INNENSTADTBELEBUNG

Französische Presse feiert Neubrandenburg als Erfolgsmodell

Die französische Zeitung „Le Monde” feiert Neubrandenburg dafür, seine Innenstadt attraktiv zu halten – trotz der Schließung von Kaufhof. Wie passt das zusammen?
Vom verblassten Glanz des einstigen Kaufhofs am Neubrandenburger Marktplatz zeugt wenige Tage nach der Schließung nur no
Vom verblassten Glanz des einstigen Kaufhofs am Neubrandenburger Marktplatz zeugt wenige Tage nach der Schließung nur noch die Kontur des bereits abmoniterten Schriftzugs. Mirko Hertrich
Neubrandenburg.

Die Kaufhof-Filiale ist zum Bedauern von Stadt, Händlern und vieler Kunden zwar zu, doch das Aus für das 60 Jahre alte Traditionshaus am Neubrandenburger Marktplatz beschert der Vier-Tore-Stadt eine große Medienaufmerksamkeit, nicht nur überregional, sondern jetzt auch international. Am Mittwoch erschien in der französischen Tageszeitung „Le Monde” ein Beitrag über die Schließung des Kaufhauses in Corona-Zeiten.

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Amazon-Pläne werden nicht erwähnt

Das Qualitätsmedium aus der französischen Hauptstadt wirft dabei einen Blick auf das Oberzentrum im fernen Mecklenburg-Vorpommern. Die Lage im hohen Norden der Republik wird auch anschaulich mit einer Karte illustriert.

Unter der Überschrift „In Deutschland nehmen die Städte wieder Besitz von ihren Zentren” schildert „Le Monde” Neubrandenburg in dem Beitrag als anschauliches Beispiel für die erfolgreiche Kooperation zwischen öffentlicher Hand und privaten Investoren gegen die Verödung der Innenstädte in Zeiten der Pandemie und wachsender Konkurrenz durch den Online-Handel. Der Beitrag wurde veröffentlicht, bevor die Nachricht publik wurde, dass der Versandhandel Amazon einen Blick auf Neubrandenburg geworfen hat.

Ins Feld geführt wird die Forderung des Deutschen Städte- und Gemeindetags, leerstehende Immobilien zurückzukaufen und günstig zu vermieten. Als Trumpf Neubrandenburgs hat die französische Journalistin Cécile Boutelet den Neubrandenburger Immobilienbestand von 300 Handelsflächen in kommunaler Verwaltung in der Innenstadt ausgemacht, außerdem 12.000 Wohnungen.

Zusammenarbeit zwischen privater und öffentlicher Hand

Zu Wort in dem Beitrag kommt unter anderen Neuwoges-Geschäftsführer Frank Benischke, der durch die Immobilien über die geeigneten Hebel verfüge, um eine ausgeglichene Angebotsmischung zusammenzustellen. Lobend erwähnt wird auch die Werbegemeinschaft Neubrandenburger Innenstadt. Während des Lockdowns habe diese Zusammenarbeit es möglich gemacht, schnell zu reagieren, um Firmenpleiten zu verhindern.

In normalen Zeiten vereinfacht nach Ansicht von „Le Monde” die Zusammenarbeit zwischen privater und öffentlicher Hand die Organisation von Veranstaltungen, um Kunden anzuziehen. Weiter wird dem französischen Leser nähergebracht: „Auch wenn sie nicht die große touristische Stadt ist, ist Neubrandenburg stolz auf sein Zentrum, welches seine alten Stadtmauern und die vier mittelalterlichen Tore intakt hält.”

Bibliothek soll permanent geöffnet sein

Auch Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) kommt in dem Beitrag zu Wort, denen zufolge Neubrandenburg mit Erfolg darauf reagiert hat, um eine ausreichende Frequentation der Altstadt aufrechtzuerhalten. „Ich träume davon, die Bibliothek permanent geöffnet zu sehen und nicht nur als ein Ort der Lektüre, sondern des Zusammentreffens von Menschen und des Bürgerservices zu sein”, sagte der Rathauschef der französischen Journalistin.

Als eine Person mit Schlüsselrolle in dem Dialog zwischen allen beteiligten Parteien sieht „Le Monde” Neubrandenburgs City-Manager Michael Schröder. Der Fakt, einen Immobilienbestand unter städtischer Verwaltung zu haben, sei ein enormer Trumpf für die Förderung des Zentrums, wird er zitiert. „Wir sind in der Lage, alle Akteure leicht an einem Tisch zu vereinen.”

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