Unsere Themenseiten

Hochburg Neubrandenburg

:

Fahrraddiebe werden kaum erwischt

Die Fahrradständer am Marktplatz werden von Radfreunden auch kritisch gesehen.
Die Fahrradständer am Marktplatz werden von Radfreunden auch kritisch gesehen.
Tim Prahle

Knapp 300 Fahrräder wurden in Neubrandenburg in diesem Jahr bereits gestohlen. Bei immer dreisteren Diebstählen scheint keine Sicherung ausreichend. Polizei und Organisationen wünschen mehr Achtsamkeit.

Schon wieder ein E-Bike weniger. Eigentlich ist diese Meldung als Nachricht nur eine Randnotiz. Auch wenn das Gefährt einen Neuwert von immerhin 2500 Euro hat. Es ist aber keine Randnotiz. Denn in der Kreisstadt hat der Fahrraddiebstahl dieses Jahr wieder Hochkonjunktur. Das gestohlene E-Bike war bereits Fahrradklau Nummer 292. Quasi täglich werden es mehr. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist das ein Anstieg von rund 24 Prozent. Quasi täglich werden es mehr. Die Polizei ermittelt aktuell in alle Richtungen. „Da sind Auftrags-, aber sicherlich auch Gelegenheitsdiebstähle dabei“, sagt Polizeisprecherin Diana Mehlberg. Die Täter kommen meist ungeschoren davon. Im gesamten Zuständigkeitsgebiet der Polizei Neubrandenburg werden gerade mal fünf bis zehn Prozent der Fälle aufgeklärt.

„In Neubrandenburg selbst ist die Quote noch ein wenig niedriger“, sagt Mehlberg. In der Stadt seien die Menschen anonymer unterwegs als auf dem Land, Auffälligkeiten werden zudem nur selten gemeldet. Doch kommt es zum Diebstahl, sind die Beamten auf Zeugenaussagen angewiesen. Nur selten hilft auch mal das Glück. „Vor ein paar Jahren führten wir aus einem anderen Grund eine Wohnungsdurchsuchung durch“, erinnert sich Mehlberg. Dabei fanden die Ermittler eine Art Umschlagplatz für gestohlene Fahrräder. Der Täter hatte für Lagerung und Umbau des Diebesguts ein ganzes Zimmer seiner Drei-Raum-Wohnung in Anspruch genommen. Doch solche Erfolge sind selten. „Wir brauchen die Hinweise aus der Bevölkerung“, appelliert Diana Mehlberg. Auch wenn nur ein Anfangsverdacht bestehe, weil jemand ein Fahrrad durch die Gegend trägt, können und sollen die Neubrandenburger den Kontakt zur Polizei suchen.

Zehn Prozent des Fahrradwertes fürs Schloss

Immerhin 20 der rund 300 geklauten Fahrräder waren E-Bikes. Für Matthias Röver ist das keine Überraschung. Er ist Leiter der Abteilung Sachschaden bei der Mecklenburgischen Versicherung und beobachtet, dass die neumodischen Zweiräder bei Dieben immer beliebter werden. Fahrradbesitzer können aber vorsorgen: „Die normale Haftpflicht deckt Fahrraddiebstähle nicht ab. Bei uns gibt es bei der Hausratversicherung eine Fahrradklausel, die Kunden wählen können.“ Andere Versicherungen, ergänzt Röver, böten sogar eine extra Fahrradversicherung an.

Ist das Fahrrad weg, müssen die Versicherten bis auf die gestellte Anzeige und den Kaufvertrag keine großen Nachweise einreichen. „Wir unterstellen unseren Kunden grundsätzlich Ehrlichkeit“, sagt Röver. „Auch wenn es sich um das zweite oder dritte Fahrrad innerhalb kürzester Zeit handelt.“ Nur ganz selten werde wirklich mal nachgeforscht, ob es jemand mit der Sicherheit – also mindestens der Verwendung eines Fahrradschlosses – doch nicht so ernst nimmt, wie angegeben.

Doch lohnt sich ein einfaches Schloss überhaupt noch? Je nachdem. „Zehn Prozent des Fahrradwertes sollten in die Sicherung gesteckt werden“, sagt René Martin vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Tollense. Doch auch vor den teuereren Schlössern machen Diebe nicht immer Halt. Martin sind Fälle bekannt, bei denen die Diebe mit hydraulischen Scheren gearbeitet haben. Solchen, wie sie sonst die Feuerwehr verwendet, wenn sie nach einem Unfall die Autoinsassen aus den Fahrzeugen befreit. „Die sind zwar lautlos, aber so groß wie ein Rucksack. Das muss auffallen!“ Auch er würde sich mehr Zivilcourage seiner Mitmenschen wünschen – nicht nur als Repräsentant des ADFC, sondern auch als Privatmensch. Denn auch der Familie Martin sind seit der Wende bereits sieben Fahrräder gestohlen worden. Sein Schloss ist deswegen nun sogar mit einer Alarmanlage ausgestattet. „Auch zwei unterschiedliche Schlösser machen es Dieben schon erheblich schwerer“, rät René Martin.

Er sieht noch ein ganz anderes Problem: „Die Fahrradstellanlagen, die auch vor dem Marktplatzcenter stehen, sind eine Katastrophe für die Sicherheit.“ Diese Vorderradhalter seien überwiegend in der Stadt zu finden. Er plädiere für die weitaus sichereren Bügelhalteranlagen wie sie auch in der Stargarder Straße stehen. Dass die meisten Stellplätze nicht von der Stadt, sondern von den jeweiligen Betreibern der Läden aufgestellt werden, heißt für Martin nicht, dass die Politik nichts tun kann. „Wenn jemand beantragt, diese Anlagen aufzustellen, könnte die Stadt es zur Auflage machen, dass diese auch sicher sind“, sagt er. Der ADFC führe gerade eine Analyse der Anlagen durch, die bald im Rathaus vorgestellt werden soll.