MORDFALL LEONIE

Ex-Freundin von David H. vor Gericht: "Ich dachte, ich ersticke"

Im Prozess in Neubrandenburg um die getötete Leonie aus Torgelow hat die Ex-Freundin des angeklagten David H. erzählt, wie er sie misshandelt hat. Zudem kommt die Kita-Leiterin von Leonie zu Wort.
Gerald Bahr Gerald Bahr
Andreas Becker Andreas Becker
Der beschuldigte Stiefvater soll Leonie schwer misshandelt und keine medizinische Hilfe geholt haben.
Der beschuldigte Stiefvater soll Leonie schwer misshandelt und keine medizinische Hilfe geholt haben. Bernd Wüstneck
Oliver E., der leibliche Vater von Leonie, im Saal mit einem Foto seiner getöteten Tochter.
Oliver E., der leibliche Vater von Leonie, im Saal mit einem Foto seiner getöteten Tochter. Andreas Becker
Der Angeklagte Stiefvater provozierte den leiblichen Vater von Leonie am ersten Verhandlungstag.
Der Angeklagte Stiefvater provozierte den leiblichen Vater von Leonie am ersten Verhandlungstag. Bernd Wüstneck
Leonie starb unter anderem an schweren Kopfverletzungen und war am 12. Januar tot in der Wohnung der Familie gefunden worden.
Leonie starb unter anderem an schweren Kopfverletzungen und war am 12. Januar tot in der Wohnung der Familie gefunden worden. Bernd Wüstneck
Neubrandenburg.

Eigentlich war es eine normale Beziehung, „es lief ganz gut”. Doch sie endete mit einem gewalttätigen Übergriff. So beschrieb Nancy K. am Freitag ihren Ex-Freund David H. Er ist wegen Mordes durch Unterlassen an der kleinen Leonie aus Torgelow angeklagt. Auch Misshandlungen werden ihm vorgeworfen.

Seine Ex-Freundin sagte als Zeugin in dem Prozess vor dem Landgericht Neubrandenburg aus. Für Richter Jochen Unterlöhner war wichtig, wie sie den Angeklagten als Person, als Partner in einer Beziehung beschreibt.

H. habe alle Freunde zurückgelassen als er zunächst zu Nancy K. nach Karlshagen gezogen war. Das war im August 2012. Sie wurde schwanger, beide zogen dann gemeinsam nach Wolgast. Ihr gemeinsames Kind ist jetzt 4 Jahre alt, sagte K. Die Anerkennung der Vaterschaft müsse aber noch geklärt werden.

Mehr lese: Leonie war laut Notarzt Stunden vor dem Notruf tot.

Drogen und Gewalt

Im Protokoll ihrer Vernehmung gab sie an, dass sie jetzt aber ohnehin nicht wünsche, dass David H. noch Kontakt zu ihrem Sohn habe, nach allem, was passiert sei. Er habe ihr zufolge damals gelegentlich Drogen genommen, eventuell sogar verkauft, wurde zum Ende der Beziehung immer eifersüchtiger – und gewalttätig.

Während der Beziehung hatte H. immer irgendwo Arbeit, sagt sie, zuletzt auf Usedom. Die Beziehung ging im Juli 2016 zu Ende, Nancy wandte sich von H. ab, weil er immer bei der Arbeit war und sie sich allein fühlte, wie sie sagte. Dann habe man sich entschieden, getrennte Wege zu gehen. „Erst noch im Guten”, sagte Nancy K.

Anschließend zog David H. aus und zog bei Oliver E. ein, sie waren befreundet und ehemalige Arbeitskollegen. Oliver E. ist der leibliche Vater von Leonie (6), für deren Tod David H. vor Gericht verantwortlich gemacht wird. Auch der jüngere Bruder von Leonie, Noah, lebte bei David H. und der Mutter Janine Z.

Zeugin: „Ich dachte, ich ersticke”

Ein halbes Jahr nach Trennung, im Februar 2017, kam es zu einem „Vorfall”, so K. Sie weinte, als sie den ersten Satz dazu sprach. Der gemeinsame Sohn war erkältet, sie und David H. wollten sich treffen. Er kam zu ihr in die Wohnung nach Wolgast, war aufbrausend, „durch den Wind”. H. fragte, ob sie ihm Geld leihen könnte. Sie gab ihm 20 Euro.

Dann eskalierte die Situation. „Er war eifersüchtig, fragte nach anderen Männern. Dabei dachte ich, dass die Beziehung nach dem Auszug beendet war.” Es kam zum Streit und zu einem Handgemenge. Richter Unterlöhner fragte nach, was passiert war. „Muss ich das wiederholen?”

Unterlöhner liest aus ihrem Vernehmungsprotokoll vor. Sie wurde von H. am Arm festgehalten, ihr Handy habe er weggenommen, schrie sie an, sie solle ans Kind denken. Laut Protokoll hat er sie durch die ganze Wohnung geschubst, bis sie hingefallen ist, ihre Haare in den Mund gestopft, damit sie niemand schreien hört. „Ich dachte, ich ersticke”, gab sie im Protokoll an. "Erinnern Sie sich daran", fragte Unterlöhner. „Ja”, seufzte Nancy K. nur kurz.

