Unfälle in Neubrandenburg
Fast jeder vierte Autofahrer begeht Unfallflucht

Wer etwa beim Parken ein anderes Auto touchiert, ruft besser die Polizei – hinterlässt der Schuldige nur einen Zettel und fährt weg, begeht er Fahrerflucht.
Wer etwa beim Parken ein anderes Auto touchiert, ruft besser die Polizei – hinterlässt der Schuldige nur einen Zettel und fährt weg, begeht er Fahrerflucht.
Andrea Warnecke

Sie haben Angst vor Strafe oder einfach keine Lust zu warten: Immer häufiger suchen Autofahrer auch in Neubrandenburg unerlaubt das Weite, nachdem sie in einen Unfall verwickelt wurden.

Kurz beim Ausparken nicht aufgepasst, schon ist es passiert: Den Außenspiegel des Nachbarautos hat es erwischt und an der Fahrertür des Nachbarautos sind tiefe Schrammen im Lack zu erkennen. Vom Halter fehlt weit und breit jede Spur. In solchen Situationen kommt es nicht selten vor, dass die Verursacher einfach abhauen. Durchschnittlich 30 Mal pro Tag versuchen sich die Täter auf diese Weise ihrer Verantwortung zu entziehen, wie aus der aktuellen Verkehrsunfallstatistik Mecklenburg-Vorpommerns hervorgeht. Ein schwerwiegendes Problem, das auch die Neubrandenburger Polizei seit Langem beschäftigt.

Allein im vergangenen Jahr entfernten sich die Täter bei 515 der insgesamt 2153 Verkehrsunfälle vom Ort des Geschehens, ohne die Polizei zu verständigen. „Das ist fast jeder Vierte“, betont Polizeisprecherin Diana Mehlberg. In 484 Fällen handelte es sich um Kollisionen, bei denen ein Sachschaden zwischen 500 und 2000 Euro entstand. 17 Menschen wurden bei Unfallfluchten leicht verletzt, zwei sogar schwer. So hatte ein Autofahrer im September 2018 einen Fußgänger, der gerade den Zebrastreifen vor dem Eingang des Lindetal-Centers überqueren wollte, übersehen und angefahren. Der Mann musste umgehend ins Neubrandenburger Klinikum gebracht werden. Nur drei Monate später prallte an der Kreuzung Dümperstraße/Treptower Straße ein Pkw mit einem Radfahrer zusammen, der verletzt auf der Straße liegen blieb. Der Unfallverursacher düste indessen unbeeindruckt davon.

Opfer bleiben häufig auf den Kosten sitzen

Während das Innenministerium des Landes einen steten Anstieg bei Unfällen mit Fahrerflucht beklagt, ist der Anteil solcher Delikte im Neubrandenburger Stadtgebiet im Vergleich zum Vorjahr annähernd gleich geblieben. „2017 machten sich die Verantwortlichen bei 574 der insgesamt 2353 Unfälle aus dem Staub“, weiß Diana Mehlberg und warnt eindringlich davor, dieses Vergehen zu verharmlosen. Denn selbst nach einem Parkrempler sei das unerlaubte Entfernen von der Unfallstelle eine Straftat, die je nach Schwere mit einer Geldstrafe, Führerscheinentzug oder im schlimmsten Fall mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden könne. Für die Opfer sind vor allem die Fälle schmerzlich, in denen es den Beamten nicht gelingt, die Verur­sacher zu ermitteln. Denn wer keine Vollkaskoversicherung hat, bleibt auf dem entstandenen Schaden und den damit verbundenen Kosten sitzen.

In den Vorjahren lag die Aufklärungsquote bei rund 50 Prozent. Die Gründe, vom Unfallort zu flüchten, seien sehr vielfältig. „Viele behaupten, gar nicht gemerkt zu haben, dass durch sie ein Schaden am benachbarten Pkw entstanden ist. Andere wiederum hätten angeblich keine Zeit gehabt, um auf den Halter des Fahrzeugs zu warten. Die verbreitete Praxis, einen Zettel mit seinen Kontaktdaten an die Windschutzscheibe zu klemmen, reicht keineswegs aus“, so die Polizeisprecherin. Mancher Autofahrer würde sich auch aus Angst vor den Konsequenzen einige Tage nach dem Unfall selbst bei der Polizei melden, um ihr falsches Verhalten zu gestehen. In solchen Fällen seien dann oft Alkohol oder andere Drogen im Spiel gewesen, heißt es von der Polizei.

Kommentare (1)

Die Überschrift "Fast jeder vierte Autofahrer begeht Unfallflucht" stimmt so nicht und leitet in die Irre. Es müsste wohl richtig heißen "Fast jeder vierte Unfallverursacher begeht Unfallflucht" ... ein erheblicher Unterschied, trotzdem natürlich auch dies nicht akzeptabel ist, was aber sehr aussagekräftig über das Sozialverhalten vieler Mitmenschen ist.