Doreen Bolz hat sich einen Traum erfüllt: In ihrer alten Heimat Neubrandenburg hat sie einen Friseurladen eröffnet.
Doreen Bolz hat sich einen Traum erfüllt: In ihrer alten Heimat Neubrandenburg hat sie einen Friseurladen eröffnet. Paulina Jasmer
Heimweh

Friseurin kehrt als Meisterin an den Datzeberg zurück

Doreen Bolz war viele Jahre lang Hunderte Kilometer von ihrer alten Heimat Neubrandenburg entfernt. Jetzt erfüllt sie sich hier einen lang ersehnten Traum.
Neubrandenburg

Doreen Bolz ist ein Datzeberg-Kind. So nennt sie sich selbst. Und als Datzeberg-Kind ist sie jetzt auch wieder auf den Neubrandenburger Datzeberg zurückgekehrt. Die 46-Jährige mit dem brünetten Haarschopf und der markanten Brille sitzt mit einem breiten Lächeln in ihrem Salon. Ihrem ersten eigenen. Er liegt im Erdgeschoss der neu gebauten Senioren-Residenz „Tollense-Blick“ in der Rasgrader Straße. Erst seit ein paar Monaten hat Doreen Bolz ihre bestandene Meisterprüfung als Friseurin in der Tasche. In der Handwerkskammer zu Köln hat sie sie abgelegt. Und nun ist sie auf dem Datzeberg im Neubrandenburger Norden ihre eigene Chefin.

Nach der Wende: Nur weg!

„Ich wollte immer einen eigenen Laden haben“, gesteht die nur 1,46 Meter große Frau, die wie ein Wasserfall reden kann. „Ja, plappern kann ich, muss man auch können als Friseurin“, sagt die zweifache Mutter, die jedoch für ihre Selbstständigkeit nicht unbedingt wieder zurück wollte auf den Datzeberg, weil ihre Kindheits-Erinnerungen nicht sonderlich gut seien. „Wir waren fünf Kinder zu Hause. Für schlechte Noten haben wir nie Ärger bekommen“, denkt sie zurück. Ihre Eltern waren der Meinung, dass jeder das schaffe, was er zu leisten vermag.

Doreen Bolz bezeichnet sich selbst als schlechte Schülerin, eine Schwänzerin, die die Schule noch vor der zehnten Klasse verließ. Auch weil sie gemobbt worden sei. Eine Lese-Rechtschreib-Schwäche habe ihr das Leben zusätzlich erschwert. Dann herrschte Wendezeit. Aufbruch. Für die damals 15-Jährige bedeutete das: Sie wollte nur weg. Im Christlichen Jugenddorf (CJD) Frechen in Nordrhein-Westfalen fand sie Obdach – und eine Ausbildungsstelle zur Friseurin, ihr Traumberuf. Gut 700 Kilometer entfernt konnte sie von 1991 bis 1994 ihr berufliches Glück machen, hatte aber die Liebe in Neubrandenburg gefunden. Ihren baldigen Ehemann hatte sie in der alten Heimat kennengelernt. Sie kehrte zurück, sie heirateten, bekamen zwei Kinder. Doreen Bolz arbeitete als Friseurin.

Lang ersehnter Traum

Rund 20 Jahre nach Ausbildungsende gab es ein Klassentreffen, bei dem sie einen ehemaligen Bewohner des CJD wieder traf. Ihre Ehe sei schon damals zum Scheitern verurteilt gewesen, eine neue Liebe wuchs. Die Scheidung vom heutigen Ex-Mann folgte und Doreen Bolz zog wieder in die Ferne, mit der festen Absicht, das zu tun, was sie schon immer wollte: ihren Meister machen. Mit einer diagnostizierten Lese-Rechtschreib-Schwäche sei das eine Herausforderung gewesen. Sie habe mehr Zeit eingeräumt bekommen. „Doch als ich nach acht Stunden aus der Prüfung kam, dachte ich, ich bin durchgefallen“, kann sie sich erinnern. Aber Ende 2020 kam der erlösende Brief: Sie hatte bestanden.

Jetzt galt es, sich etwas Neues aufzubauen. Zeitgleich habe sie mitbekommen, dass ihre Eltern, die noch immer in Neubrandenburg wohnen, Zuwendung brauchen. Die Idee, sich in der Vier-Tore-Stadt selbstständig zu machen, war geboren – auch wenn sie jetzt eine Fern-Beziehung führt. Mit dem Grün der Seenplatte hätten Köln und Co. nie mithalten können. Was dort als See galt, darüber habe sie nur müde lächeln können, sagt Doreen Bolz.

Kunden gern betüddelt

Die 46-Jährige schätzt es, für ältere Kunden da zu sein. „Sie werden mitunter vergessen“, meint sie. Zahlreiche Friseure hätten eher jüngere Kundschaft im Blick, mit der viel Geld zu machen sei, Stichwort: Ombre. Dabei handelt es sich um einen Haarmode, bei der die Spitzen hell und der Rest des Haares dunkel gefärbt wird. Laut Doreen Bolz kann das mehrere Hundert Euro kosten. Sie selbst mag es, „ältere Damen zu betüddeln“ – die auch betüddelt werden wollen. Dabei sei bei ihnen nicht zwangsläufig die Dauerwelle angesagt, sondern auch moderne Schnitte. „Doch bei der Dauerwelle kann ich herrlich beim Wickeln entspannen“, verrät die Friseurmeisterin und lächelt.

Für die Neubrandenburgerin läuft es also gut. Noch besser wird es gar: „Auch meine Tochter wird eine Rückkehrerin. Sie will Lehramt in Greifswald studieren“, sagt die stolze Mutter, deren Sohn Feuerwehrmann in Schwedt ist. Heimat und Familie gehören eben zusammen.

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