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Ex-Häftling berichtet über Drogen im Neubrandenburger Gefängnis

Drogen spielen in jedem Gefängnis eine große Rolle. Ein Film aus der Anstalt in Neubrandenburg zeigt, wie ein Insasse nach dem Konsum ein Fall für den Arzt wurde.
Thomas Beigang Thomas Beigang
Die Droge Spice gilt bei den Häftlingen im Neubrandenburger Gefängnis als eine willkommene Trösterin.
Die Droge Spice gilt bei den Häftlingen im Neubrandenburger Gefängnis als eine willkommene Trösterin. Thomas Beigang/Marijan Murat
Neubrandenburg.

Das Neubrandenburger Gefängnis hat ein Drogenproblem – wenn man den Aussagen ehemaliger Gefangener glauben will. Zudem kursiert gerade im Internet ein von Insassen gedrehtes Video, auf dem ein offenbar völlig zugedröhnter junger Mann hilflos in seiner Zelle umherirrt. „Der hat Spice genommen, kein Zweifel”, sagte einer, der es wissen muss und der vor gar nicht langer Zeit ein Jahr seiner Freiheitsstrafe wegen Betrugs hinter den Gittern der Anstalt in Neubrandenburg verbracht hat.

„Spice ist an der Tagesordnung”, so der Ex-Häftling. Wenigstens jeder zweite, so die vorsichtige Schätzung des Insiders, komme damit hinter Gitter in Berührung.

Dabei ist nach den Erfahrungen des Mannes die Beschaffung der Droge kein Problem. Durch Besucher, Freigänger oder gezielte Würfe über die Anstaltsmauern hinweg gelange das Zeug hinter Gitter. Einem Zellen-Mitbewohner musste der Neubrandenburger nach dem „Genuss” der Droge sogar das Leben retten. „Ohne mich wäre der erstickt”, so der ehemalige Anstaltsinsasse. Der Konsument hatte die Dosis falsch eingeschätzt, wurde ohnmächtig und erbrach sich.

Die Droge gilt als äußerst gefährlich. Spice ist die geläufige Bezeichnung für synthetisches Marihuana. Das sind in der Regel getrocknete Kräuter, die mit Chemikalien besprüht wurden. Die Wirkung ähnelt der von natürlichem Marihuana, allerdings hundert Mal stärker. Spice gilt besonders bei Strafgefangenen als attraktiv, weil es bei Drogenkontrollen nur sehr schwer im Körper nachweisbar ist.

Aufpasser finden regelmäßig Drogen

Das Landes-Justizministerium in Schwerin muss die Echtheit des im Internet kursierenden Films zugeben. „Ja, das wurde in der Neubrandenburger Anstalt gedreht”, so ein Sprecher zerknirscht. Denn damit wurden gleich zwei strenge Verbote gebrochen: Wie Drogen sind auch Handys in sämtlichen Gefängnissen verboten.

Dabei führen die Justizbeamten regelmäßige Kontrollen in den Hafträumen durch und werden oft fündig. Im vergangenen Jahr zogen die Aufpasser in Neubrandenburg 19 Mal Drogen ein und nahmen 25 Handys hoch. 2016 war die Quote sogar noch besser: 34 entdeckte Drogenfunde und 26 illegal in der Anstalt kursierende Funktelefone.

„Das Zeug liegt überall herum”

Für den Neubrandenburger Ex-Gefangenen alles nur Zufall. Das Personal in der Anstalt sei völlig überlastet und habe weder Zeit noch Gelegenheit, alles und jeden regelmäßig zu kontrollieren. „Das Zeug liegt überall gut versteckt rum”, behauptet er. Zumal auch der regelmäßige Nachschub aus der Stadt kein Problem sei. „Das ist gut organisiert, schließlich lässt sich damit gut verdienen.” Ein großer Teil der Droge käme aus Laboren im nicht weit entfernten Szczecin/Stettin hinter der deutsch-polnischen Grenze.

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