Pastor Günther Seidt fühlt sich ein bisschen wie ein Herbergsvater dieser Tage: Immer ist etwas los in der Kirche mi
Pastor Günther Seidt fühlt sich ein bisschen wie ein Herbergsvater dieser Tage: Immer ist etwas los in der Kirche mit knapp 30 geflüchteten Menschen unter dem Dach. Henning Stallmeyer
Der Jugendraum wird als Wohnzimmer benutzt.
Der Jugendraum wird als Wohnzimmer benutzt. Henning Stallmeyer
Nicht luxuriös, aber für den Anfang reichen die Gästezimmer den Geflüchteten.
Nicht luxuriös, aber für den Anfang reichen die Gästezimmer den Geflüchteten. Henning Stallmeyer
Krieg in der Ukraine

Freikirche kümmert sich um Flüchtlinge wie in einer großen Familie

Die meisten Geflüchteten sind Familienangehörige von Gemeindemitgliedern. Den vom Krieg verfolgten Familien gibt die Kirche „Jesus Punkt” ein Zuhause auf Zeit.
Neubrandenburg

Ist das eine Kirche oder eine Herberge? Wer in diesen Tagen bei der evangelischen Freikirche „Jesus Punkt“ in Neubrandenburg vorbeischaut, stellt sich diese Frage unweigerlich. „Beides“, antwortet darauf Pastor und Herbergsvater Günther Seidt. Bloß, dass hier keine Menschen Urlaub machen, sondern eine Zuflucht vor Krieg und Verfolgung in ihrer Heimat gewährt bekommen.

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Platz im Gemeindezentrum

Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine hat die Kirche rund 30 Flüchtlingen eine Unterkunft ermöglicht. Viele Angehörige der Gemeinde haben ihre Wurzeln in dem vom Krieg gebeutelten Land und noch Familie vor Ort. „Die wollten sie natürlich dort raus und nach Neubrandenburg holen“, erinnert sich Pastor Seidt. Und da kam die Gemeinde ins Spiel. Platz genug war vorhanden in dem großen Gemeindezentrum in der Krusehofer Straße, das nicht nur über den Saal für die Gottesdienste, sondern auch über Aufenthalts-, Büroräume und über zehn Gästezimmer mit einer Gemeinschaftsküche verfügt.

Übrsetzungsprogramm hilft

„Da war für uns sofort klar, dass wir helfen können und müssen“, sagt der Pastor. Denn Gemeindemitglieder würden hier wie Familie behandelt und in einer Familie helfe man sich bedingungslos. Also wurden die Gästezimmer auf Vordermann gebracht, neue Stockbetten besorgt, um alle unterzubringen. Bei Sprachproblemen übersetzen die Verwandten. Und wenn mal kein Übersetzer da ist, dann verständigt sich Günther Seidt eben mit Händen und Füßen und dem Übersetzungsprogramm auf dem Handy. „Da kommen schon mal lustige Übersetzungspannen bei raus, aber im Grunde klappt die Verständigung immer“, sagt der 64-Jährige schmunzelnd. Von den Geflüchteten erfährt die Gemeinde, die im Schnitt etwa 70 bis 80 Besucher zu ihren Gottesdiensten empfängt, vor allem Dankbarkeit.

Flüchtlinge sind Bereicherung

Für Pastor Seidt sind die Flüchtlinge keine Belastung, sondern eine Bereicherung: Einige helfen mit im Garten, andere bei den Vorbereitungen zum Gottesdienst, wieder andere spielen Instrumente und musizieren. Als man für die vielen neuen Bewohner mehr Duschen brauchte, zimmerten die Ukrainer selbst ihre sanitären Anlagen in die Badezimmer. „Da sind einige klasse Handwerker dabei“, findet Günther Seidt. Einige Kirchenlieder singen die Geflüchteten und die Gemeinde inzwischen zusammen. Die Familie sei gewachsen, freut sich der Pastor.

Gemeinde hat eine eigene Warteliste für Unterkünfte

Die ersten fünf Flüchtlinge konnten das Gästezimmer schon für eine neue Wohnung verlassen, dafür stehen die nächsten fünf Neuankömmlinge schon in den Startlöchern. Die Gemeinde hat eine eigene Warteliste mit Flüchtlingen, denn mehr als 30 können sie nicht aufnehmen.

„Wir können nicht jeden aufnehmen, da beschränken wir uns auf die Angehörigen der Gemeinde“, bittet Günther Seidt um Verständnis. Die Angehörigen sind so direkt für die Flüchtlinge verantwortlich und man hat immer einen Ansprechpartner. Wer die Flüchtlingsarbeit der Kirche unterstützen möchte, kann das am besten über Möbelspenden tun. „Gerade Küchenmöbel brauchen wir dringend“, appelliert Seidt. Denn selbst wenn die ukrainischen Neuankömmlinge eine neue Wohnung gefunden haben, brauchen sie erst einmal eine Grundausstattung an Möbeln.

 

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