rollstuhl ebenso wie für die anderen Läufer”, betont Jette Klinger.

Mit der Bitte um Verständnis sei vorgeschlagen worden, vor der nächsten Eiserneuerung die Eisfläche für zehn Minuten zu nutzen, um dem Kind das Vergnügen zu ermöglichen. Dieses Angebot habe die Familie jedoch nicht angenommen.

Den Vorwurf, behinderte Menschen auszugrenzen, wollen die Stadtwerke nicht auf sich sitzen lassen. So verweist die Sprecherin auf das regelmäßige Mobilitätstraining für Rollstuhlfahrer im Busverkehr, auf Unterstützung für den Behindertenverband und das jährliche Sitzballturnier in der Viertorestadt und nicht zuletzt auf den alljährlichen „Rolli-Vormittag” in der Eishalle für die Kinder der Körperbehindertenschule. Auch mit anderen Nutzern könnten solche Sonderzeiten vereinbart werden. Die Eishalle ist in dieser Saison noch bis zum 3. Januar geöffnet.