Als sie um Hilfe rufen wollte, hielt er ihr den Mund zu. Geschlagen und getreten habe er sie nicht. Es sei das erste und letzte Mal gewesen, dass H. gewalttätig zu ihr war. Sie musste wegen starker Kopfschmerzen ins Krankenhaus, das stellte eine Anzeige wegen Körperverletzung. Der 28-Jährige erhielt dafür laut Gericht einen Strafbefehl, den er aber nicht bezahlte, sondern eine Ersatzfreiheitsstrafe absaß.

Den Kindern gegenüber nicht gewalttätig

Oliver E. und Janine Z., die leiblichen Eltern von Leonie und Noah, kennt K. ebenfalls. Z. wurde später die Lebensgefährtin von David H., nachdem sie sich von Oliver E. getrennt hatte. In dieser Beziehung habe sie auch Leonie und Noah noch gesehen, die Kinder lebten zu diesem Zeitpunkt schon bei David H. und Janine Z. zusammen.

Gewalttätig sei der Stiefvater gegenüber den Kindern nicht gewesen, schilderte Nancy K. vor Gericht. Doch die Mutter sei „immer ein bisschen überfordert gewesen”, habe sich immer nur beschwert, dass sich der leibliche Vater nicht um die gemeinsamen Kinder kümmere. Sie habe auch einmal Drogen auf dem Tisch bei Janine Z. gesehen. Diese sagte K. zufolge, dass die einem Freund gehörten. Aber welche Mutter lässt dort Drogen liegen, wenn Kinder in der Wohnung sind, fragte Nancy K. nun vor Gericht.

Doch auch von David H. habe sie wenig Unterstützung erhalten, sagte Nancy K. Überfordert sei er mit den Kindern aber nicht gewesen. „Lieb hatte sie ihn nicht, aber akzeptiert”, sagte K. zum Verhältnis von Leonie zu ihrem Stiefvater David H.

Kita-Leiterin sagt aus

Die Kita-Leiterin aus Torgelow, die sich dort auch um Leonie und Noah gekümmert hatte, als die Familie dorthin gezogen war, sagte am Freitag ebenfalls vor Gericht aus. Die Familie wirkte „in Aufbruchstimmung”, sagte die 54-Jährige. Sie wirkten fröhlich. Das war im Herbst 2018. Doch das Verhalten gegenüber der Kita war ein einziges Hin- und Her. Nach der sogenannten Eingewöhnungsphase, ab Mitte September, waren die Kinder schon gar nicht mehr in der Kita, sagte sie.

Die Erzieherinnen hätten zuvor nur blaue Flecken an den Beinen von Noah festgestellt, die laut der Familie aber von den Gehversuchen des Dreijährigen stammen. Das sei plausibel gewesen. Verletzungen im Gesicht seien in der kurzen Zeit, in der die Kinder in der Kita waren, aber weder bei Noah noch bei Leonie aufgefallen.

Warum die beiden Kinder insgesamt nur acht Tage die Kita besuchten? Auf die Frage der Kita-Mitarbeiter habe die Mutter Mitte Oktober nur am Telefon geantwortet, dass Leonie und Noah beide erkrankt seien. Hilfe von der Kita habe Janine Z. abgelehnt, sie melde sich bei der Einrichtung, wenn die Kinder wieder gesund seien. Ende Oktober habe die Mutter sich gemeldet und gesagt, dass die Kinder gesund seien.

Leonie und Noah kamen nicht mehr zur Kita

Doch in die Kita, wie angekündigt, kamen Leonie und Noah nicht. Die Kita-Leiterin rief an, sprach mit David H. Dieser habe Mitte November angegeben, dass beide Kinder nicht mehr bei ihm und Janine Z. seien, weil sie beim leiblichen Vater in Wolgast seien. Es gehe um einen Sorgerechtstreit. Daher kämen die Kinder nicht mehr in Torgelow in die Kita. Da erfuhr die Kita-Leiterin zum ersten Mal davon, dass David H. gar nicht der Vater von Leonie und Noah ist.

Der Nachbar von David H. und Janine Z. in Torgelow beschrieb am Freitag das Familienverhältnis als sehr turbulent. Demnach war die Mutter ruhig und habe sich gut um die Kinder gekümmert. David H. habe die Kinder, vor allem Leonie, jedoch sehr oft angeschrien.

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Kommentare (2)

...die Frau taugt auch nichts!

...wie "Die Ärzte" es besingen: "Manchmal, aber nur manchmal, haben Frauen ein kleines bisschen Haue gern............!"
Die "Mutter" taugt in der Wurzel auch nichts!

Armes Kind, in eine solche "Assifamilie" hineingeboren zu sein!