:

Entenmutter klagt über "Raub" ihrer Küken

So wie bei dieser Ente sah das aus, wenn die große Familie über den Innenhof watschelte.
So wie bei dieser Ente sah das aus, wenn die große Familie über den Innenhof watschelte.
Holger Hollemann

Aus einem Innenhof sind sechs Jungvögel verschwunden. Keiner weiß, wohin die gebracht worden sind. Über diese Aktion schütteln Ornithologen wie Joachim Stapel nur den Kopf. Weil sie vielleicht gut gemeint war, aber sinnlos ist.

Die Mitarbeiter in den Büroräumen rings um den Innenhof des Gebäudekomplexes in der Geschwister-Boll-Straße hatten so ihren Spaß. Im Entengang und in Entenreihe marschierten sieben Entenküken zwischen den Scheibtischen umher und watschelten wieder raus.

Seit Dienstag ist der Spaß vorbei. Leute kamen, berichten Augenzeugen, mit Keschern und Körben und haben sechs der jungen Küken eingefangen. Wohin die gebracht wurden weiß niemand. Nur noch die Entenmutter und eines der Küken seien dort. Böse Gerüchte machen die Runde: Jemand hat die gefangen, um sie zu Hause auf dem Hof zu füttern und dann prima Weihnachtsbraten zu besitzen. Andere hingegen halten das Entfernen der Küken für eine gute Idee. Schließlich hätten schon Krähen und Elstern auf der Lauer gelegen, um sich die Jungen zu greifen.

Die Gefahr sei riesengroß, bestätigt der Neubrandenburger Ornithologe Joachim Stapel. Schließlich seien die Möglichkeiten zur Flucht in dem kleinen Areal arg begrenzt. Und außerdem: Dort im Innenhof drohen die Küken mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu verhungern. "Ein klitzekleiner Teich nur, da finden die Kleinen längst nicht genug Futter." Stapel kennt den betreffenden Innenhof sehr genau. Denn nicht zum ersten Mal hat sich eine Stockente den geschützten Hof als Brutstätte auserkoren. "In früheren Jahren bin ich einige Male gerufen worden, um die Enten von dort abzuholen." Er, sagt der Vogelfachmann, sei aber ganz anders vorgegangen: "Zuerst den Altvogel einfangen, das mit den Küken geht dann fast von allein."

Der Ornithologe versteht nicht, was die Aktion mir den sechs weg geschafften Küken soll. "Die haben keine Chance - allein und ohne den Altvogel." Denn so völlig ohne Schutz und Beistand seien sie jetzt erst recht leichte Beute für Greifvögel. "Und außerdem brauchen die Küken jetzt noch und besonders in den kühlen Nächten die Wärme der großen Ente, bei der sie jederzeit bei Kälte und Gefahr unter die Fittiche schlüpfen können." Wer auch immer für den Abtransport der Küken verantwortlich gewesen sein mag - viel Ahnung habe der oder die nicht, schüttelt Stapel mit dem Kopf.Statt Spaß lassen jetzt einige der Mitarbeiter Nerven. Denn, wie es heißt, würde die Entenmutter noch immer laut klagen und nach ihren Küken rufen.