Einige Tarife sind angesichts stark gestiegener Einkaufspreise für Stromanbieter nicht mehr wirtschaftlich. Wenn mög
Einige Tarife sind angesichts stark gestiegener Einkaufspreise für Stromanbieter nicht mehr wirtschaftlich. Wenn möglich, flattern Kunden deshalb Kündigungen ins Haus. Im Dunkeln muss allerdings trotzdem niemand sitzen. Karl-Josef Hildenbrand
Stromversorgung

Eon schockt Kunden bei Neubrandenburg mit Kündigung

Der Energiekonzern beendet derzeit einseitig Stromverträge, die für das Unternehmen offenbar nicht mehr lukrativ sind. Alternativen gibt es nicht für jeden.
Neubrandenburg

Die Aufregung war groß bei der Rentnerin aus dem Umland von Neubrandenburg. Ohne jede Vorwarnung flatterte ihr ein Brief ihres Stromversorgers E.on in Haus. Mit einer klaren Ansage: „Ihr Stromvertrag endet am 31. Mai 2022.“ Dabei hatte die knapp 80-Jährige ihren Vertrag gar nicht kündigen wollen. Jetzt wächst die Furcht davor, plötzlich im Dunkeln sitzen zu müssen. Eine solche einseitige Kündigung haben nach Nordkurier-Informationen auch weitere Kunden erhalten.

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Neuer Tarif kann nur online abgeschlossen werden

Die rigorose Art der Anrede durch den Versorger sorgt in einem ersten Schockmoment dafür, dass der weitere Text des Schreibens untergeht. „Aufgrund der aktuellen Entwicklung auf den Energiemärkten bieten wir ihren aktuellen Tarif künftig nicht mehr an“, wird begründet. Gleichzeitig bietet E.on einen Tarif "ÖkoStrom Klassik” mit eingeschränkter Preisgarantie an. Das Problem: Der neue Tarif kann nur online abgeschlossen werden – gerade für ältere Kunden oft ein Ding der Unmöglichkeit. Auch der angepriesene QR-Code kann das Problem schwer lösen. „Falls Sie sich für keinen neuen Vertrag entscheiden, werden Sie durch den örtlichen Grundversorger mit Strom beliefert“, endet der Brief.

E.on sei – wie viele andere Anbieter auch – mit seit Monaten steigenden, mitunter stark schwankenden Einkaufspreisen konfrontiert, begründet ein Sprecher auf Anfrage. Daher werde das Tarifangebot ständig überarbeitet, um Angebote machen zu können, die den „historisch einzigartigen Bedingungen“ entsprechen. „In sehr wenigen Ausnahmefällen kann es daher aktuell sein, dass wir vereinzelt Verträge – natürlich vertragskonform – nicht verlängern, weil wir die betreffenden Tarife in der Form zum Beispiel nicht weiter anbieten können“, heißt es zur Erklärung der angedrohten Kündigung. Das sei ein ganz normaler Vorgang.

Den betroffenen Kundinnen und Kunden werde zumeist direkt ein Angebot für einen neuen Tarif unterbreitet, „da wir sie gerne weiterhin als Energieanbieter beliefern möchten“. Das Angebot werde sehr gut angenommen und sei „attraktiv und fair gestaltet“. „Leider können wir dieses spezielle Angebot zum aktuellen Zeitpunkt nur als Online-Abschluss anbieten“, so der Eon-Sprecher weiter.

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Verbraucherschützer: Zeit zur Information nutzen

„Eine solche Kündigung könnte auch die Chance beinhalten, sich über die Marktlage zu informieren“, erklärt der Rostocker Verbraucherschützer Arian Freytag. Denkbar sei es, sich zunächst in die gesetzlich garantierte Grundversorgung einstufen zu lassen und sich umzusehen. Grundversorgungstarife seien kurzfristig durch die Kunden kündbar. Allerdings seien derzeit die Auswahlmöglichkeiten stark eingeschränkt: Oft sind Freytags Angaben zufolge angesichts der stark steigenden Preise die Grundtarife günstiger als Verträge mit garantierter Laufzeit. Das trifft auch für "ÖkoStrom Klassik” von E.on zu. Der Tarif liegt leicht über den Grundversorgungskonditionen der Neubrandenburger Stadtwerke.

 

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Kommentare (1)

"Ohne jede Vorwarnung". Sollen die Kunden drei Wochen vorher bereits mit einem Brief warnend informiert werden mit etwa "in den nächsten Tagen werden Sie per zweiten Schreiben gekündigt, stellen Sie sich darauf ein"?