INTERNET-ABSTIMMUNG

Das halten die Neubrandenburger von einem Beinamen

Die Internet-Abstimmung über einen Namenszusatz für Neubrandenburg lässt Wünsche offen – auch den nach schlichtem Verzicht auf einen Beinamen.
Susanne Schulz Susanne Schulz
Neubrandenburg scheint viele Alleinstellungsmerkmale zu haben ...
Neubrandenburg scheint viele Alleinstellungsmerkmale zu haben ... © sester1848 - Fotolia.com
Neubrandenburg.

Die Zeit läuft: Keine vier Wochen mehr haben Neubrandenburgs Einwohner Zeit, per Mausklick zu wählen, in welcher Stadt sie leben möchten. Bis zum 10. März läuft die Internet-Abstimmung um einen Beinamen, der so unverwechselbar ist wie für Stavenhagen die Reuter-, für Güstrow die Barlach- oder fürs benachbarte Neustrelitz die – naja, vielleicht nicht ganz so einmalige – Residenzstadt.

„Auch Neubrandenburg hat Alleinstellungsmerkmale, die die Stadt besonders machen“, sagt Oberbürgermeister Silvio Witt. Der Namenszusatz, der Ortsschilder und kommunale Dokumente zieren könnte, soll den Einwohnern „mehr Identifikation“ ermöglichen. Und vorab ein gerüttelt Maß an Bürger-Beteiligung durch die Wahl unter den drei Vorschlägen Viertorestadt, Tollenseseestadt oder Hochschulstadt.

Erneut abstimmen leicht gemacht

Wie viele Menschen schon abgestimmt haben, ist dem Internet-Formular nicht zu entlocken. Schon gar nicht, wie oft. Denn wer seinen Favoriten angeklickt und nach dem Häkchen für die obligatorische Datenschutzerklärung seine Wahl bestätigt hat, wird automatisch weitergeleitet – zur Auswahlseite mit den drei Vorschlägen. „Man kann erneut abstimmen – immer und immer wieder“, stellt ein Nutzer erstaunt fest.

Einen klaren Favoriten benennen Gerda und Günter Möller in ihrer Zuschrift an den Nordkurier: Sie als gebürtige Neubrandenburgerin und er als Demminer bevorzugen gleichermaßen die „Stadt der vier Tore“ oder eben Viertorestadt.

Leser plädieren für Kombination zweier Vorschläge

„Vor allem für touristische Zwecke wird doch bereits seit langem mit ,Stadt der vier Tore‘ geworben“, stellt Hartmut Völker fest. Daher fragt er sich, „welchen Effekt, außer zusätzlichem Aufwand, die erste offizielle Namensänderung in der über 770-jährigen Stadtgeschichte bewirken“ solle. Vermutlich solle eine ohnehin „getroffene Vorauswahl demokratisch bemäntelt“ werden, argwöhnt er.

Andere Leser plädieren für gleich zwei der vorgeschlagenen Trümpfe: „Warum nicht damit werben, was unsere Stadt ausmacht – Kultur und Natur, für jeden was!“, begründet Gabriele Sacher ihren Vorschlag „Stadt der Vier Tore am Tollensesee“. Ähnlich sieht es Reinhard Skierke. Schon in den 90er Jahren habe er um mehr Vermarktung des Tollensesees gebeten. Die Seeseite sei schon sehr attraktiv; im Uferbereich indessen sei in früheren Jahren bedeutend mehr los gewesen. „Da sich der Begriff Viertorestadt schon eingebürgert hat, sollte man ihn um ,am Tollensesee‘ erweitern“, wünscht sich Skierke.

Abstimmung läuft bis zum 10. März

Doch auch Verdruss über ungenannte Aspekte bricht sich Bahn. Nicht nur in sarkastischer Weise wie bei Bernd Lange, der eine „Stadt der verpassten Chancen oder der ewigen Schildbürgerstreiche oder der vier Straßenbaustellen“ erlebt, sondern auch aus Enttäuschung über den nicht berücksichtigten Vorschlag „Stadt der Vier Tore und Raumfahrer“ vom Verein Initiative 2000 plus. Die Idee sei wohl, befürchtet Mit-Initiator Uwe Schmaling, „eher als Witz gesehen worden“.

„Ein Abstimmungskästchen für ,Sonstiges‘ wäre konsequent gewesen“, schlussfolgert Schmaling. Ebenso vermisst wird, wie aus Wortmeldungen an den Nordkurier hervorgeht, die Antwort-Option „Wir brauchen keinen Namenszusatz.“ Die Abstimmung läuft noch bis zum 10. März auf www.neubrandenburg.de. Über das weitere Vorgehen sollen dann die Stadtvertreter befinden.

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Kommentare (2)

Der Artikel trieft vor offener und versteckter Miesepetrigkeit. Kann man in dieser Stadt bitte auch mal Dinge positiv sehen und betrachten, nicht immer nur vom teilweise herbeifabulierten schlechtesten Standpunkt aus?

Ich als schleswig-holsteinische Neubrandenburg-Touristin bin ebenfalls für den Beinamen „Viertorestadt am Tollensesee“. „Viertorestadt“ ist quasi schon gesetzt und der Tollensesee ein wertvolles Kennzeichen Neubrandenburgs. Diesen Beinamen sollte der Nordkurier den Stadtvertretern vorschlagen.