Der entlaufene Rehbock „Bodo” wuchs bei einer Familie aus dem Gemeindegebiet Galenbeck auf. Am Ostersonntag riss er aus, wurde von der Polizei gestellt — und dann aufgrund der von ihm ausgehenden Gefahr erschossen.
Der entlaufene Rehbock „Bodo” wuchs bei einer Familie aus dem Gemeindegebiet Galenbeck auf. Am Ostersonntag riss er aus, wurde von der Polizei gestellt — und dann aufgrund der von ihm ausgehenden Gefahr erschossen. Eckhard Kruse/ZVG
Wildes Haustier

▶ Familie trauert um ihren erschossenen Rehbock „Bodo”

Ein scheinbar zutraulicher Rehbock wurde in Schwichtenberg erschossen. Die Besitzern trauern um ihren „Bodo”, den sie einst mit der Flasche aufzogen.
Schwichtenberg

Der nahe Schwichtenberg bei Friedland erschossene Rehbock hatte für Empörung und einige Fragezeichen gesorgt. Warum musste das so zutraulich wirkende Tier an diesem Ostersonntag sterben?

Der Nordkurier sprach mit der Besitzerin, deren Familie an diesem Verlust aktuell ordentlich zu knabbern hat. Der Redaktion ist der Name bekannt. Sie möchte anonym bleiben, nach der ersten Meldung zum Vorfall seien sie und ihre Familie gerade im Netz einigen Attacken und Beschimpfungen ausgesetzt gewesen, sagt sie. Dabei wiege der Verlust ohnehin schon schwer genug.

Der Rehbock „Bodo” lebte seit Oktober bei der Familie. Ein Landwirt hatte ihn als mutterloses Kitz gefunden und bei der Familie aus dem Gemeindegebiet Galenbeck in fürsorgliche Hände gegeben. „Am Anfang hieß es, es handelt sich um eine Ricke”, sagt die im Gespräch hörbar angefasste Frau. Das wäre weit unproblematischer gewesen.

"Bodo” erstes Wort der Tochter

Die Familie zog „Bodo”, wie sie ihn später nannten, mit der Flasche auf. Monatelang lebte er bei der Familie im Osten der Seenplatte. Als sich das erste Horn bildete, war klar, dass es Probleme geben könnte. „Wir haben es bei sämtlichen Tier- und Wildparks versucht, aber keine wollte ihn aufnehmen, erzählt Bodos „Ziehmutter” schluchzend. Der Rehbock war viel zu handzahm, hatte keine Scheu. Aus diesem Grund wollte ihn die Familie auch nicht einfach wieder aussetzen. Er hätte wohl immer wieder die Nähe zum Menschen gesucht.

Video – Rehbock "Bodo" spielt Ball mit Tochter:

[Video]

„Wir hätten das wahrscheinlich ohnehin nicht übers Herz gebracht”, sagt sie. Jetzt mache sie sich wegen der Naivität Vorwürfe. Womöglich hatte die Familie insgesamt zu lange gehadert, Bodo blieb bei ihr, spielte mit den Kindern, „Bodo” war eines der ersten Worte ihrer eineinhalb Jahre alte Tochter. Jeden Morgen musste zu allererst der Rehbock begrüßt werden, diese sei immer lieb gewesen und habe nie Ärger gemacht.

Bis zum tragischen Ostersonntag. „Er war vom Wesen her ganz anders, richtig aggressiv, hat zum ersten Mal geschaufelt”, schildert seine Besitzerin. Dann sprang er über den Zaun auf einen Acker, blieb jedoch in der Nähe. „Wir konnten ihn nicht wieder anlocken”.

Bodo griff andere Familie an

Die Lage habe sich zugespitzt, als eine andere Familie beim österlichen Spaziergang über das Feld auf „Bodo” zu schlenderte. „Mein Mann ist direkt hingelaufen, hat die Sache erklärt und gewarnt”, sagt die Galenbeckerin. Vergebens. Wie es seine wilden Artgenossen zu dieser Jahreszeit tun, verteidigte Bodo „sein” Territorium, griff die Familie an. Der Vater habe sich mit einem Knüppel gewehrt, den Bock geschlagen. „Verständlich, der wollte seine Familie schützen”, sagt Bodos Besitzerin.

Der Rehbock rannte Richtung Straße, kurz vor der Ortschaft Schwichtenberg in Richtung Sandhagen. Seine menschliche Familie tat alles, um ihn dort wegzubekommen, scheuchte, lockte. Doch der Bock rannte immer wieder zurück auf die Fahrbahn, mehrere Autofahrer mussten in die Eisen steigen, es wurde brenzlig. Die Polizei, mittlerweile von Bodos Familie gerufen, sperrte die Straße kurzzeitig ab, ein Jäger wurde ebenfalls dazu gerufen.

Bittere Entscheidung

„Das Tier hat versucht, Menschen zu attackieren und war nicht zu einfangen”, heißt es im Nachgang von der Polizei auf Anfrage. So schmerzlich es für seine Familie geklungen haben muss; Von Bodo, den sie einst mit der Flasche aufzogen und ihm in bester Absicht das Leben retteten, war mit seinem Hormonüberschuss plötzlich zu einer allgemeinen Gefahr geworden. Mit dem Risiko, dass er noch ins Dorf laufen und weitere Menschen attackieren könnte oder auf der Straße für Unfälle sorgt, folgte die Familie schweren Herzens der bitteren Entscheidung von Jäger und Polizei. Dem Leben des Tieres wurde mit einem Schuss ein Ende gesetzt.

„Die einzige Alternative wäre gewesen, ihn später einschläfern zu lassen”, sagt die Galenbeckerin. Die natürliche Scheu vor Menschen verloren, hätte der hübsche Rehbock immer wieder gefährlich werden können.

Überwunden hat seine Ziehmutter den Verlust auch Tage später noch nicht, den Kindern gehe es noch schlechter. Die kleine Tochter laufe noch immer jeden Morgen zum Garten, um Bodo zu begrüßen. Es wird wohl etwas Zeit brauchen, bevor sie beim Gedanken an Bodo wieder an die schönen Monate zurückdenken können. Und nicht alleine an diesen tragischen Ostersonntag.

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Kommentare (1)

Gut gemeint, ist immer nicht gut gemacht. Erstens zeigt dieser Vorfall dass die Haltung von Wildtieren immer eine Gefahr darstellt und aus gutem Grunde der Genehmigung durch die Behörden bedarf. Ob diese in dem Fall vorgelegen hat wage ich zu bezweifeln auch hätte der Landwirt das Kitz zuerst dem zuständigen Jäger übergeben müssen! Denn nur dieser darf sich das Wildtier aneignen d.h. in Obhut nehmen. Das der Bock nicht artgerecht gehalten wurde ! Geht allein daraus hervor das er mit der Familie spazieren ging und fremde Personen attakierte!