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Angriff auf Afrikaner

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Entsetzen genügt nicht: Friedland tut etwas gegen Hass

Der Mühlenteich in Friedland im Luftbild: Reicht ein Handschlag zur Klärung des ausländerfeindlichen Vorfalls?
Der Mühlenteich in Friedland im Luftbild: Reicht ein Handschlag zur Klärung des ausländerfeindlichen Vorfalls?
Anke Brauns/Emscherbild – Fotolia.com

In Friedland wurden zwei Männer aus Eritrea angegriffen. Dass in der Stadt offen Fremdenhass gelebt wird, dagegen wehren sich der Bürgermeister und der Asylbeirat.

Wilfried Block und seine Mitstreiter vom Asylbeirat wollen die Sache nicht aussitzen, schon gar nicht verharmlosen. „Hier hat sich Fremdenfeindlichkeit abgespielt“, dessen ist sich Friedlands Bürgermeister absolut sicher. Am Montag war der Asylbeirat der Stadt zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengekommen, um die Tat vom vergangenen Donnerstag aufs Schärfste zu verurteilen sowie um einen Maßnahmen-Plan zu erstellen, wie Integration in Friedland besser funktionieren kann.

Hunde gehetzt oder doch nicht?

Was sich in der vergangenen Woche in der Kleinstadt abgespielt haben soll, sorgte bundesweit für Aufsehen. Zunächst war die Rede davon, dass zwei Männer aus Eritrea mit ihren Fahrrädern am Mühlenteich an einer Gruppe Betrunkener vorbeigefahren waren. Die Tatverdächtigen sollen daraufhin ihre Hunde verbal aufgehetzt haben, sodass diese den Radfahrern hinterher liefen. Zwei Tatverdächtige sollen die Eritreer geschlagen und einer von ihnen die Fahrräder in den Teich geschmissen haben. In Anwesenheit der Polizei sollen sich die Angetrunkenen abfällig geäußert haben, mit Ausdrücken wie „Scheiß Ausländer“ oder „Ihr seid keine Deutschen“.

Einen Tag später haben sich die Tatverdächtigen nach einer Nordkurier-Recherche vor Ort entschuldigt und die Polizei prüft nach eigenen Angaben, ob die Hunde womöglich doch nicht gehetzt worden sind, sondern vielleicht ihrem Spieltrieb gefolgt waren.

Mit diesen Maßnahmen will die Stadt reagieren

Ein Fall in dieser Form sei ihm in seiner Amtszeit als Bürgermeister zum ersten Mal untergekommen, sagt Wilfried Block. Doch die Mitglieder des Asylbeirates – sie stammen aus Politik, Polizei, Feuerwehr, Schule, Kirche, Sport und anderen gesellschaftlichen Bereichen – wollen aktiv werden. „Trotz sprachlicher Barrieren soll versucht werden, eine intensivere Integration zu fördern“, heißt es. Dazu sollen vier Punkte gehören.

Erstens, beim TSV Friedland 1814 soll es ab sofort einen zusätzlichen Fußballtrainer geben, der Geflüchtete betreut. Die Stadt unterstützt dies finanziell. Ebenso das Kinderfest am 1. Juni soll ein Fest für alle Kinder, ausdrücklich auch Migranten-Kinder, sein. Darüber hinaus soll jetzt die Maßnahme in der Turmstraße greifen, eine Begegnungsstätte für alle. Dafür hatte es kürzlich eine Förderung gegeben. Und viertens, die Friedländer Tafel soll durch das Amt Friedland weiter gefördert werden. Laut Wilfried Block haben rund 50 Prozent der Kunden einen Migrationshintergrund. „Trotz Haushaltskonsolidierung nehmen wir Geld in die Hand“, so der Bürgermeister. Ansonsten „erwarten wir, dass das Ereignis schnellstens aufgeklärt wird und die Justiz zeitnah reagiert, um unmissverständlich deutlich zu machen, dass ein solches Verhalten nicht geduldet wird“, so Block.

Tatverdächtige und Opfer noch nicht angehört

Sowohl Tatverdächtige als auch Opfer sind bisher nicht offiziell vernommen worden. Alle Beteiligten erhielten noch eine schriftliche Einladung, heißt es von einer Sprecherin. Zur Vernehmung erscheinen müsse aber niemand, auch nicht aussagen.

Die beiden Tatverdächtigen indes haben schon so einiges auf dem Kerbholz: Raub, Körperverletzung und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Zum Tatzeitpunkt habe kein Haftbefehl bestanden. Auch weitere Haftgründe für eine Festnahme hätten nicht vorgelegen, wie Fluchtgefahr.

Und was ist mit der Wiederholungsgefahr? Die Sprecherin verweist auf die Strafprozessordnung, in der Gründe für eine Wiederholungsgefahr im Sexualbereich lägen oder von besonders schwerwiegenden Straftaten wie Terrorismusfinanzierung oder schwere Körperverletzung mittels einer Waffe die Rede ist.