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Erste-Hilfe-Kurse und „hoffentlich nicht allzu oft Malaria“

Sophia hat eine weite Reise vor sich. Von Neubrandenburg bis nach Ghana sind es über 5000 Kilometer.  FOTO: Amelie Meurer

VonAmelie MeurerNach dem Abitur fährt Sophia Westphal für ein Jahr nach Ghana und unterrichtet dort Kinder im gesundheitlichen Bereich. Sie selbst möchte ...

VonAmelie Meurer

Nach dem Abitur fährt Sophia Westphal für ein Jahr nach Ghana und unterrichtet dort Kinder im gesundheitlichen Bereich. Sie selbst möchte dabei auch noch etwas dazulernen.

Neubrandenburg.Sophia Westphal hat Lust auf etwas ganz Anderes. Raus aus dem Alltag, raus aus dem gewohnten Neubrandenburg, aus der deutschen Kultur. Sogar raus aus Europa. Im September will sie für ein Jahr nach Westafrika fahren, nach
Accra, in die Hauptstadt des Küstenstaates Ghana.
Sophia ist 18 Jahre alt. Sie ist in den letzten Jahren oft mit den Pfadfindern durch Europa gereist. Jetzt hat sie ihr Abitur vom Musischen Haus des Sportgymnasiums fast in der Tasche – und es steht ihr die Welt offen. Auf einen exotischen Touristen-Urlaub mit Strand und teuren Hotels hat sie aber keine Lust: „Natürlich möchte ich gern die Welt sehen“, sagt Sophia, „aber nicht nur zum eigenen Vergnügen. Ich möchte auch Leuten helfen und etwas Gutes tun.“
Deshalb hat sie sich vor einigen Monaten beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Schwerin gemeldet. Jedes Jahr werden dort Freiwillige gesucht, die bereit sind, ein Jahr lang in einem Entwicklungsland zu arbeiten – und in diesem Jahr hat es auch Sophia durch das Auswahlverfahren geschafft und gehört nun dazu. Gemeinsam mit anderen Freiwilligen wird sie in Ghana Kinder und Jugendliche unterrichten – es geht um Hygiene und Erste Hilfe, aber auch darum, wie man sich bei Erdbeben oder Tsunamis am besten verhalten sollte.

2 Millionen Einwohner auf relativ geringer Fläche
So wie viele andere Freiwilligenstellen wird auch Sophias Arbeit mit dem DRK größtenteils vom Freiwilligendienst „weltwärts“ finanziert. Dieser wurde vom Entwicklungsministerium vor gut fünf Jahren ins Leben gerufen und unterstützt seitdem Jugendliche zwischen 18 und 28 Jahren, die freiwillig in einem Entwicklungsland arbeiten wollen.
Auch wenn Plätze im „weltwärts“-Programm mittlerweile sehr begehrt sind, ist sich Sophia der vielen Probleme und Herausforderungen bewusst, die in der ghanaischen Hauptstadt auf sie warten werden. Accra ist eine Stadt mit über 2 Millionen Einwohnern, und doch leben die Menschen dort auf einer Fläche, die gerade einmal doppelt so groß ist wie die Neubrandenburgs. „Ich wohne dort wahrscheinlich bei einer reicheren Familie, aber trotzdem werde ich wohl viel von der Armut mitbekommen“, vermutet Sophia. Am liebsten würde sie die teilweise schlimmen Verhältnisse sofort verbessern wollen. Aber sie weiß auch, dass das ziemlich unrealistisch ist: „Ich hoffe, ich kann zumindest ein bisschen was ändern. Und wenn nicht, dann ändere ich mich wenigstens selbst.“ Sophia möchte ihre Zeit im Ausland nämlich auch nutzen, sich selbst ein bisschen besser kennenzulernen – und danach besser zu wissen, welche berufliche Laufbahn sie einschlagen möchte.
Eine andere Herausforderung in Ghana für Freiwillige sind oft die vielen Krankheiten: Die Impfungen, die ein Deutscher braucht, um nach Ghana zu reisen, reichen von Polio und Tetanus über Hepatitis bis hin zu Gelbfieber. Trotzdem kann man sich nicht vor allem schützen. „Hoffentlich bekomme ich nicht allzu oft Malaria“, sagt Sophia und lacht. Gegen Malaria gibt es noch keinen wirksamen Impfstoff. Um eine Ansteckung zu vermeiden, kann man laut Deutscher Gesellschaft für Tropenmedizin eigentlich nur aufpassen, dass man keine Mückenstiche bekommt, und vorbeugend Medikamente einnehmen, die aber auch nicht immer helfen.

Eine Mischung
aus Respekt und Sorge
Trotz der vielen Risiken unterstützt ihre Familie Sophia bei ihrem Vorhaben. „Meine Schwester hat auch schon einen Freiwilligendienst in Rumänien gemacht. Von daher ist meine Familie das schon ein bisschen gewöhnt“, erzählt Sophia. Ihre Mutter und ihre Schwester wollen sie wahrscheinlich sogar einmal besuchen kommen und sich mit ihr unter anderem die vielfältige Natur Ghanas ansehen, die von Küstengebieten über Regenwälder bis hin zu Wüsten einiges zu bieten hat.
Andere Leute, denen Sophia von ihrem Freiwilligendienst erzählt, reagieren aber oft eher mit einer Mischung aus Respekt und Sorge. „Manche haben mir schon geraten, dass ich mir meine Haare schwarz färben soll, um nicht so sehr aufzufallen“, sagt Sophia. Auch wenn sie tatsächlich ein bisschen besorgt ist, dass sie in Ghana immer nur „die Weiße“ sein wird, wird sie diesen Tipp wohl trotzdem nicht umsetzen. „Ich bin mir sicher, dass es in Ghana genau wie hier auch aufgeschlossene Menschen gibt, für die die Haut- und Haarfarbe keine Rolle spielen.“
In den letzten Monaten in Deutschland gibt es noch einiges an Vorbereitungen zu treffen – und die Vorfreude steigt bei Sophia immer stärker. Sie liest Bücher über Ghana und Blogs von Freiwilligen, die gerade vor Ort sind. Vor kurzem hat sie auf Youtube außerdem den ghanaischen Tanz „Azonto“ entdeckt. „Es wäre cool, wenn ich in Ghana so richtig tanzen lernen würde“, sagt Sophia voller Begeisterung. „Und die Entspanntheit der Leute dort würde ich mir auch gern ein bisschen aneignen. Die könnte ich in Deutschland auch manchmal gut gebrauchen.“

Kontakt zur Autorin
red-neubrandenburg@nordkurier.de